Sulz a. N.

Der Eisweiher ist heute ein Biotop

von Marzell Steinmetz

Sulz-Renfrizhausen. Märchenhaft und verwunschen liegt der Teich mitten im Wald. Er ist von Algen bedeckt. Sonnenlicht spiegelt sich auf der Oberfläche, über die gerade eine Libelle schwirrt. "Die Seegrütze geht im Herbst wieder weg", sagt Günter Hund, in dessen Wald der Teich liegt. Er ist einer von drei Weihern in Renfrizhausen, aus denen früher Eisblöcke für die Bierkeller in Renfrizhausen geholt wurden.

Weiter unterhalb liegt ein zweiter Weiher, der allerdings verlandet ist. Der dritte war dort, wo sich heute der Hundesportplatz befindet.

Das kleine Gewässer an der früheren Abraumhalde der Steinbrüche unterhalb des Rindelbergs wäre wohl auch ausgetrocknet und mit Gras und Gestrüpp bewachsen, wenn ihn Günter Hund nicht vor 20 Jahren hätte ausbaggern lassen. Er wollte den Teich als Biotop erhalten. Dass er dafür auch einen Zuschuss bekommen konnte, erfuhr er vom damaligen Ortsvorsteher Karl Hauser. Hund erinnert sich noch gut daran, wie eine Delegation des Landratsamts Rottweil den Weiher besichtigte. Man habe ihm vorgehalten, er wolle einen Fischteich daraus machen. Karl Hauser überzeugte die Beamten, dass dies nun wirklich nicht beabsichtigt sei, und der Zuschuss wurde bewilligt.

Fast hätte es jedoch noch eine böse Überraschung beim Ausbaggern gegeben. Dabei kam neben einem Fahrrad eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein. Sie funktionierte zum Glück nicht mehr. Der Baggerfahrer konnte seine Arbeit fortsetzen.

Der frühere Eisweiher wird vom Görngraben gespeist. Er führt vom Wandbühl auf dem Kirchberg mitten durch den Wald herunter ins Tal. Wasser hat er nur bei Regen. Das versickert an einem etwa zehn Meter hohen Damm, der in der Zeit entstanden ist, als die Steinbrüche noch betrieben wurden. Das Wasser kommt dann in dem kleinen See wieder hoch.

Auch wenn es trüb aussieht: "Das Wasser ist gut", weiß Hund, "ich habe es untersuchen lassen." Die Trübung sei auf den mineralhaltigen Sandstein in diesem Gebiet zurückzuführen.

Das Gewässer ist bis zu 6,5 Meter tief. Ein "Mönch" reguliert den Abfluss. "Es ist ein tolles Biotop und Kleinod", stellt Hund immer wieder fest, wenn er sich am Ufer aufhält und die Stille genießt. In kalten Wintern friert der kleine See zu. Früher fuhren Kinder Schlittschuh auf dem Eis.

Der von hohen Bäumen umgebene "Steinbruchteich", wie ihn Hund nennt, wird auch von Wild aufgesucht. Rehe und Wildschweine hinterlassen dort ihre Spuren.

Neben Amphibien schwimmen im Wasser Fische – Schleien, Karauschen und Karpfen. Den Fischlaich haben Vögel hergeschleppt, vermutet Hund. Er hat einmal versucht, Forellen einzusetzen. Das hat er dann unterlassen, nachdem der Fischreiher sie herausgeholt hatte. Hund wundert sich, wie diese Vögel den versteckt liegenden See überhaupt finden konnten.

Ein Naturparadies war früher auch der zweite Eisweher. Dort hat sich inzwischen dichter Grünbewuchs eingestellt. Günter Hund ist überzeugt, dass der Teich wieder angelegt werden könnte. Man müsste ihn jedoch ausbaggern.

Ökologisch nichts mehr zu retten ist beim dritten Teich, von dem überhaupt nichts sichtbar ist. Der Hundesportverein hat dort eine wunderschöne Anlage. Bereits in den 1950er-Jahren ist dieser Eisweiher – "ein Feuchtbiotop ersten Ranges" – zugeschüttet worden. Der Sportverein Renfrizhausen baute darauf seinen Sportplatz. "Es war ein ökologischer Missgriff", sagt Günter Hund. Damals habe man an die Belange der Natur noch nicht gedacht.