Schramberg

Feuerwehr überrascht und Stricken eingeführt

von Schwarzwälder-Bote

Schramberg-Heiligenbronn. Beim dreiwöchigen Sommerferienprogramm der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn erleben die Menschen mit Behinderung abwechslungsreiche Aktionen von einem Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Erdmannsweiler, über Stricken und Esel-Spaziergang bis zu Ausflügen nach Rottweil, Konstanz und ins Erlebnisbad Galaxy bei Titisee.

Das vielfältige Programm ist nur Dank ehrenamtlichem Engagement möglich. Neben Spaß und Erholung stehen beim Sommerferienprogramm Inklusion und zwischenmenschliche Begegnungen an erster Stelle.

17 blinde und sehbehinderte Menschen mit ihren Begleitpersonen besuchten kürzlich die Freiwillige Feuerwehr Erdmannsweiler bei deren Fest zum 75-jährigen Jubiläum. Völlig unangemeldet trudelt die Heiligenbronner Truppe ein und überrascht nicht nur Kommandant Hans Kammerer.

Während sich die Besucher bei einem ordentlichen Frühschoppen stärken, organisiert Kammerer kurzerhand ein Einsatzfahrzeug vor dem Festzelt. Das erweckt nicht nur das Interesse der Heiligenbronner, sondern auch etlicher Kinder. Martin Schwarzwälder und Marc Kammerer von der Freiwilligen Feuerwehr Erdmannsweiler zeigen spontan die gesamte Ausstattung des Einsatzfahrzeuges und erklären, dass sie nicht nur bei Brandeinsätzen zur Stelle sind, sondern auch Keller auspumpen, umgestürzte Bäume von Straßen räumen oder sonstige kleinere technische Hilfe leisten.

Die Fragen der interessierten Zuhörer beantwortet Schwarzwälder geduldig. Er lässt es sich auch nicht nehmen, die komplette Feuerwehr-Einsatzkleidung mit Sauerstofflasche, Atemschutz, Funkgerät und Rettungsseil zu zeigen. Damit die blinden und stark sehbehinderten eine genauere Vorstellung bekommen, dürfen sie die komplette Ausrüstung mit ihren Händen abtasten und anfühlen. Zum Schluss darf sich jeder selbst einmal den Feuerwehrhelm aufsetzen und sich ins Feuerwehrfahrzeug setzen. Das gibt nicht nur den ein oder anderen Lachanfall, sondern auch nette Schnappschüsse.

Etwas gemütlicher ist es dann bei der nächsten Sommeraktion: Stricken mit Sabine Ludwig aus Sulz. Ludwig, selbst von Geburt an blind und aktiv im Blinden- und Sehbehindertenverband, ist begeisterte Strickerin und gibt ihr Wissen gerne weiter. So zeigt sie sieben blinden und stark sehbehinderten Stiftungsbewohnerinnen, wie einfach man mit einem sogenannten Strickring Mützen, Socken, Schals und Pullover anfertigt. Es sei viel einfacher als mit den Stricknadeln und funktioniert eigentlich wie eine Strick-Liesel in Groß, erklärt Ludwig.

Die Teilnehmerinnen flechten hoch konzentriert Wolle um die Noppen der Strickringe, die Ludwig in verschiedenen Größen bereithält. Dann beginnt das eigentliche Stricken und Ludwig assistiert, erklärt, verbessert Fehler, lacht und erzählt von der facebook-Gruppe, in der sie sich mit anderen Strickerinnen austauscht: "Kreative Handarbeit und Basteln für Blindfische und Sehfische". Jeder sei willkommen, weil das gemeinsame Hobby mehr verbindet als die (Seh-) Behinderung trennt.

Die stark sehbehinderte Bewohnerin Hildegard Detscher sagt, dass Stricken ihre Leidenschaft sei und bedauert, dass es in Heiligenbronn keine Strickgruppe gibt. Sabine Ludwig schafft spontan Abhilfe und gründet kurzerhand eine neue Strickgruppe mit den Anwesenden. Das nächste Treffen soll im September stattfinden, damit alle ausreichend Zeit haben, sich an den Strickringen auszuprobieren und dann ihre Erfahrungen auszutauschen.

Außer den sehbehinderten Teilnehmern scheinen Feuerwehr und Stricken nichts gemeinsam zu haben. Und doch wurden beide Erlebnisse nur durch ehrenamtliches Engagement möglich. Und auch beim Stadtrundgang in Schramberg, der zum150. Stadtjubiläums geplant war, hätte Rudolf Schäfer auf der Walcker-Orgel in der St. Maria Kirche gespielt – ehrenamtlich versteht sich. Es lag also nicht an ihm, sondern am Regen, dass dieser Ausflug buchstäblich ins Wasser fiel. Die Bewohner aus Heiligenbronn werden im Sommerferienprogramm noch viel erleben und danken allen Ehrenamtlichen für ihre Begeisterung, für ihre Geduld dafür, dass sie Blinden und Sehbehinderten die Welt spürbar näher bringen.