Unterreichenbach

Kreis bleibt von tödlichen Unfällen verschont

von Axel H. Kunert

Wie sieht die Zukunft der deutschen Verkehrswachten aus? Auch auf der Hauptversammlung der Kreisverkehrswacht Calw (KVW Calw) kam die Diskussion wie von ungefähr auf dieses Thema – denn immer weniger Menschen sind bereit, sich im Ehrenamt für die Verkehrssicherheit zu engagieren.

Unterreichenbach. Auf 158 Personen sei die Zahl der Mitglieder der Kreisverkehrswacht Calw mittlerweile gesunken, von ursprünglich einmal weit über 200 – ein aber "immer noch guter Wert", wie Carsten Lachenauer, Bürgermeister von Unterreichenbach und erster Vorsitzender der KVW Calw, auf der Hauptversammlung des Vereins im Gasthaus Adler in Dennjächt erläuterte. Denn: "Damit stehen wir im Vergleich noch ziemlich gut da", auch wenn die Tendenz eindeutig negativ sei. Es gebe aber Vereine, die nur noch mit einem guten Dutzend Aktiver die verschiedenen Angebote zur Verkehrssicherheitserziehung der Verkehrswacht aufrecht erhalten müssten.

"Wir werden uns zunehmend Gedanken machen müssen, wie wir neue – und vor allem jüngere – Mitglieder für die Arbeit in der Kreisverkehrswacht interessieren können", so Lachenauer weiter. Ein Thema, an dem auch auf Landes- und Bundesebene in den Verkehrswachten gearbeitet werde – aber noch ohne entscheidende Impulse. Wobei er beobachte, dass "dies auch ein gesellschaftsweiter Trend" sei, sich immer weniger im Ehrenamt zu engagieren – vor allem, wenn es, wie bei der Verkehrswacht, erst einmal "keinen direkten Nutzen" durch eine Mitgliedschaft gebe. Verkehrsprävention, geleistet durch umfassende Verkehrserziehung vor allem bei den jüngsten Verkehrsteilnehmer, entfalte ihren Wert ja erst beim langfristigen Blick in die Verkehrsunfallstatistik.

Personenschäden gehen um 16 Prozent zurück

Und da sieht es im Kreis Calw derzeit ziemlich gut aus, wie der "Ehrengast" des Abends, Polizeirat Volker Walter, Leiter des Polizeireviers Calw, in einem kurzen Grußwort erläutern konnte. Zwar sterbe landesweit in Baden-Württemberg immer noch "alle 20 Stunden ein Mensch im Straßenverkehr" – aber im Kreis Calw gab es im vergangenem Jahr "keinen einzigen Verkehrstoten" zu beklagen. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ging im Kreisgebiet von 2159 Unfällen im Jahr 2017 auf 2020 Unfälle "leicht zurück", wobei die Zahl der Unfälle mit Personenschaden sogar um 16 Prozent sank.

Walter unterstrich, dass auch für die Polizei neben der Kriminalitätsbekämpfung "die Verkehrserziehung und Prävention eine der wichtigsten Aufgaben" sei. Es gelte nach wie vor die "Vision zero" – also das Erreichen einer Verkehrssicherheit "ohne Verkehrstote und ohne Schwerverletzte". Wobei man davon ausgehe, dass man das – siehe das Beispiel Kreis Calw – auch in Zukunft flächendeckend erreichen könne.

"Dafür brauchen wir verlässliche Partner", wie die Verkehrswachten. KWV-Vorstand Carsten Lachenauer nannte diese "stabile Verbindung" zwischen Polizei und KWV denn auch "eine echte Symbiose", die sich in der Verkehrserziehung seit Jahrzehnten bewähre.

In Zahlen ausgedrückt: Im Jahr 2018 konnte die Kreisverkehrswacht Calw insgesamt 45 Verkehrssicherheits-Trainings für PKW-Fahrer mit insgesamt 390 Teilnehmer durchführen. Fünf Trainings waren es für Motorradfahrer mit 53 Teilnehmern. Veranstaltungen für Kinder im Straßenverkehr konnten gar 148 durchgeführt werden – was Besuche zum Beispiel in Kindergärten und Grundschulen meint – mit insgesamt 1458 Teilnehmern. Weitere knapp 1500 Kinder legten im vergangenem Jahr zudem die Prüfung zum Fahrrad-Führerschein ab. Es gab eine Aktion zum Schulanfang mit zehn Teilnehmern, 15 spezielle Veranstaltungen für (junge) Radfahrer im Rahmen von Ferienprogrammen mit 211 Teilnehmern, fünf allgemeine Mobilitätstrainings mit 55 Teilnehmern, eine Veranstaltung für Senioren mit 42 Teilnehmern, 16 Veranstaltungen für die Zielgruppe "Junge Fahrer" mit 388 Teilnehmern und vier Vorträge zum Thema "Neuerungen im Verkehrsrecht" mit 42 Teilnehmern.

Besonders stolz ist man bei der KVW Calw auf die 130 Schulbusbegleiter im Kreis, die regelmäßig dafür sorgten, "dass in den Bussen einigermaßen Ordnung herrscht" – was vor allem auch die Busunternehmen und Eltern zu schätzen wüssten. "Eine extrem hohe Zahl", um die der Kreis Calw andernorts auch beneidet werde.

Eine ursprünglich "extrem tragische Geschichte" konnte von der KVW Calw mittlerweile in eine echte "Erfolgsstory" umgemünzt werden: 2016 starb ein Moderator bei einem Verkehrssicherheitstraining, als ein Autofahrer eine Richtungsanweisung falsch auslegte und den Moderator überfuhr. Als Konsequenz daraus entwickelten Schüler der Berufsschule Calw den "CRASHnix", einen fernsteuerbaren Fahrtrichtungsanzeiger in Form eines Roboters (wir berichteten). Das gemeinsame Projekt dazu von KVW Calw und der Berufsschule Calw ist nun vom Innenministerium Baden-Württemberg im Rahmen der Aktion "Gib Acht im Verkehr" für einen Sonderpreis für Verkehrsprävention ausgewählt worden. Die Preisübergabe soll am 26. Juni in Rahmen einer Feierstunde in Offenburg stattfinden, wohin die KVW Calw mit einer Delegation anreisen will.

"Ich bin da sehr stolz auf unser Sicherheits-Team", so Vorsitzender Lachenauer. Vielleicht inspiriere der Preis nun auch andere Verkehrswachten, den "CRASHnix" für ihr

Bei den – von Lachenauer bei den doch noch reichlich guten Nachrichten fast vergessenen – Vorstandwahlen wurden Roland Dalcolmo als Beisitzer und (in Abwesenheit) Andreas Hölzelberger als zweiter Vorsitzender, Werner Rentschler ebenfalls als Beisitzer, Marcel Burkhardt als Schriftführer und Inge Schuon an Kassenprüferin einstimmig bestätigt. Für den Sommer steht eine Sanierung der "Rutschflächen" auf dem Verkehrsübungsplatz der KWV Calw in Haiterbach an, die verschiedene Schäden aufweise. Auf den Rutschflächen werden in Fahrsicherheitstrainings der KWV Calw Situationen bei Aquaplaning oder Eisglätte simuliert.