St. Blasien

Wolf: Sind Herdenschutzhunde die Lösung?

von (job)

St. Blasien - Der Nordschwarzwald wird Wolfsgebiet, das steht inzwischen fest. Während Schäfer und Landwirte ihre Herden dort nun vorschriftsmäßg mit Elektrozäunen vor dem Wolf zu schützen versuchen, wird auf dem Windberghof bei Sankt Blasien bereits wieder eine altbewährte Schutzmaßnahme praktiziert: Der Einsatz von Herdenschutzhunden.

Lori und Lewin heißen die beiden Maremmano-Rüden, welche die Familie Albrecht mit ihren Tieren auf die Weide schickt. Eigentlich habe man die Hunde angeschafft, um die Rehböcke fernzuhalten, die in der Brunftzeit im Herbst immer wieder die Zäune eingerannt haben, erklärt Diplom-Landwirt Holger Albrecht. "Danach war die Herde immer kilometerweit in der ganzen Gegend verstreut, zum Teil hat es Wochen gedauert, bis wir wieder alle Ziegen eingefangen hatten", erzählt er.

Hunde sind für Passanten ungefährlich

Holger Albrecht, der gemeinsam mit seiner Frau Martina eine Hofkäserei betreibt, ist sehr zufrieden mit den Hunden. "Wenn der Wolf kommt, sind wir bereit. Es bringt ja auch nichts, eine Verweigerungshaltung einzunehmen - der Wolf kommt wieder, ob wir das nun wollen oder nicht.", findet er.

Dass der Herdenschutzhund im Zweifel zur größeren Bedrohung für den Menschen werden könne als der Wolf, glaubt Holger Albrecht nicht. "Unsere Nachbarn hatten am Anfang auch Bedenken, ob sie jetzt überhaupt noch gefahrlos am Weidezaun vorbeigehen können. Das ist aber vollkommen unproblematisch: Passanten wie Wanderer oder Jogger werden von unseren Hunden nur verbellt, weiter nichts."

Dennoch wird mit Warnschildern am Wegesrand auf die Hunde hingewiesen. Darauf sind zur Sicherheit in Text und Bild auch Verhaltensregeln erklärt, wie etwa im Bereich des Weidezauns das Tempo zu drosseln. "Natürlich haben wir uns unter anderem auch für die Maremmano-Abruzesen entschieden, weil die Hunde ein niedrigeres Aggressionspotenzial haben als jetzt beispielsweise ein Kangal-Hund", fügt der Diplom-Landwirt hinzu. Außerdem hätten sich die Züchter der Hunderasse in den letzten 20 Jahren darauf konzentriert, die Hunde noch ungefährlicher für Menschen zu machen.

Anschaffung kostet 1500 Euro

Als ein Muss für Landwirte und Schäfer sieht er die Anschaffung der Herdenschutzhunde, die für circa 1500 Euro bei 600 Euro Unterhalt im Jahr zu haben sind, dennoch nicht an. Er hält den nun im Wolfsgebiet vorschriftsmäßigen "wolfssicheren" Elektrozaun im Prinzip für geeignet.

Abschreckung spiele dabei jedoch eine wichtigere Rolle als die Höhe des Zauns: "Wenn ein Wolf sich erst einmal darauf spezialisiert hat, über Zäune zu springen, dann ist es egal, ob der nun 90 Zentimeter oder 1,20 Meter hoch ist." Ihm persönlich sei der Wolf nicht prinzipiell unsympathisch, er sehe jedoch ganz klar, dass problematische Tiere, die immer wieder auch ordnungsgemäß geschützte Herden angriffen, der Natur auf die eine oder andere Art jedoch entnommen werden müssten.