Stetten a.k.M.

Tödlicher Hundebiss: Ist Frau schon früher aufgefallen?

von (nil/mak)

Stetten a.k.M.-Frohnstetten/Nusplingen - Nach der tödlichen Hundeattacke vom Dienstagabend in Frohnstetten kommen weitere Details ans Licht.

So ist die 43-jährige Halterin des Kangals den Behörden im Zollernalbkreis bekannt: Sie hatte bis 2003 in der Albgemeinde Nusplingen gewohnt und war nach einer Zwangsräumung nach Herbertingen im Landkreis Sigmaringen umgezogen – in dem verwahrlosten Haus wurde seinerzeit auch ein Hundekadaver gefunden.

Auf Facebook schreibt eine Userin.: "Die Hundebesitzerin hatte schon vor vielen Jahren einen Schäferhund in Nusplingen qualvoll verrecken lassen das die Feuerwehr mit Atemschutzmasken ins Haus gehen mußte solche Leute dürften keine Tiere halten dürfen."

Die im Frohnstetter Haus verbliebenen fast 30 Katzen werden laut Angaben des Landratsamts Sigmaringen momentan von der Frau versorgt; die Polizei habe vor Ort nicht den Eindruck gewonnen, dass die Tiere vernachlässigt und nicht artgerecht gehalten würden. Indes will sich der Veterinärdienst des Landratsamts, der bereits im Dezember 2012 und im Juni 2013 das Haus inspiziert hatte, nun seinerseits einen Eindruck von der Situation verschaffen. Der Ortstermin ist auf Dienstag, 6. Juni, angesetzt.

Wie das Polizeipräsidium Konstanz und die Staatsanwaltschaft mitteilen, hatte sie neben dem bissigen Kangal auch die beiden anderen Hunde von ortsansässigen Jägern erschießen lassen  – durch die Scheibe eines Wintergartens hindurch, der mit dem Hausinneren verbunden war – , weil sich nicht ausschließen ließ, dass sich die Tierhalterin im Haus befand, selbst verletzt war und rascher Hilfe bedurfte. Man habe beim Betreten des Haus kein Risiko eingehen wollen.

Ergebnisse der Obduktion liegen vor

Wie die Staatsanwaltschaft Hechingen auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mitgeteilt hat, ist die Leiche der 72-jährigen Frau, die am Dienstagabend in Frohnstetten, einem Ortsteil von Stetten am kalten Markt, durch die Beißattacke eines Hundes der Rasse Kangal ums Leben kam, am Donnerstag obduziert worden.

Das Ergebnis: Die Frau wurde tatsächlich durch die Bisse getötet und erlag nicht etwa zuvor im Angesicht des Hundes einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Für die Frage, ob ein Fall von fahrlässiger Tötung vorliegt, ist diese Erkenntnis von einiger Bedeutung.

Die Sektion der Hundekadaver - beim Polizeieinsatz waren sowohl der Kangal als auch zwei weitere Hunde, die sich im Garten der Hundehalterin befanden, erschossen worden - hat laut Angaben von Markus Engel, dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, keine Hinweise auf Anomalien ergeben. Allerdings stehen noch weitere Untersuchungen an; unter anderem gilt es zu klären, ob die Hunde gefüttert worden oder ob sie ausgehungert waren.

Auch die Materialuntersuchungen an der Kette, an welcher der Kangal lag, dauern noch an: Mittlerweile steht fest, dass er sich losgerissen hatte – wann und wie, weiß man dagegen noch nicht. Des weiteren prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Kangal schon früher auffällig geworden war - Anwohner versichern, ihn außerhalb des Gartens gesehen zu haben, und schildern ihn übereinstimmend als aggressiv.

Ob irgendeine offizielle Stelle auf drohende Gefahr hingewiesen wurde, ist laut Engel ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen – die Gemeinde Stetten und das Landratsamt Sigmaringen wollen, wie am Donnerstag in einer Pressemitteilung verlautete, keine Hinweise auf den Kangal und seinen aggressiven Charakter erhalten haben.