Triberg

Erst der Zensur unterworfen, heute aktueller Konfliktstoff

von Schwarzwälder Bote

Raumschaft Triberg. Das Mini-Abo fürs Theater Freiburg ist für die aktuelle Spielzeit vorbei. Brigitte Knezevic aus Schonach möchte jedoch einigen Interessierten aus der Raumschaft die unbekannte Oper "Hulda" nicht vorenthalten, weshalb sie einen Aufführungstermin anbietet, zu dem die Theaterliebhaber mit Privatwagen fahren werden. Um baldige Anmeldungen für die Aufführung am Sonntag, 16. Juni, 15 Uhr, bittet Knezevic unter Telefon 07722/59  71.

Bereits am 16. Februar fand in Freiburg die deutsche Erstaufführung von "Hulda" statt, 125 Jahre nach ihrer Uraufführung 1894 in Monte Carlo. 1884/85: Der belgische Komponist Cesar Franck – vielen eher als Komponist von Kirchenmusik bekannt – vertont das nordische Drama Hulda, wartet bis zu seinem Tod 1890 auf die Uraufführung seiner Oper. Skandinavische Themen waren damals aktuell, auch das Thema Frauenrechte/Emanzipation klang zuweilen in Opern und Operetten an, jedoch versteckt, weil der Zensur unterworfen.

"Hulda" wird als Mädchen von kriegerischen nordischen Stämmen verschleppt, vergewaltigt, erniedrigt, ihr Stamm ausgelöscht. Sie schwört Rache, die sie jedoch erst ausüben kann, nachdem es ihr gelungen war, in den Rang einer Königin aufzusteigen. Danach ertränkt sie sich im Meer – soweit die nordische Sage. Ein Regieteam lotet stets auch die historischen Zeitläufe aus, während derer ein Werk entstand.

Regisseur Tilmann Knabe stieß dabei auf Folgendes: Etliche europäische Staaten hatten schon Kolonialbesitz in Afrika. 1884 begann die deutsche Kolonialpolitik in Afrika. 1885 fand die Kongo-Konferenz in Berlin statt, auf der die europäischen Mächte die Annexion des Kongo durch den belgischen König Leopold II. absegneten und die heutigen Grenzen in Afrika willkürlich zogen, ungeachtet der dort lebenden Stämme und ihrer Kulturen. Diese unselige Kolonialzeit mit ihren Gräueltaten durch die Besatzer sind der Ursprung für viele Probleme des heutigen Afrika.

Die Handlung der Oper wird aus zwingenden aktuellen Gründen nach Afrika verlegt: "Hulda" wird zur modernen afrikanischen Widerstandskämpferin.

Denn alles, was "Hulda" geschehen ist, passiert auch heute noch den Menschen in den Kriegsgebieten tagtäglich. Etwa zeitgleich zur Premiere erfolgte von Berlin und Freiburg aus die Rückgabe von in der Kolonialzeit geraubter Kunst beziehungsweise Statussymbolen. Diskussionsstoff zur Genüge. Die Musik: Spätromantisch, erinnernd an Wagner, Puccini, stellenweise auch an moderne Filmmusik im Stil von Wolfgang Korngold.