Urlaubstripp

Was erwartet Autofahrer im Ausland?

von André Anwar, Knut Krohn, Almut Siefert, Klaus Ehringfeld, Johannes Dieterich

Schweden: Rücksicht wird großgeschrieben

Im dünn besiedelten Schweden wird gemächlich und gemäß der dortigen Mentalität mit viel Rücksicht gefahren. Rasende, aggressiv hupende Macho-Fahrer sind selten anzutreffen. Schweden halten sich noch penibler an die Regeln als die Deutschen. Sowohl auf Landstraßen wie Autobahnen herrschen zumeist strengere Geschwindigkeitsbegrenzungen als in Deutschland. Drakonische Strafen schon ab 0,2 Promille Alkohol haben dazu geführt, dass Trunkenheit am Steuer kein Kavaliersdelikt ist. Wer fährt, trinkt vorher einfach nichts.

Mit 25 Verkehrstoten pro einer Million Einwohner (2017) liegt Schweden weit vorn bei der Verkehrssicherheit (EU- Durchschnitt 49). Ab 2050 soll niemand mehr auf Schwedens Straßen sterben oder schwer verletzt werden, so das Ziel. Vor allem auf Landstraßen verzeichnet das Land bereits einen 90-prozentigen Rückgang der Todesfälle dank Mittelstreifenbarrieren. Gleichzeitig ist die Autobau-Nation nicht erst sei Greta Thunberg sehr umweltbewusst. Das Auto ist meist kein Statussymbol. Ein dichtes Fahrradwegenetz, zahlreiche Buslinien, gute Zugverbindungen und Mautgebühren sorgen dafür, dass viele Schweden das Auto stehen lassen – vor allem in den Großstädten.

Dennoch fahren die Schweden im Sommer auch gern mit dem Auto gen Süden. Schwedens Königspaar ist immer wieder mal auf deutschen Autobahnraststätten zu sehen, freilich mit einem Auto voller Personenschützer im Schlepptau. Aber König Carl XVI. Gustaf fährt die weiten Strecken selbst – mit Königin Silvia auf dem Beifahrersitz. Bilsemester nennt sich das – zu Deutsch: Autourlaub.

Frankreich: Die Delle gehört zum guten Ton

In Frankreich hat eine angekündigte Erhöhung der Steuer auf Diesel im November 2018 fast eine Revolution ausgelöst. Einfache Leute vom Land streiften sich gelbe Westen über und gingen auf die Straße. Der Grund: Sie sind auf das Auto angewiesen, weil der Nahverkehr in der Provinz sehr schlecht ausgebaut ist. Für diese Leute ist das Auto ein Gebrauchsgegenstand – und so sehen das auch die meisten Franzosen. Eine Schramme im Lack - macht nichts. Vor allem in den großen Städten gehören Dellen und Kratzer früher oder später zur Standardausstattung, denn beim Ein- und Ausparken wird gerne auf Kontakt gefahren.

Vor allem in Paris sind die täglichen Verkehrsstaus legendär. Viele Arbeitnehmer pendeln aus dem Umland ins Zentrum, weil sie sich die Mieten nicht leisten können. Zwar schaufelt die Metro morgens die arbeitende Masse im Minutentakt in die Stadt, doch das System ist völlig überlastet, weshalb sich viele lieber ins Auto setzen. Manche weichen auf Motorroller aus und drängeln sich wagemutig zwischen den Autoschlangen durch den Verkehr. Es soll auch Menschen geben, die in Paris das Fahrrad nehmen – aber das ist wohl eher ein Gerücht.

Italien: Wer bremst, verliert!

Die einzige Regel, die es für das Autofahren in Italien zu geben scheint, ist die, dass es keine Regeln gibt. Außer vielleicht: Wer bremst, verliert. Dabei muss man nach einer kurzen Eingewöhnungsphase fasziniert anerkennen, dass dieses anarchische Blech-Chaos – zumindest meistens – irgendwie funktioniert. Die Motorini – zu Deutsch Mopeds – passen durch die schmalste Lücke, auf einer zweispurigen Straße können durchaus drei oder mehr Autos nebeneinander herfahren, und wer sich in einer Schlange vorne anstellt, kommt eben auch schneller ans Ziel. Zwar begleitet von einem Hupkonzert, aber das scheint oftmals mehr der Chuzpe des Verkehrssünders zu applaudieren als ihn ob seines grob asozialen Verhaltens zu rügen.

Die Regellosigkeit hat ein Ende, wenn es ans Parken geht. Niemals sollte man das Auto in Italien innerhalb gelber Linien abstellen! Diese Parkplätze sind Behinderten vorbehalten. Ist kein weiß (kostenfrei) oder blau umrandeter (Parkgebühren) Platz vorhanden, führt es zu weniger Ärger, in der zweiten Reihe zu parken. Aber hier gilt: Warnblinker anschalten und nach spätestens 30 Minuten wieder zurückkehren.

Mexiko: Eigentlich ist immer Rushhour

Der Mexikaner liebt sein Auto. Er fährt damit den kürzesten Weg, zum Einkaufen, zum Taco-Essen. In Mexiko-Stadt sieht man viele Luxuskarossen aus Stuttgart, München oder Ingolstadt. Man zeigt hier gerne, was man hat und auf Kredit finanziert. Lohnt sich ja, denn der Mexikaner verbringt viel Zeit in seinem Gefährt.

In Mexiko-Stadt ist eigentlich immer Rushhour. Die Fahrt von der Arbeit nach Hause dauert gerne mal zwei Stunden. Laut dem »Tomtom Traffic Index 2018« ist Mexiko-Stadt im Ranking der verstopftesten Großstädte auf Platz neun. Zum Vergleich: Hamburg als verstopfteste deutsche Stadt liegt auf Rang 48, Stuttgart auf Platz 106. Dabei ist in Mexiko-Stadt viel geschehen in den vergangenen Jahren: Schnellbus-Linien, Fahrrad-Leihsysteme, Fahrverbote. Aber in der 22-Millionen-Metropole sind einfach zu viele Menschen unterwegs. Und die Idee, dass der Individualverkehr reduziert und der öffentliche Nah- und Fernverkehrt gestärkt werden müssten, löst hier Kopfschütteln aus. Das Auto ist Statussymbol und Freiheit.

Auf den Fernstraßen kann der Mexikaner diese Freiheit noch ausleben. Sogar jetzt in der Ferienzeit. Es gibt mautpflichtige Autobahnen, die sehr teuer und in der Regel nicht so voll sind. Wer Geld sparen will, muss also Zeit einplanen. Denn die Landstraßen sind kostenfrei – und entsprechend voll.

Der Führerschein vom Schwarzmarkt

Südafrikas atemberaubende Mordrate wird höchstens noch von einem Killer übertroffen: dem Auto. Jährlich kommen fast 20 000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben: Das ist jeder 2750. Südafrikaner – zehnmal mehr als in Deutschland. In den Schulferien gibt die Polizei täglich die Zahl der in dieser Saison getöteten Verkehrsopfer bekannt, die trotz aller PR-Aktionen partout nicht sinken will. Die Gründe für das Massaker auf den Straßen sind vielschichtig. Etwa der miserable Zustand vieler Fahrzeuge: Südafrika hat keinen Tüv und viele Menschen kein Geld, ihr Auto verkehrssicher zu halten. Alkohol spielt ebenfalls eine Rolle – sowie die Tatsache, dass manche Chauffeure ihren Führerschein auf dem Schwarzmarkt erwerben.