Smartphone und App

Lotto-Chefin will Online-Tippen erleichtern

von Rainer Wehaus

Stuttgart - Rund sechs Milliarden Euro Umsatz machen die staatlichen Lotto-Gesellschaften derzeit pro Jahr. Früher waren es mal acht Milliarden. Geld, das dem Staat entgeht, und zwar nicht etwa, weil weniger gespielt wird, sondern weil die private Konkurrenz so groß geworden ist. Vor allem im Internet tummeln sich zahlreiche Anbieter, die entweder gar keine Zulassung haben oder ihren Sitz auf Malta oder Gibraltar haben, wo sie kaum Steuern zahlen.

So ist die Lage, wie sie Marion Caspers-Merk, beschreibt. Seit Anfang dieses Jahres ist die frühere Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Geschäftsführerin der landeseigenen Lotto-Gesellschaft in Stuttgart. Seitdem muss sich die SPD-Politikerin mit den strengen Auflagen beschäftigten, die der Staat sich selbst beim Anbieten von Glücksspiel auferlegt hat, um sein umstrittenes Monopol zu retten. Sie soll dem Finanzminister weiterhin möglichst viel Geld in die Kasse spülen und zugleich die Spielsucht bekämpfen – ein Spagat, der in Baden-Württemberg besonders schwer fällt, weil hier die Aufsicht nach Caspers-Merks Worten strenger ist als anderswo.

Online-Tippen ist umständlich

Beispiel Online-Lotto: Private Zwischenhändler bieten im Netz bequemes Tippen an und spielen mit der Aufsicht Katz und Maus. Die landeseigene Lotto-Gesellschaft muss die Tipper nach den ersten 150 eingesetzten Euro zur Annahmestelle bitten, um den Ausweis zu zeigen. „Das macht natürlich keiner“, sagt Caspers-Merk. Auf diesem Wege verliere sie 40 Prozent der Online-Tipper an die Konkurrenz. Und das sind meist jüngere Spieler, die das staatliche Lotto braucht, will es auch künftig erfolgreich sein. Derzeit sind die Spieler im Schnitt über 50 Jahre alt.

Teil der Online-Offensive ist auch ein neues mobiles Angebot. Von Mittwoch an gibt es  für Smartphone-Nutzer eine spezielle Version der staatlichen Lotto-BW-Homepage, noch in diesem Jahr soll eine App hinzukommen.

Caspers-Merk führt gerade Gespräche mit dem Stuttgarter Innenministerium, um Waffengleichheit zu erreichen. „Gleiche Spießlänge“ sagt die gebürtige Mannheimerin dazu. Selbst in anderen Bundesländern sind die Spieße länger, in Niedersachsen zum Beispiel kann man auch per Banküberweisung bestätigen, dass man nicht jünger als 18 Jahre ist. „Es kann nicht sein, dass wir beim Online-Spielen in jedem Bundesland andere Regeln haben“, beschreibt sie eine Baustelle von vielen, auf der sie tätig ist. Glücksspiel kann tüchtig machen.

Von Spielsucht versteht sie was. Schließlich war Caspers-Merk mehrere Jahre lang Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Einmal in der Woche Lotto spielen – das habe von allen Glücksspielarten das niedrigste Suchtpotenzial, sagt sie. Ganz oben rangieren Geldspielautomaten, wie man sie vor allem in Spielhallen findet. Der Bund habe da jahrelang Wildwuchs erlaubt, so Caspers-Merk, nun aber sieht sie die Städte gefordert, die inzwischen von den Ländern beschlossenen Restriktionen auch umzusetzen. Es gebe Städte, „die mehr tun könnten“, sagt sie. Zum Beispiel Schauen, ob die Automaten in den Spielhallen überhaupt eine Genehmigung haben und ob zum Beispiel das Verkaufsverbot dort eingehalten wird. Dort, wo dies streng kontrolliert werde, tue sich auch was. Und insgesamt werde sich die Zahl der Spielhallen auf lange Sicht deutlich reduzieren. „Aber mir geht es nicht schnell genug“, sagt Caspers-Merk.