Schluchsee

Jagd auf den Wolfschützen geht weiter

von Thomas Faltin

Schluchsee - Der illegale Abschuss des einzigen baden-württembergischen Wolfes am Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) hat Empörung ausgelöst. Die Justiz ermittelt.

Ingrid Eberhardt-Schadt vom Nabu spricht von einer "skrupellosen Tat" – der Verband hat Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Brigitte Dahlbender vom BUND forderte eine landesweite polizeiliche Ermittlungseinheit mit speziell geschultem Personal für solche Fälle illegaler Tötungen.

Bundesweit ist das Tier vom Schluchsee bereits der 25. Wolf, das seit der Zuwanderung in den 1990er-Jahren getötet wurde. Dies sagte Felix Böcker von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Aber nur dreimal habe man den Täter ermittelt. Im Westerwald kam es 2013 tatsächlich zu einer Verurteilung: Ein Jäger gab an, er habe den Wolf mit einem Hund verwechselt – er zahlte 3500 Euro Geldstrafe und musste seine Waffen abgeben. Grundsätzlich, darauf wies Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hin, sehe das Tierschutzgesetz in solchen Fällen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe vor.

Laut der Staatsanwaltschaft in Freiburg wird es auch im konkreten Delikt "nicht einfach" werden, den Schützen zu finden. Man hoffe darauf, dass man über die Munition weiterkomme, oder dass Hinweise aus der Bevölkerung kämen. Über das Motiv des Täters ist nichts bekannt. Realität ist, dass manche Menschen partout nicht wollen, dass Wolf und Luchs ins Land zurückkehren. Das ist auch in anderen Ländern so.

Im Mai 2015 hat ein Luchsgegner im Bayerischen Wald zwei Tiere getötet, ihre Pfoten abgeschnitten und vier davon vor einer wissenschaftlichen Beobachtungskamera abgelegt – es schien eine politische Demonstration zu sein. Ein Tatverdächtiger ist laut Markus Pfaller von der Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt. Es sei aber noch unklar, ob Anklage erhoben werde.

Erhard Jauch, der Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbands, sagte, er sei verärgert über den Abschuss des Wolfes. Seit Jahren habe sich sein Verband mit den Naturschutzorganisationen auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet; es gebe einen Leitfaden und ein Entschädigungsprogramm. "Wir verurteilen den Abschuss deutlich – so kann man keine Probleme lösen", sagte Jauch.

Das "Wölfchen" vom Schwarzwald ist nie aggressiv in Erscheing getreten

In diesem Fall habe es sowieso keine Konflikte gegeben: Dieses "Wölfchen" sei nie aggressiv aufgetreten, auch seien keine Risse bekannt. "Spaßeshalber habe ich schon gesagt, das ist der erste vegetarische Wolf des Landes", sagte Jauch. Er räumte ein, dass es nicht ausgeschlossen werden könne, dass der Täter ein Jäger sei. Vorerst aber sei dies Spekulation.

Doch es gibt bezüglich der Großraubtiere auch gute Nachrichten. Der Luchs Tello, der im vergangenen September an der Gönninger Steige (Kreis Reutlingen) von einem Auto angefahren worden ist, lebt – bisher hatten die Experten vermutet, er sei eingegangen. Bei dem Unfall war auch der Sender abgefallen, der seine Position übertrug. Doch in den vergangenen Monaten tappte Tello viermal in Fotofallen, und zwar im Donautal, im Ermstal und auf der Ostalb – so groß ist sein Streifgebiet.

Neben ihm gibt es zwei weitere Alb-Luchse: Ein namenloser Luchs und das Tier Friedl haben ihren Schwerpunkt im Donautal. Friedl macht den Landwirten und Schäfern etwas Sorgen: Er hat schon sechs Schafe und vier Ziegen gerissen – laut Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband liegt das noch im "normalen Verhaltensspektrum". Ein weiterer Luchs ist im Südschwarzwald unterwegs. Wölfe jedoch gibt es derzeit keine mehr im Land.