Schömberg

Geldsorgen hatten auch die Grafen

von Schwarzwälder Bote

Schömberg-Schörzingen. Ein bedeutendes Adelsgeschlecht, eine wechselvolle Geschichte und warmherzige Gastfreundschaft – das gab es bei einer Führung auf dem Oberhohenberg bei Schörzingen zu erleben.

Andy Mayer, Vorsitzende des Schörzinger Albvereins, führte die Gruppe. Er erzählte lebensnah und unkonventionell. Woher weiß man in etwa, wie viele Menschen in dem zur Burg Oberhohenberg gehörenden "Städtlin" gelebt haben? Von den Steuerlisten, die in Spaichingen aufbewahrt sind, so Mayer. 15 hätten Steuern bezahlt, rechne man geschätzt fünf Familienmitglieder je Steuerzahler dazu, erschließe sich: Es war wohl eher ein "Kaff" als eine Stadt – vermutlich bewohnt von Handwerkern, die der Burg zuarbeiteten.

Die Hohenberger – Parteigänger Barbarossas, Bündnispartner der Habsburger durch Freundschaft und die Heirat Rudolfs mit Gertrud von Hohenberg, später Verwalter ihrer Grafschaft, die von Habsburg gekauft worden war – waren Mitglieder des Hochadels, erzählte Mayer. Insgesamt war die Herrschaft – eine Karte zeigte, dass Besitzungen teils weit verstreut waren, stark auch an die finanziellen Verhältnisse gebunden – mal verpfändet, mal getauscht. Einfach und stabil schien die Geschichte der Grafschaft jedenfalls nicht gewesen zu sein.

Aber welche Bedeutung die Burg gehabt haben muss, zeigt eine Abbildung aus der Rottweiler Hofgerichtsordnung etwa aus dem Jahr 1430: Da ist Rottweil im Vordergrund und die Burg Oberhohenberg ziemlich mächtig direkt nebenan abgebildet. Knapp 50 Jahre nach dem Verkauf der Grafschaft an die Habsburger (1381) wurden Burg und Städtlein verpfändet, und noch mal 15 Jahre später zettelte der Inhaber 1449 eine Fehde gegen Rottweil an. Die Freie Reichsstadt nutzte die Gelegenheit und machte die Burg innerhalb weniger Tage nieder.

Anschließend wurden vom Städtle, vom Meierhof, also dem Hof des Verwalters, der noch bis ins 19. Jahrhundert bewirtschaftet wurde, und auch von der Kapelle die Steine in den Umlandgemeinden "recycelt", so Mayer. Die Grafen waren seit Jahrhunderten nicht mehr da gewesen, sondern in Rottenburg.

Auf 1011 Metern liegend, war das Leben eben auch nicht so arg komfortabel, schilderte Mayer anschaulich. Dass auch der Weg dorthin ganz schön schweißtreibend ist, erlebten die Wanderer am eigenen Leib. Trotzdem: Knapp 91-jährig, erklomm Julius Marquardt aus Deilingen, ebenfalls Buchautor über die Hohenberger, die Burg.

Wie sehr diese im Leben der Gemeinden verankert ist, schilderte Mayer immer wieder aus seiner persönlichen Geschichte: Als kleiner Bub habe er schon gesehen, dass der Eckstein des achteckigen Turms herausragte. Seine Oma habe von Spaichingen immer nur vom "Oberamt" gesprochen, und nicht zuletzt liege die katholische Prägung des ganzen Landstrichs an den Hohenbergern, die 400 Jahre lang für Österreicher gehalten wurden: "Wir sind eher Österreicher als Württemberger", sagte Mayer schmunzelnd. Die vom Albverein 2013 angelegte Hängebrücke, die Infotafeln, die Plattform über dem achteckigen Turm und nicht zuletzt die neu erbaute Nikolauskapelle machten den Berg inzwischen zu einem "Erlebnis-Treff", so sein Fazit.

Neben Teilnehmern der Führung besuchten noch viele Wanderer den Berg, die Ruine mit ihrer grandiosen Aussicht und die Albvereinshütte. Diese ist noch bis zum 3. Oktober an Sonn- und Feiertagen ab 10 Uhr bewirtet.