Villingen-Schwenningen

Ammoniak-Tanks weichen für Neues

von Michael Pohl

Die notwendige Erneuerung der Kühlanlage der Kunsteisbahn läuft seit zwei Wochen. Am Mittwoch wurden die Ammoniak-Tanks aus der Erde gehoben. Für Konzerte und Events bleibt in der Helios Arena jedoch vorerst kaum Zeit.

VS-Schwenningen. "Das ist Millimeterarbeit", sagt Klaus Hässler, Geschäftsführer der Kunsteisbahngesellschaft (KEB), am Mittwochvormittag als der letzte von zwei Ammoniak-Tanks aus den Tiefen der Helios Arena geborgen wird. Wo bisher 7,8 Tonnen Ammoniak gelagert wurden, wird demnächst nur noch ein Tank mit etwa 4,5 Tonnen des Kühlmittels stehen. "Dadurch, dass zukünftig nur noch die Helios Arena mit Ammoniak gekühlt wird, brauchen wir deutlich weniger", erklärt Eismeister Hermann Vikoler. Die Kunsteisbahn und später auch die Curlinghalle werden nach der Erneuerung mit Glycol gekühlt. "Während Ammoniak ein Kühlmittel ist, ist Glycol ein Kälteträger", erklärt Vikoler. Die Kälte komme durch das Ammoniak, das Glycol erhalte diese in den beiden anderen Hallen.

Die Leitungen verlaufen über das Dach der Arena hin­über zu Bahn II. "Allerdings werden die vorerst nur provisorisch installiert", sagt Hässler, denn im kommenden Jahr werde das Dach der Kunsteisbahn erneuert, da müssten die Leitungen vorübergehend wieder runter.

Das Ziel vor Augen

Der Zeitplan ist straff, schließlich wollen die Schwenninger Wild Wings ab August wieder auf dem Eis trainieren. "Ziel ist es, dass wir am 15. Juli fertig sind und das Eis aufbereiten können", gibt Hässler Auskunft. "Ich bin aber zuversichtlich, dass das klappt." Eismeister Vikoler ist sogar überzeugt: "Wir schaffen das!" Das Eis der Kunsteisbahn soll dann Ende September gerichtet werden, sodass Jugend- und Hobbymannschaften den Trainings- und Spielbetrieb aufnehmen können und der Publikumslauf ebenfalls wieder beginnen kann. "Die Kühlanlage der Curlinghalle kann leider erst gerichtet werden, wenn das neue Dach auf Bahn II bereits wieder drauf ist", erklärt der KEB-Chef. "Das schaffen wir nicht früher."

Abgesehen vom Eissport ist die Baustelle an und um die Helios Arena darüber hin­aus ein Hindernis. Denn bereits in den vergangenen Monaten hatten Großveranstaltungen eher Seltenheitswert. Und das wird bis 2019 laut Klaus Hässler auch kaum besser. "Ich kann mit der Baustelle überhaupt nichts planen, erst recht nicht langfristig."

Als im Jahr 2013 der Hallenboden für rund 160 000 Euro angeschafft wurde, waren die Hoffnungen groß, dass ganzjährig und trotz Eis Konzerte und andere Events in der Helios Arena stattfinden werden. Anfangs fanden tatsächlich Stars wie Nena, Sido, Bülent Ceylan und Sascha Grammel den Weg in die Neckarstadt. Zuletzt blieben solche Gastauftritte jedoch aus. Und auch in diesem Jahr ist der Terminkalender mit der jüngst stattgefundenen Fahrzeugpräsentation eines Autohauses sowie dem zweitägigen Oktoberfest im September und der auf November verschobenen 90er-Party eher dürftig bestückt.

Der DEL-Spielplan der abgelaufenen Saison war aufgrund der Olympiapause im Februar derart komprimiert, dass laut Hässler kaum Platz für andere Events war. "Und auch 2018/2019 bin ich vom Spielplan, der erst im Juli herauskommt, abhängig." Er sei zwar in Gesprächen mit Veranstaltern, aber die Branche habe sich in kürzester Zeit sehr verändert. "Die Künstler verlangen mittlerweile so hohe Gagen, dass eigentlich nur Hallen mit 15- oder 20 000 Besuchern infrage kommen", schildert Hässler seine Beobachtungen.

Verlust der Agentur

Auch der Wegfall der Eventagentur Koko, die in der Anfangszeit die meisten Stars nach Schwenningen gebracht hatte, nehme Einfluss. "Das ist schade, dass es diese Agentur nicht mehr gibt", so Hässler. Aufgeben wird er nicht, doch unter den jetzigen Umständen könne er ohnehin nur kurzfristig am Markt agieren.