St. Georgen

Altes Gewerbe, kaum Grundlagen

von (nmk)

St. Georgen - Als eines der ältesten Gewerbe der Welt wird die Prostitution oft beschrieben. Doch die rechtliche Lage wurde lange Zeit stiefmütterlich behandelt.

Erst seit dem 1. Januar 2002 ist Prostitution in Deutschland nicht mehr sittenwidrig, also als Arbeit anerkannt. Seither können Frauen oder Männer etwa die Bezahlung von Freiern einklagen, Bordelle können Arbeitsverträge ausstellen und Prostituierte in gesetzliche Krankenkassen einzahlen. Was in der Theorie gut klang, wurde in der Praxis kaum umgesetzt.

Im Jahr 2017 trat dann das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Aus Möglichkeiten wurden Auflagen – Prostituierte haben künftig eine Anmeldepflicht und müssen sich von Ärzten regelmäßig durchchecken lassen, Freiern drohte bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Strafe. "Die Kommunen waren mit der Umsetzung großteils erst mal überfordert und bislang scheint das Ganze eher ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein", urteilt Julia Obergfell.

Siehe auch: Tag für Tag verkaufen sie ihren Körper

Wie also wird die Umsetzung dieser Auflagen kontrolliert? "Aus polizeitaktischen Gründen kann die Frage nur oberflächlich beantwortet werden", heißt es hierzu aus der Pressestelle in Tuttlingen. Im gesamten Präsidiumsbereich, das neben dem Schwarzwald-Baar-Kreis vier weitere Landkreise umfasst, ist wie bereits erwähnt lediglich die Doppelstadt groß genug für ein legales Rotlichtmilieu. "Es werden regelmäßig Kontrollen der Objekte durchgeführt, die anwesenden Personen werden den Kontrollmaßnahmen unterzogen", so die allgemeingehaltene Erklärung.

In Villingen-Schwenningen arbeiten derweil auch die Beamten, die für die Bekäm­pfung von Rotlichtkriminalität zuständig sind. Sie sind Teil des Arbeitsbereiches Rocker-Rotlicht. Dass diese beiden Milieus gemeinsam betrachtet werden, ist indes kein Zufall. "In der Vergangenheit konnte bei unterschiedlichen bundesweiten Ermittlungsverfahren festgestellt werden, dass rocker- oder rockerähnliche Gruppierungen auch im Bereich Rotlicht tätig sind", heißt es vonseiten des Präsidiums. Im Umkehrschluss gebe es auch in der Prostitution organisierte Kriminalität, etwa Menschenhandel, der das Ziel der sexuellen Ausbeutung verfolgt.

"Im Bereich der illegalen Prostitution ist von einem nicht unerheblichen Dunkelfeld auszugehen", erklärt ein Polizist. Die Dienste würden in einschlägigen Internetforen angeboten und fänden in Privat- oder Ferienwohnungen sowie Hotels statt. "Dieser Bereich wird durch Aufklärungsmaßnahmen der Polizei, aber auch durch Mitteilungen von Bürgern aufgehellt. Auch in St. Georgen seien Fälle bekannt, zu denen man sich aber nicht näher äußern werde. Das älteste Gewerbe der Welt – es macht also auch vor der Bergstadt nicht halt.