Mi, 16.04.2014

Schramberg

Noch keine Entwarnung für Anwohner

von Julia Brenner

Schramberg - Hinter der Schönen Aussicht soll heute ein Wasserabfluss in die Schlammmassen gegraben werden. Anschließend könnte der Schlossbergtunnel wieder geöffnet werden. Die evakuierten Anwohner dürfen noch nicht zurück in ihre Häuser.

Die Aufräumarbeiten nach dem Erdrutsch am Schlossberg am Mittwoch dauern weiter an. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich die für heute geplanten Baggerarbeiten an der Rutschungszunge der Schlammlawine schwierig gestalten, da unter dem Schlamm begrabene Bäume und Äste das Durchkommen für das Fahrzeug erschweren. Dort soll ein Wasserabfluss geschaffen werden, damit sich hinter dem Schlammpfropf, der sich hinter dem Gasthaus "Schöne Aussicht" angesammelt hat, kein See anstaut, der das Ganze wieder ins Rutschen bringen könnte.

Im Steilhanggelände, dem Fließweg des Erdrutsches, befinden sich laut Clemens Ruch, leitender geologischer Direktor am Regierungspräsidium in Freiburg, noch einige labile Felsblöcke, die abzugleiten drohen. Während der Arbeiten am unteren Bereich der Rutschung ist es also notwendig, diese Findlinge ständig zu überwachen, um die Arbeiter nicht in Gefahr zu bringen. Solange die Felsbrocken wackelig sind und sich lösen können, besteht auch weiter Gefahr für die darunter liegenden Gebäude, weshalb die Anwohner noch nicht zurück in ihre Häuser dürfen. Frühestens am Montag könnte es soweit sein, dass die Gebäude wieder bezogen werden dürfen, so Oberbürgermeister Thomas Herzog.

Fachbereichsleiter Franz Moser rät Anwohnern und Neugierigen dringend dazu, die Warnhinweise an den Absperrungen ernst zu nehmen. "Wenn wir Lebensgefahr hinschreiben, dann meinen wir das auch so", mahnt er. Und so hält auch Clemens Ruch die Sperrung des Schlossbergtunnels für die einzig richtige Reaktion. "Wenn der Hang runterkommt, dann kommt er plötzlich", sagt Oberbürgermeister Thomas Herzog. Es sei der schnellen Evakuierung zu verdanken, dass bei dem Erdrutsch am Mittwoch keine Menschen zu Schaden gekommen seien, so Herzog., der auch dem Technischen Hilfswerk für den Einsatz dankte. Ab jetzt seien die Kräfte nur noch in Abrufbereitschaft.

Schuld an der Schlammlawine sei Schrambergs geologisch bedingte Anfälligkeit für Rutschungen. Die etwa 1,5 bis zwei Meter dicke lehmige Hangschuttauflage ist durch die anhaltenden Niederschläge innerhalb einer Hangrinne ins Rutschen gekommen und den Burgweg herabgeflossen.

Auch nach den Aufräumarbeiten am Wochenende bleiben der Holzabfuhrweg und die Wanderwege weiter komplett gesperrt. Zugang zur Hohenschramberg ist für Fußgänger derzeit nur über das Felsenmeer möglich.


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