Schömberg

Sorgen um geschützte Tierarten

von Wolfgang Krokauer

Der Schömberger Gemeinderat hat die Bauvoranfrage der beiden Investoren Michael und Jürgen Wernecke zum Bau einer Stahlseilrutsche durch das Eulenbachtal einstimmig gebilligt. Doch gegen die Pläne regt sich Widerstand.

Schömberg. Dabei stellen die Kritiker klar, dass es ihnen nicht um das "Ob", sondern um das "Wie" geht. Einer von ihnen ist Volker Scheuermann, Jäger im betroffenen Revier Eulenloch und Inhaber eines Begehungsscheins. Er ist damit berechtigt, in dem Gebiet auch ohne Begleitung des Jagdpächters zu jagen. "Naturverträglichen Projekten sind wir aufgeschlossen", sagt er. "Wir honorieren und schätzen als Schömberger die Investitionsbereitschaft der Projektverantwortlichen", fügt der Jäger hinzu. "Wir sehen uns aber mit unserem Auftrag auch in der Pflicht, das Wild und die Menschen, die die Natur ohne Attraktion erleben wollen, zu schützen", macht er deutlich. Der Jäger fordert deshalb eine frühe Einbeziehung von Personen, die mit der Natur vertraut seien. Es würden in dem Gebiet geschützte Tiere leben, gibt er zu bedenken. Als Beispiele nennt seine Ehefrau Gisela Scheuermann Fledermäuse. Sie ist bei der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Calw als Wildtierschützerin für das Revier Schömberg eingetragen und beauftragt. Nach ihren Worten hätten Untersuchungen ergeben, dass im Eulenloch die Zwerg-, Bart- und Rauhautfledermaus vorkämen. Vermutet würden sogar acht weitere Fledermausarten: "Sie haben den gleichen Schutzstatus wie der Wolf." Auch der Rotmilan komme vor. Darüber hinaus befinde sich in der Nähe des geplanten Parkplatzes eine Wiese, die als Kinderstube für Rehkitze und kleine Hasen diene. Für Gisela Scheuermann ist deshalb ein arten- und wasserschutzrechtliches Gutachten unabdingbar.

Damit nicht genug. Gisela Scheuermann gibt zu bedenken, dass das betreffende Areal das Naherholungsgebiet für Patienten des Reha-Zentrums Schömberg, einer Fachklinik für Orthopädie und Innere Medizin, sowie für die Celenus Klinik, einer Psychosomatischen Fachklinik, sei. Darüber hinaus gebe es in der Nähe drei Reitstelle, fügt sie hinzu. "Es wird Konflikte geben", folgert sie. Behindertengerecht könne das Angebot ohnehin nicht sein, ist Gisela Scheuermann überzeugt. So soll das Servicegebäude mit Kasse, Toiletten, sanitären Anlagen, Bistro, Kiosk, Imbiss, Biergarten, Terrasse und Parkplatzanlage in der Nähe der Parkplätze für den Skihang entstehen. Der Startturm nordöstlich der Kläranlage sei aber rund 1,7 Kilometer davon entfernt. Der Weg dorthin ist nach ihrer Ansicht definitiv nicht für Rollstuhlfahrer geeignet. "Sie müssen gefahren werden", gibt sie zu bedenken. Folglich müsse ein Shuttle-Verkehr eingerichtet werden. Auch die Zufahrt über eine Einbahnstraße zu den Parkplätzen für den Skihang hält sie für problematisch.

Roland Jörlitschka, seit neun Jahren Pächter im Revier Eulenloch, fordert deshalb, dass der Parkplatz sowie der Startturm näher beieinander liegen müssen. Zudem fragt er sich, wie die geplante Öffnung des Eulenbachtales mit dem entsprechenden Beweidungskonzept mit dem Flying Fox zusammengehen soll. Der Pächter glaubt, dass die Gemeinde Schömberg wirtschaftlich gesehen nichts vom Flying Fox hat. Die Menschen seien heutzutage mobil und kämen nur wegen dieses Angebots nach Schömberg. "Was bleibt, ist eine stark beunruhigte Natur in einem ehemals idyllischen Schwarzwaldtal. Die Natur dient nur noch als Kulisse", klagt Jörlitschka.

Für Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn ist es vollkommen in Ordnung, dass es jetzt Bedenken und Anregungen gebe, "die gerne aufgenommen werden". Die jetzt eingereichte Bauvoranfrage habe den Sinn, die für eine Genehmigung des Vorhabens erforderlichen Punkte zu prüfen und zu erfassen sowie Lösungen zu finden. "Ich bin mir sicher, dass der Investor die erforderlichen Unterlagen bringen wird und dass den Bedenken auch ausreichend Rechnung getragen werden kann", schreibt Leyn.

Anja Härtel, Pressesprecherin des Landratsamtes Calw, teilte auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit, dass die Bauvoranfrage im Landratsamt Calw eingegangen ist. "Derzeit prüft die untere Naturschutzbehörde, ob es im Rahmen der Umsetzung des geplanten Vorhabens zu Eingriffen in die Natur kommt und wie diese gegebenenfalls vermieden, minimiert oder ausgeglichen werden können. Ebenfalls wird im Laufe des Verfahrens geprüft, inwieweit besonders geschützte Arten betroffen sind und artenschutzrechtliche Bestimmungen eingehalten werden", schreibt Härtel.

Michael Wernecke, neben seinem Bruder Jürgen Wernecke einer der beiden Investoren des geplanten Flying Fox, macht deutlich, dass der Weg vom Servicegebäude zum Startturm gar nicht behindertengerecht sein soll. Er räumte ein, dass diese Strecke länger als einen Kilometer ist. Allerdings sei noch nichts festgelegt.

Der Flying Fox solle wieder mehr Touristen nach Schömberg bringen, so Wernecke. Das bringe etwas mehr Trubel in den Ort. Der Verkehr zum Parkplatz könne jedoch gesteuert werden, da die Besucher sich über das Internet anmelden sollen.

Hinsichtlich der Lärmbelästigung glaubt Wernecke nicht, dass es mit dem Flying Fox lauter werde als beim Betrieb des Skilifts. Ob von dem Projekt geschützte Tierarten betroffen seien, müsse das Landratsamt entscheiden, so Wernecke. Nicht nachvollziehen kann er den Einwand, dass mit dem Flying Fox Patienten von Kliniken sich bei ihrer Erholung beeinträchtigt sehen könnten. Für psychisch erkrankte Personen könne die Stahlseilrutsche vielleicht sogar nützlich sein, um zum Beispiel Höhenangst zu überwinden. Zudem hätten Patienten der Kliniken am Servicegebäude eine weitere Möglichkeit, um in einer idyllischen Landschaft einzukehren. Darüber sei der Flying Fox positiv für die Gastronomie im Kapfenhardter Tal, ist Wernecke überzeugt.

Es soll nichts auf Biegen und Brechen erzwungen werden

Zum Schluss geht der Investor noch ins Grundsätzliche: "Wir wollen nichts auf Biegen und Brechen erzwingen. Wir wollen alle mit ins Boot holen." Nach seiner Meinung gibt es in Deutschland jedoch viel zu viel Bürokratie: "Bis wir A gesagt haben, sind andere schon bei Z angelangt und haben das Projekt umgesetzt."

Dem Vorhaben positiv gegenüber steht Eckhard Sträßner, Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Reha-Zentrum Schömberg. Er glaubt, dass der Flying Fox weniger Verkehr verursachen werde als der Skilift, wenn er in Betrieb sei.

Sträßner glaubt, dass hinsichtlich des Weges zwischen dem Servicegebäude und dem Startturm noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Nach seiner Meinung wird mit dem Flying Fox eine zusätzliche Attraktion für Schömberg geschaffen, die auch die Patienten des Reha-Zentrums nutzen können. Von der Celenus Klinik war keine Stellungnahme zu bekommen.