St. Georgen

Drei Tage in Kurort und Bergstadt gewerkelt

von Karlheinz Hoffmann und Stephan Hübner

St. Georgen/Königsfeld. Sie haben sich 72 Stunden in ihre Projekte reingekniet, Vollgas gegeben und das alles, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Am Wochenende endete sowohl in St. Georgen als auch in Königsfeld die 72-Stunden-Aktion, die am Donnerstag um Punkt 17.07 Uhr begonnen hatte. Am Sonntag präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse.

Staatssekretär besucht Kinder in Neuhausen

Mit vollem Engagement absolvierten in Neuhausen die 34 Kinder, Jugendliche der KJG, Ministranten und Sternsinger ihre gestellte Aufgabe. Erste Ergebnisse waren schon am ersten Tag zu sehen.

Am Freitagmorgen starteten die Arbeiten an den verschiedenen Stationen. Es wurde gehämmert, gegraben und bepflanzt. Auf dem Gaienbühl hatte das ausgegeben Motto der Aktion in Neuhausen "Wir für die Natur" durch Revierförster Peter Gapp noch einen besonderen Zusatz erhalten. Auf seinem Auto war auf Plakaten zu lesen "Blühender und summender Gaienbühl".

Schon am Spätnachmittag konnte man eine Vorstellung gewinnen, was hier entstehen soll. Hoher Besuch kam zur Holzhütte von Zeljko Rusic am Abend. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Bürgermeister Fritz Link und Dekanatsjugendreferentin Tanja Fischer kamen vorbei.

Baumann dankte den Kindern auch im Namen der Landesregierung. Da es hier keine toten Bäume für Insekten und Waldbienen gebe, schaffen Insektenhotels Lebensraum, so Baumann.

Auch Bürgermeister Fritz Link zeigte sich von dem Thema begeistert. So könne es gelingen, in Königsfeld die Artenvielfalt zu erhalten. Die Gemeinde gehe auch mit gutem Beispiel voran und stelle Mittel für die Bepflanzung zur Verfügung.

Am Samstagmorgen ging es dann frischen Mutes weiter. Leider spielte das Wetter am Nachmittag nicht mehr mit. Es gab stellenweise starke Regenfälle. So entschlossen sich die Verantwortlichen, auf einen Teil der Arbeiten zu verzichten. Die Vorbereitungen hatten länger gebraucht, als angenommen. So unter anderem das Zusägen der Hölzer für die Insektenhotels. Hier wurden insgesamt rund fünf Stunden gebraucht. Die Bepflanzungen konnten größtenteils durchgeführt werden.

Am Ende war dennoch das wichtige Ziel erreicht: Waldbienen, Schmetterlinge und andere Insekten haben an den anderen Plätzen eine neue Heimat erhalten.

Auch die Landjugend ist mit im Boot

"Gut sitzen in St. Georgen" lautete derweil der Auftrag für die Robert-Gerwig-Schule in der Bergstadt. Die Schüler fertigten aus Europaletten zehn Sitzgelegenheiten an, schraubten und pinselten den ganzen Samstag über eifrig auf dem oberen Schulhof. Für Sonntag war geplant, Logos auf die Bänke zu sprühen.

Laut Lehrer Jochen Mürdter hatten einige fleißige Mütter Sitzkissen genäht und beim Bemalen der Bänke geholfen. Aufgestellt werden sollten die Konstruktionen vornehmlich an Schulen, Kindergärten oder Kirchen.

Eine 70-Stunden-Aktion hatte der Bund Deutscher Landjugenden anlässlich seines 70-jährigen Bestehens ausgerufen. Für die Landjugend Brigach galt es, für ihren Verein einen neuen Stadtfeststand zu bauen.

Zum Abschluss gibt es ein Fest am "Öku"

Laut Vorsitzendem Raphael Schwer gab es dazu schon länger Überlegungen, da der alte Stand wohl schon 25 bis 30 Jahre auf dem Buckel hatte. Die Jugendlichen durften für die Arbeit eine Halle von Ortsvorsteher Georg Wentz nutzen, sodass sie trotz Regens an der Holzkonstruktion werkeln konnten. Schwer zeigte sich optimistisch, dass die Zeit ausreichen würde.

Ein Schwerpunkt der 72-Stunden-Aktion St. Georgens war auch das Ökumenische Gemeindezentrum. Zum einen wurde die 40 Jahre alte Terrasse auf Vordermann gebracht. Unterstützung erhielten die Jugendlichen von den Bergstadtfetzern. Die war auch nötig, denn die schweren Platten der Terrasse mussten entfernt, gesäubert, später wieder an Ort und Stelle gehievt und der Terrassenunterbau gerichtet werden. Eine Plane schützte die Baustelle gegen Regen.

Eine weitere Aufgabe war die Verschönerung des Treppenabgangs zur Toilette. Die Wände wurden zwar zunächst weiß gestrichen, danach aber noch etwas bunter gestaltet, und im Gruppenraum sind die Wände nun fliederfarben, samt Handabdrücken der Beteiligten. Zudem ziert nun das Logo der KJG eine der Wände. Darüber hinaus wurden mehrere Türen abgeschliffen und neu gestrichen sowie neue Vorhänge aufgehängt. Zuletzt stand die Renovierung des Gruppenraums im Untergeschoss an.

Zum Abschluss der 72-Stunden-Aktion fand dann am Sonntag im Ökumenischen Zentrum ein Fest statt. Auf die Gäste wartete ein Buffet mit fair gehandelten Produkten. Auf der sanierten Terrasse sorgten die Bergstadtfetzer für musikalische Unterhaltung.

Laut Pastoralreferent Benedikt Müller misst die Fläche knapp 100 Quadratmeter, wurde aber im Zuge der Renovierung etwas verkleinert, um die Ränder etwas stabiler zu machen. Genutzt werde die Terrasse beispielsweise donnerstags beim Kaffeenachmittag. Bereits vor eineinhalb Jahren habe man eine Markise angeschafft, und vielleicht fänden sich ja nun noch weitere Nutzer.

Gemeinsame Arbeit ist eine tolle Erfahrung

Mario Ettwein, Vorsitzender der Bergstadtfetzer, sprach von einer "supergeilen Zusammenarbeit" beim Projekt. Hand in Hand zu arbeiten sei eine ganz tolle Erfahrung gewesen. Piotr Lachendro und Dana Ettwein, die Leiter der für die Sanierung zuständigen Aktionsgruppe, setzten auf der Terrasse zusammen mit Müller die letzte Bodenplatte ein, die vormittags in der katholischen Kirche gesegnet worden war.

Danach konnten Besucher die in neuem Glanz erstrahlenden Räumlichkeiten im Untergeschoss in Augenschein nehmen oder sich bei einer Präsentation über das Umweltzertifikat Grüner Gockel informieren.