St. Georgen

Langenschiltach hat sich gewandelt

von Markus Reutter

In Langenschiltach endet dieses Jahr eine Ära: Wilhelm Müller scheidet aus dem Ortschaftsrat aus und beendet damit auch seine Arbeit als Ortsvorsteher. Grund genug, zurückzublicken, wie sich der Ortsteil in den vergangenen Jahren verändert hat.

St. Georgen-Langenschiltach. Der drittgrößte Ortsteil St. Georgens hat vor allem eines – viel Natur. Auf der Germarkungsfläche von 1200 Hektar befindet sich auf etwa der Hälfte Wald. Im Außenbereich gibt es verstreut etliche Höfe, die vormals vor allem von der Landwirtschaft lebten. "Früher waren es über 30 Milchlieferanten", erinnert sich Ortsvorsteher Wilhelm Müller, wobei viele der Betriebe auch nur zwei oder drei Kühe gehabt hätten. Jetzt seien es noch knapp zehn Viehhalter. Seit den 1960er-Jahren gehe die Zahl kontinuierlich zurück. Fast jedes Jahr sei es einer weniger.

"Ferien auf dem Bauernhof" ein Trend

Nachdem die Landwirtschaft zurückging, haben sich manche der Höfe auf den Tourismus eingelassen und vermieten Ferienwohnungen, beschreibt Müller einen Trend. Es seien ältere Gäste, die es hierher ziehe und die die Ruhe in Langenschiltach und der Umgebung schätzten. Aber auch Familien kämen gerne, schließlich könnten Kinder bei Ferien auf dem Bauernhof einiges erleben, sei es der Umgang mit den Tieren oder das Kennenlernen der landwirtschaftlichen Gerätschaften.

Sorge bereitet dem Ortsvorsteher jedoch, wenn die Weidetierhaltung weiter zurück geht. Dann würden womöglich die Weiden zuwachsen und die offene Landschaft weniger werden. Das sei jetzt schon an manchen nassen Standorten bemerkbar, die schlecht zu bewirtschaften seien, sei es entlang der Schiltach oder den Seitentälern.

Wer noch Vieh habe, der betreibe Weidehaltung, weiß Müller. Das heißt, den Sommer über sind die Kühe draußen auf den Wiesen zum Fressen und nur im Winter im Stall.

Der Ortsvorsteher hält es angesichts der Zunahme des Wolfes in Deutschland und vermehrten Sichtungen im Südwesten nur für eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch auf Gemarkung Langenschiltach auftaucht. Das wiederum könnte ein großes Problem für Weidetierhalter werden, befürchtet Müller.

Die Struktur Langenschiltachs ändert sich nicht nur beim Thema Landwirtschaft. Vormals war der Ortsteil geprägt vor allem durch die Einzelhöfe. Einen Ortskern hat die damals noch selbstständige Gemeinde Langenschiltach dann um 1960 geschaffen mit Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie dem Bau einer Kläranlage. Auf Druck des Landratsamtes musste die Abwasserregelung aber Anfang der 90er-Jahre, vor Erschließung eines weiteren Baugebiets, neu getroffen werden, erinnert sich Müller. Deshalb fließe das Abwasser von Langenschiltach seit 1994 nach Tennenbronn.

Umsiedlung hat den Ort hart getroffen

Mit der Neuregelung der Abwasserentsorgung war der Weg frei für weiteres Wachstum. So konnte das neue Baugebiet "Am Musikhäusle" geschaffen werden. Der erste Bauabschnitt dort sei abgeschlossen, informiert Müller. Und auch der zweite Bauabschnitt stehe kurz vor der Fertigstellung. Anfragen von Bauinteressierten gebe es, sowohl bei ihm als auch bei der Stadtverwaltung. Der Zuzug junger Familien sei dem Ortschaftsrat wichtig, um die Infrastruktur zu erhalten.

Nach der Eingemeindung Langenschiltachs nach St. Georgen in den 70er-Jahren sei der Schulbetrieb aufgegeben worden. 1976 wurde aber ein Kindergarten eingerichtet. "Er war bisher sehr gut ausgelastet", berichtet Müller. Im vergangenen Jahr sei der Kindergarten mit seinen maximal 23 Plätzen jedoch nicht mehr voll belegt gewesen. Es sei gut, wenn junge Familien hierher kämen, damit der Kindergarten auch langfristig erhalten werden könne.

Die Einkaufsmöglichkeiten in Langenschiltach sind in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden. "Eine Bäckerei haben wir noch", freut sich Müller. Früher habe es noch zwei Tante-Emma-Läden vor Ort gegeben. Für Lebensmitteleinkäufe müssten die Bewohner nun nach St. Georgen oder andere umliegende Kommunen fahren. Glücklicherweise würden mittlerweile auch ältere Leute noch Autofahren und könnten so ihre Einkäufe auswärts erledigen. Von den vier Gasthäusern hätten nur zwei überlebt, die "Krone" und der "Adler". Die "Krone" habe auch Hotelbetrieb mit einigen Gästezimmern.

Auch bei den Arbeitsplätzen vor Ort gab es Veränderungen. Früher habe es noch ein paar metallverarbeitende Firmen in Langenschiltach gegeben. 2017 sei außerdem die SEZ-Kabelkonfektionsfirma mit rund 40 Arbeitsplätzen in die Industriestraße nach St. Georgen umgesiedelt. "Für uns war das hart", meint Müller. Viele der Mitarbeiter, überwiegend Frauen, hätten mit dem Rad zur Arbeit fahren können. Nun müssten sie nach St. Georgen.

Trotzdem gebe es noch einige Firmen vor Ort. Müller nennt unter anderem verschiedene Handwerker, den Druckbetrieb Signum und die Messtechnikfirma Messtronic. "Früher hatten wir um die 100 Arbeitsplätze außer der Landwirtschaft", sagt Müller. "Jetzt sind es vielleicht nicht mehr so viele. Aber es ist immer noch ordentlich für die Ortsgröße von Langenschiltach."