St. Georgen

Welt-Rheuma-Tag: Betroffene erzählen

von Nadine Klossek

St. Georgen - Am Donnerstag ist Welt-Rheuma-Tag. Ziel ist es, die Krankheits ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Auch in St. Georgen haben zahlreiche Menschen mit rheumatischen Erkrankungen zu kämpfen. Einige von ihnen erzählen ihre Geschichte.

Lange Zeit leidet Anette Seeberger* unter Schmerzen entlang der linken Seite ihres Körpers. Gelenke und Muskeln sind betroffen. Der Schmerz gleicht einem andauernden, starken Muskelkater. "Die Ärzte haben lange nichts gefunden", erzählt die heute 70-Jährige. Man habe ihre Symptome als Einbildung abgetan. Erst zwei Jahre später, 1997, erhält sie die niederschmetternde Diagnose: Seeberger leidet unter Fibromyalgie.

Fibromyalgie ist nur eine von mehr als 100 rheumatischen Krankheiten, die mittlerweile bekannt sind. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Rheuma als einen Überbegriff für Erkrankungen an den Bewegungsorganen, die immer mit Schmerzen und Einschränkungen einhergehen. 17 Millionen Menschen sind davon betroffen.

Arbeitsgemeinschaft vor 28 Jahren gegründet

Leidtragenden hilft die Deutsche Rheuma-Liga, die auch in St. Georgen eine sogenannte Arbeitsgemeinschaft (Arge) hat. Diese wurde vor 28 Jahren in Schonach gegründet, derzeit hat die Arge Schonach-St. Georgen 230 Mitglieder, "bewegt" aber rund 600 Teilnehmer – Tendenz steigend.

Der Hintergrund der Differenzierung: Nicht alle Gruppenteilnehmer sind auch Mitglied des Vereins. "Nicht die Mitglieder nehmen Überhand, sondern die Teilnehmer. Es wäre natürlich schön, wenn’s anders wäre. Aber wir dürfen nicht sagen, dass die Leute Mitglied werden müssen", erklärt der Vorsitzende Hans-Jürgen Kommert.

Steffen Müller* nimmt seit etwa einem halben Jahr an einer der Montagsgruppen teil. Der 61-Jährige ging früher gerne wandern. Doch auch ihn plagten irgendwann Schmerzen in Fußgelenken und Becken, aus langen Wanderungen werden maximale Wege von einer Viertelstunde. Die Erkrankung kam plötzlich, mittlerweile ist er zu 60 Prozent schwerbehindert. Er geht weiter arbeiten. Lotet aus, wie weit er täglich gehen kann. Wartet auf die Frührente. "Es tut einfach gut, sich im Wasser bewegen zu können", sagt er.

Die Bewegung ist eines der "drei B’s", auf die die Rheuma-Liga ihr Angebot aufbaut. Darüber hinaus stehen die Beratung und Begegnung auf der Agenda. Wie Irmgard Schröder, die bei der der Arge Schonach-St. Georgen für die Beratung und Abrechnung zuständig ist, erklärt, gibt es in St. Georgen sieben Warmwassergruppen, hinzu kommen drei Gymnastikgruppen. In Unterkirnach, Königsfeld, Schonach und Triberg gibt es weitere Gruppen. Schröder selbst leitet eine der Gymnastikgruppen.

Die Bewegungstherapie lindert bei vielen Betroffenen die Symptome. So wie bei Michaela Keller*. Die 52-Jährige ist vor einiger Zeit an Multipler Sklerose erkrankt. "Ich habe mein Leben um 180 Grad drehen müssen", sagt sie rückblickend. Ihren Job und ihre Hobbys musste sie aufgeben, im Haushalt ist sie auf Hilfe angewiesen.

Wenn die Krankheitsschübe zu Ausfällen führen, muss sie mehrere Tage über einen Tropf Cortison zu sich nehmen. "Ich habe nicht mehr das Leben, dass ich vorher hatte", resümiert sie.

Irgendwann geht es nicht weiter

Seeberger, Müller, Keller – ihnen allen und vielen mehr wird bei der Rheuma-Liga geholfen. Doch die Arge Schonach-St. Georgen hat auch mit Problemen zu kämpfen. "Speziell bei den Bädern sind wir momentan an der Kapazitätsgrenze angelangt", so der Vorsitzende. Immer mehr Bäder hätten in der Vergangenheit geschlossen, auch in St. Georgen gebe es nur eine beschränkte Nutzungsmöglichkeit, da naturgemäß auch andere Interessengruppen einen Anspruch auf die Becken erheben. Und so resümiert Kommert: "Irgendwann müssen wir dann sagen: Es geht nicht mehr."

Weitere Informationen: Anfragen für die Rheuma-Liga Arge Schonach-St. Georgen nimmt Irmgard Schröder, Telefon 07724/45 78, entgegen.

*Aus Rücksicht auf die Krankengeschichten der Teilnehmer wurden die Namen von der Redaktion geändert.

Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags findet am Donnerstag, 12. Oktober, eine bundesweite Telefon- und Chataktion statt. Von 16 bis 19 Uhr stehen Rheumatologen Interessierten unter der kostenlosen Hotline 0800/5 33 22 11 zum Thema "Therapie bei Rheuma – neuester Stand: Wie helfen Medikamente und Bewegung?" Rede und Antwort.