Tübingen

Explosionsgefahr in Biogasanlagen

von Walther Rosenberger

Tübingen - Was die Sicherheitsprüfer des Landes bei ihren Besuchen von Biogasanlagen im Land in den vergangenen Monaten in ihre Blöcke notierten, liest sich wie der Bericht aus einem Entwicklungsland: »Offensichtliche Mängel«, konstatieren die vom Landesumweltministerium in Gang gesetzten Beamten. Festgestellt wurden »Leckagen«, die zum »Austritt wassergefährdender Stoffe« führten. Weiter gab es mangelnden Explosionsschutz, beschädigte Foliendächer, überfüllte Fahrsilos, ungenehmigte Veränderungen an den oft Fußballplatz großen Bio-Energiekraftwerken – und noch vieles mehr.

Neue Daten aus dem Regierungspräsidium Tübingen, die unserer Zeitung vorliegen, ergänzen das Bild. Damit ist klar: Ein Großteil der rund 900 Biogasanlagen im Südwesten ist in einem erbärmlichen Zustand. Bei fast jeder zweiten Anlage mussten die Gewerbeaufseher den Rotstift zücken. Bei über einem Zehntel der meist von Bauern betriebenen Bio-Brütern stellten sie »grobe« Probleme fest, die in der gleichen Zahl der Fälle auch zu handfesten Schäden führten.

So kommt es immer wieder zu Explosionen. Im baden-württembergischen Daugendorf ging 2007 eine Anlage in einem Feuerball auf. Trümmer verteilten sich im Radius von über hundert Metern, danach legte sich ein stinkender Gülleregen übers Gelände. Zum bislang folgenschwersten Unfall kam es 2005 im niedersächsischen Rhadereistedt. Nach dem Entladen eines Tankfahrzeugs mit tierischen Abfällen tötete eine giftige Schwefelwasserstoffwolke vier Menschen.

Fast schon an der Tagesordnung ist laut Roland Fendler vom Dessauer Umweltbundesamt, dass Gülle oder vergärende Pflanzenreste ins Grundwasser oder in Bäche gelangen.

In Baden-Württemberg ist man inzwischen allerdings aufgewacht. In den vergangenen zwei Jahren wurde ein Großteil des Anlagenbestands überprüft. Bayern kontrollierte ebenfalls.

Einige Nordländer haben zumindest Prüf-Initiativen gestartet. Anlagen, die defekt waren, wurden auch schon mal stillgelegt.