Schramberg

"Retrospektive" macht den Auftakt

von Lara Kiolbassa

Anlässlich seines 70. Geburtstags stellt der Grafiker und Illustrator Uwe Rettkowski seine über die Jahre gesammelten Zeichnungen, Illustrationen und Bilder in einer Ausstellungstrilogie aus.

Schramberg. Den Auftakt dieser Trilogie macht die Ausstellung in der alten St.-Laurentius-Kirche in Sulgen unter dem Titel "Retrospektive" mit Werken, die vor allem einen Rückblick aus seine Kindheit im Zeichen des Flüchtlings- Heimatvertriebenenschicksals seiner Familie und dem gemeinsamen Neuanfang in Sulgen steht. Zugleich ist es ein Rückblick auf seine ersten Gehversuche als Zeichner.

Lorenz Roming begrüßte die Gäste in der Kirche. Da Rettkowski in Sulgen aufgewachsen ist, eignete sich die Kirche perfekt für den Auftakt der Trilogie. Roming gab zu, mit den meisten Exponaten erst kurz vor der Ausstellung das erste Mal in Kontakt gekommen zu sein. Die Besucher hielt er dazu an, sich Zeit für die Betrachtung der ausgestellten Bilder zu nehmen und sie ganz auf sich wirken zu lassen. Denn die Bilder sollen zum Nachdenken anregen.

Aus diesem Grund habe es Rettkowksi auch nicht gern, wenn er gefragt werde, was er sich bei seinen Werken gedacht habe.

Dass Rettkowski maßgeblich an der Mitgestaltung der Stadt nach außen und innen mitgewirkt habe, betonte Oberbürgermeister Thomas Herzog in seiner Ansprache. Viele seiner Werke würden ein Gefühl von Heimat widerspiegeln, die dargestellten historischen Gebäude seien ein Zeichen von Heimatgefühl. Neben den Motiven für die Weihnachts- und Neujahrskarten designte Rettkowski auch die Vorderseite des Ausstellungsflyers.

Auch das Sulgener Narrenblatt "Krattenmacher" sei ohne Rettkowskis kritischen Blick undenkbar. Die Trilogie verspreche das ganze Jahr über spannende Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen, freute sich Herzog. Zugleich rufe die erste Ausstellung zur Diskussion über die aktuelle sowie die vergangene Fluchtthematik.

Viele Bilder erzählen aus der Zeit der Nachkriegsjahre

Stadtarchivar Carsten Kohlmann bot einen kurzen Blick auf die Kindheits- und Jugendjahre Rettkowskis. Im Sommer 1949 kam er mit seinen Eltern Werner und Brigitte aus Ruderstadt in Niedersachsen (britische Besatzungszone) nach Schramberg in der französischen Besatzungszone.

Die Bevölkerung sei den Neuankömmlingen sehr hilfsbereit entgegengekommen. 1950 konnten sie ihre erste Unterkunft in einer kleinen Dachwohnung auf dem Bühle verlassen und mit der Unterstützung der Stadt Schramberg sowie der "Württembergischen Heimstätte" in der Musikersiedlung auf dem Sulgen ihr eigenes Haus bauen.

In seinem Ruhestand ist Rettkowski in sein Elternhaus zurückgekehrt und hat sich dort einen schönen Arbeitsplatz am Fenster eingerichtet. Viele seine Bilder erzählen aus der Zeit der Nachkriegsjahre. Zudem widmete er Bilder seiner Familie, die bei ihrer Flucht ihr ganzes Hab und Gut in Ostpreußen und Schlesien zurücklassen mussten. Ein Porträt seiner "Tante Anna", deren ganzen Namen er nicht kennt und die auf dem Flüchtlingsschiff Wilhem Gustloff ihr Leben verlor, steht für die vielen anderen Namenlosen mit einem ähnlichen Schicksal.

Doch einige Zeichnungen erzählen auch von den schönen Kindheitserlebnissen des Grafikers, wie etwa das "Sulgener Triptychon", das Rettkowski mit seinen Freunden Walter Müller, Franz Rapp und Heinz Rapp als Ministranten zeigt. Obwohl Rettkowskis Schulzeit im Gymnasium ein Jahr vor dem Abitur in einer "Katastrophe" endete, erlebte er diese Zeit als "eine Art Frühling in seinem Leben."

Geprägt und gefördert wurde er in seinem künstlerischen Talent von seinem Kunstlehrer Franz Krisch. Alle seine Methoden und Techniken eignete sich Rettkowski selbst an, teilweise vertieft durch Besuche von Abend- und Fernkursen. Aus diesem Grund sehe er sich selbst auch nicht als Künstler.

Rettkowski bedankte sich bei allen Beteiligten für die Gestaltung der Ausstellung und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass diese viele Besucher anlocken wird.

Der zweite Teil der Ausstellungstrilogie im Sommer steht unter dem Titel "Ansichten". Dann werden die politischen Grafiken und Karikaturen Rettkowskis zu sehen sein. Den Abschluss bildet die Ausstellung "Rundschau" im Herbst, die das reife Werk des Grafikers und Illustrators zeigen wird.

Die Ausstellungseröffnung wurde von Ludwig Schäfer am Klavier, Andreas Hettich an der Trompete und Wieland Kirnberger am Saxofon musikalisch umrahmt. Bevor die Ausstellungsbesucher die Eröffnung bei einem kleinen Umtrunk im katholischen Pfarrhof ausklingen ließen, erzählte Adolf Rimmele eine Anekdote über "Zwei Schramberger und ein Gemälde".

Weitere Informationen: Die Ausstellung ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, auf Anfrage sind auch andere Öffnungszeiten möglich.