Unterkirnach

"Jetzt spreche ich hässliche Dinge an"

von Jasmin Cools

Es gibt Momente im Leben, da hat man das Gefühl, vom Weg abgekommen zu sein. Als würde der innere Kompass nicht mehr funktionieren. Man lässt sich treiben und stellt plötzlich fest, dass es Zeit ist, mit den Dämonen der Vergangenheit abzuschließen. Patrick Gambin hat das getan, indem er sein Album "Unendlich alte Lieder" fertiggestellt hat – ein würdiges Ende für seine Album-Trilogie, die er 2011 begonnen hat.

Als Teil der Gruppe "Rap Squad One" ist Gambin bereits eine bekannte Größe in der Villinger Musikszene. Und auch als Solo-Künstler unter dem Pseudonym "Richard Lykson" hat er unter anderem durch seinen Auftritt bei "Deutschland sucht den Superstar" von sich reden gemacht.

Auf seinem neuen Album rechnet er nun knallhart mit allem ab, was ihn die vergangenen Jahre runtergezogen hat. "Ich wollte mein drittes Album seit 2013 produzieren, hatte aber keine Geschichte zu erzählen", sagt Gambin.

Vor einem halben Jahr habe er dann seine alten Produktionen gelöscht, reinen Tisch gemacht mit altem Ballast. "Damals wollte ich noch vorsichtig und politisch korrekt sein. Jetzt spreche ich auch die hässlichen Dinge an", sagt der 25-Jährige. Und die sind all das, was man sich ungern eingesteht – Fehler, Selbstzweifel und schlechte Erfahrungen. "Es ist befreiend, das Album fertig zu haben und etwas erzählen zu können", meint der Musiker.

Thematisch passe es mit seinen ersten beiden Alben "Odyssee" (2011) und "Theater" (2013) zusammen, auch wenn es soundmäßig aus dem Raster falle. Diesmal habe er viel fremdproduzieren lassen mithilfe von Produzent René Schellrich ("Screwaholic"), und was von Gambin selbst sei, gehe vom herkömmlichen Hip-Hop weg.

Die 13 Tracks erzählen die Geschichte von Gambin – autobiographisch, authentisch und mit dem Finger an der Wunde. "Eine Zeit lang hatte ich nichts zu sagen, doch jetzt schließt sich der Kreis, und ich verstecke mich nicht mehr. Das Album ist so geworden, wie ich bin. Das ist die Mucke, die ich immer machen wollte", sagt er.

Dazu passt, dass er den ersten und den letzten Song selbst produziert hat. Den Text zu "Stille" habe er eines Nachts auf dem Handy getippt. Darin geht es um die innere Stimme, aufkommende Unsicherheit und den Moment der Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss.

Eine Hymne für alle Mitbürger liefert Gambin mit der Popnummer "Villinger Original". "Es gibt einfach Dinge, die hat jeder Villinger gemacht", weiß der Student.

Dann beginnt die Aufarbeitung der Dämonen mit dem Dance-Song "Arsch der Welt", dem Moment, in dem etwas losgelassen wird, um etwas Neues zu finden. Aus diesem Song stammt auch der Albumtitel "Unendlich alte Lieder". In den Tracks "Mindfuck", "Shogun" und "Giftig" lässt Gambin alles raus: Wut und Enttäuschung.

"Sieben Türen" ist der einzige ältere Song. Er erzählt, wie sich hinter jeder Tür etwas anderes verbirgt, bis eine offen bleibt. "Ab ›Bodenseepirat‹ wird es dann schön – und das im Dreivierteltakt ohne Drums", sagt Patrick Gambin.

Bei "Vier Uhr Dreissig" stellt er fest, dass es auch Dinge gibt, für die sich das Kämpfen lohnt. Das gipfelt in "Scheißegal", in dem der Sänger feststellt, dass nur wenige Dinge im Leben wirklich eine Rolle spielen.

Ein Ausreißer Richtung Rock ist der kürzlich veröffentlichte Song "Papa Theresa", in dem sich Gambin über alle aufregt, die nach einem Jahr im Ausland glauben, etwas Besonderes zu sein und die Welt verbessern zu können.

Zurück zum Storytell-Hip-Hop, mit dem Gambin großgeworden ist, geht es mit dem letzten Song "Timing". "Darin geht es um die wiedergefundene Liebe. Alles, was geschehen ist, spielt keine Rolle mehr", meint der 25-Jährige. "Nach so langer Zeit hast du mich befreit – beschissenes Timing", singt er darüber, dass eben nicht alles so läuft, wie man es im Voraus plant.

"Ein Wissenschaftler würde sagen: ›Auf dem Album geht es um die anthropologischen Grundfragen‹: Liebe, Hass, falsche Freunde", meint Gambin. Wichtig war ihm, dass seine Rap-Squad-One-Kollegen Andi, Ilja und Döner auf dem Album vertreten sind. Mit ihnen produziert er regelmäßig neue Songs.

Wer neugierig geworden ist, der sollte am 2. September zum "Cosmic Festival" nach Unterkirnach kommen. Dort will Gambin 100 Exemplare seines Albums als CD verteilen. Der Erscheinungstermin ist der 1. September.

Weitere Informationen: www.facebook.com/RichardLykson www.youtube.com/user/LyRickFreaks