Sulz a. N.

Rheinische Frohnatur mit viel Herz

von Ingrid Vögele.

Eine fröhliche Grundstimmung herrscht beim Gottesdienst im Seniorenheim, den Pfarrerin Birgit Henschel mit Heimbewohnern, Betreuerinnen und Heimfürsprecherinnen feiert. Mit dabei ist Lore Wagner, zuständig für die musikalische Begleitung.

Vöhringen. Die Senioren genießen sichtlich die Stunde und die anschließende persönliche Zuwendung. Birgit Henschel ist in Holzheim bei Neuss geboren und war mehr als 20 Jahre lang Gemeindepfarrerin im Rheinland.

Wie kommt nun eine rheinische Frohnatur in diesen beschaulichen schwäbischen Kirchendistrikt? Das Erlebnis einer gregorianischen Singwoche im Kloster in Alpirsbach war wohl der Auslöser. Henschel wagte einen Neuanfang. Der Oberkirchenrat in Stuttgart bot ihr 2017 eine Stelle als Altenpflegeseelsorgerin auf Zeit im Dekanat Sulz an. Natürlich musste sie sich zuerst einmal an der Karte orientieren, aber sofort konnte sie daraus für sich positive Schlüsse ziehen. Und als ihr in Stuttgart das Gebiet als "offene Gegend" beschrieben wurde, da wusste die 58- Jährige: "Hier bin ich richtig".

Offen, lebhaft, anpassungsfähig, zuverlässig – mit diesen Attributen könnte man Henschel beschreiben. Daraus ergab sich in der Vergangenheit in ihrem ehemaligen Kirchenkreis ein großer Aufgabenkatalog, der die Ökumene, Diakonie, Partnerschaftsarbeit und die Friedensarbeit umfasste.

Zwei Kindergärten rief sie mit ins Leben, ebenso die Frauenarbeit und die Erwachsenenbildung. Zudem trägt der christlich-muslimische Dialog ihre Handschrift. Ihr jetziges Einsatzfeld umfasst die Pflege- und Altenheime in Vöhringen, Horb und Rosenfeld. In allen drei Gemeinden wurde sie mit offenen Armen empfangen.

Der Schwerpunkt ihrer jetzigen Arbeit liegt auf der Seelsorge im Alter, am Anfang eine Herausforderung. Aber ganz schnell lernte sie diese bisher unbekannte Facette ihres Berufs lieben.

Der Vertrag ist inzwischen bis 2021 verlängert. Gemäß ihrer Maxime vom diakonischen Handeln im Miteinander mit Hochbetagten ist es ihr ein Anliegen, sich für die Senioren zu engagieren. Sie möchte Außenstehende sensibilisieren, sich um alte Menschen im Heim zu kümmern. Jeder könne mit kleinen Gesten, einem Telefonat, einem Besuch oder einer Karte einfach mal Hallo sagen und zeigen, dass die Senioren immer noch dazu gehören und Teil der Kirchengemeinde sind. Von Demenzkranken habe sie gelernt, was es heißt, Liebe entgegenzubringen. Auch sie hätten noch zu geben. Die Senioren warteten auf Kontakte. Darin liege der Schlüssel für die Lebenszufriedenheit.