Schömberg

Gedenken an den Bekennerbischof

von Jennifer Dillmann

Auf dem Palmbühl haben am Freitagabend eine Heilige Messe zur Kreuzerhöhung und ein Vortrag von Pfarrer Franz X. Schmid zum Thema Bekenner-Bischof Joannes Baptista Sproll stattgefunden.

Schömberg. Anlässlich seines Prieserjubiläums hatte Palmbühl-Pfarrer Josef Schäfer eine Gedenkstätte für Bischof Sproll angeregt. Diese wurde nun eingeweiht. Begleitet wurde die Zeremonie von der Musikformation "Alphornklang" und einer Lichterfeier.

Die Gedenkstätte besteht aus einer Figur, die Sproll gewidmet ist. Auch sein Wahlspruch "Tapfer im Glauben" ist darin auf Latein eingearbeitet.

Im Vorfeld fand eine Heilige Messe zur Kreuzerhöhung statt. Das Kreuz steht als Symbol für den Zugang zum Christentum. Zahlreiche Mitwirkende gestalteten den Abend, darunter Pfarrer Josef Schäfer, Pfarrvikar Shibu Vincent Pushpam, der Rottweiler Pfarrer Alfons Miller, Diakon Oliver Pfaff und Pfarrer Franz Schmid, der einen Vortrag zum Gedenken an Bischof Sproll hielt. Für die Kreuzerhöhung brachte er eine antike Figur mit, die Jesus am Kreuz zeigte und einst Sproll gehörte.

Seit Mai 2011 läuft ein Seligsprechungsprozess, der untersucht, ob der frühere Rottenburger Bischof Sproll offiziell als Seliger verehrt werden sollte. Pfarrer Schmid ist Bischof-Sproll-Bekenner. Er kannte ihn nie persönlich. Seine Mutter aber arbeitete bei einem Pfarrer, der mit Sproll eng befreundet war. Bevor Sproll diesen Pfarrer besuchte, klopfte er immer ans Küchenfenster bei Schmids Mutter und bat: "Mach mir Pfannkuchen!"

Sproll stammte aus einfachen Verhältnissen und war in vielerlei Hinsicht bewandert. So war er unter anderem Priester, Historiker, Kunstsachverständiger und Politiker. "Gerade seine entscheidende Rolle als Politiker wird viel zu wenig anerkannt", erklärte Schmid: "Sproll setzte sich bereits im Jahr 1925 für den Frieden ein und gegen die Verherrlichung des Krieges."

Früh schon habe Sproll den Nationalsozialismus durchschaut. 1929 bezog er öffentlich Stellung dagegen. 1938 wurde er von Hitler aus Baden-Württemberg ausgewiesen. Seine Predigten galten als brisant, da sie sehr direkt und verständlich waren. "In mehr als 700 Predigten kommt kein Fremdwort vor", bemerkte Schmid anerkennend. 1919 hatte Sproll das Landesgesetz mit auf den Weg gebracht, welches das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat reguliere und heute noch, so Schmid, Anerkennung ernte. "Bischof Sproll war Bekenner und Märtyrer", erklärte Pfarrer Schmid: "In jeder Predigt rief er zur Treue dem Glauben gegenüber auf. Da er aber bei den Nationalsozialisten unbeliebt war, arbeitete damals auch die Kirche gegen ihn. Sein eigenes Leben glich häufig einem Kreuzweg."

Dennoch war er hoch angesehen. Im Juli 1943 nahm beispielsweise eine Gruppe jugendlicher Mädchen die Reise von einer Woche auf sich, um Sproll zu begegnen.

Ein Pfarrer fungierte als Sprolls persönlicher Kurier. Dabei musste er sich stets verkleiden, um auf seinen Anreisen von mehr als 25 Kilometern nicht als Pfarrer entlarvt zu werden. Dieser ermöglichte Sproll damit, den Einfluss in Baden-Württemberg trotz seiner Verbannung nicht zu verlieren.