Sulz a. N.

Kläger-See lädt zum Verweilen ein

von Jürgen Huber

Sulz-Kastell - Viele ältere Sulzer werden sich noch erinnern. In den strengen Wintermonaten des vergangenen Jahrhunderts gefror das Oberflächenwasser im Gewann "Untere Strütwiesen" an der "Alten Sigmarswanger Straße" und ermöglichte so großen Eislaufspaß.

Heinz Esslinger, damals selbst begeisterter Eisläufer, sorgte für eine optimale Eisfläche. Da es sich um ein stehendes Gewässer handelte, blieb die Eisfläche meist bis ins Frühjahr erhalten. Nach und nach wurde die Fläche ausgebaggert, so kam es zum sogenannten "Kläger-See". Gespeist wird dieser vom Oberflächenwasser aus den Gewannen "Obere Strütwiesen" und "Äußerer Allmendwasen" sowie aus zwei Quellen in diesem Bereich.

Heute ist der See etwa 100 Meter lang und 60 Meter breit. In der Mitte ragen zwei Inseln aus dem Wasser. Im nördöstlichen Teil gibt es eine Mauer, in die ein Abfluss eingebaut ist. Von dort fließt das Waser als kleiner Bach in Richtung der Einmündung Meboldstraße und K5505. Dort wird er von einer Dole aufgenommen, das Wasser wird so mit dem Oberflächenwasser der Umgebung abgeleitet. Vor über 20 Jahren übernahm der Sportangelverein Oberndorf die Pflege des Sees, der später bei einer Versteigerung das Refugium sogar in seinen Besitz nehmen konnte. Zusammen mit der Naturschutzbehörde wurde der See weiter vergrößert. Wenn heute Oberflächenwasser zufließt, sorgt der mittlerweile eingebaute Vorklärer dafür, dass die groben Verschmutzungen abgehalten werden.

"Wir haben ganz zu Beginn im See Fische eingesetzt und nur einmal nachbesetzt, wir überlassen den See und das darin herrschende Leben sich selbst und setzen auf die natürliche Reproduktion", sagt Peter Beiter, Vorsitzender des Sportangelvereins Oberndorf.

Nutzung als Gewässer für mehrere Friedfischarten

Im See tummeln sich überwiegend Friedfischarten, also Fische, die keine anderen Fische jagen. Rotaugen, Rotfedern, Schleien und Karpfen sind anzutreffen. Vereinzelt sind auch Räuber wie Hecht oder Zander unterwegs. "Wir nutzen den See nicht für größere Angelevents, sondern bieten unseren Mitgliedern, die nicht an steilen Uferböschungen angeln können, diesen Platz an", erklärt Beiter. Das Gelände soll seinen ursprünglichen Charakter bewahren und als Biotop den zahlreichen Tieren der Umgebung als Rückzugsort dienen.

Die Pflegemaßnahmen beschränken sich allein auf die Mäharbeiten für den Zugang und einen kleinen Streifen um den See herum, auch diesbezüglich soll ansonsten die Natur Regie führen. Alle zwei bis drei Jahre steht als weitere Arbeit die Reinigung des Vorfluters an.

Rings um den See fühlen sich auch Ringelnattern und verschiedene Arten von Erdmolchen wohl. An seichten Stellen können auch Krebse beobachtet werden. Für Kröten ist das mit Schilf bewachsene Ufer ein idealer Laichplatz. Für den Eisvogel sind die kleinen Fische ein Leckerbissen, weswegen er den See auch wohl längst zu einem seiner Lieblingsorte erkoren hat.

Das trübe Wasser kommt vor allem von den Umtrieben der Karpfen her. Diese stochern viel auf dem Grund und wirbeln dadurch Sedimente auf. Das trübe Wasser ist wohl auch der Grund dafür, dass sich nur vereinzelt Kormorane am See aufhalten. Im klaren Wasser des Neckars ist eben doch besser Beute zu machen. Wildenten nutzen den See als Badegewässer und Brutstellen. "Im Frühjahr hat auf der großen Insel ein Nilgans-Pärchen gebrütet, wenn wir uns dem See genähert haben, haben sich die Gänse bemerkbar gemacht und ihren Brutplatz lauthals verteidigt", berichtet Beiter. Weil nahe der am See verlaufenden Hochspannungsleitung keine Bäume gepflanzt werden dürfen, ist die gesamte Wasseroberfläche in den Sommermonaten intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Dadurch erwärmt sich das Wasser sehr stark. Auf den Inseln spenden indes Bäume und Sträucher Schatten. "Karpfen legen ihre Eier auf Pflanzen ab, also sind die ins Wasser ragenden Äste der Weiden eine gute Ablagestelle", erklärt Peter Beiter. Für den Mensch ist das Gewässer ein Ruhepol, das soll auch für die dortige Tierwelt so bleiben.

In unserer Sommerserie beschäftigen wir uns mit Naturparadiesen, die wichtige Lebensräume oder Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen darstellen. Wir berichten dabei auch über Menschen, die solche Biotope anlegen und sich darum kümmern. Gerne nehmen wir dazu Vorschläge entgegen.