Schiltach

"Wir wollen Innovationsführer sein"

von Johannes Fritsche

Mit Hans Jürgen Kalmbach übernimmt ein international erfahrener Insider des Unternehmens die Führung der Hansgrohe SE.

Schiltach. Die Hansgrohe SE ist aus der Fachwerkstadt nicht mehr wegzudenken. Nicht nur weil Hansgrohe seit 1901 in Schiltach ansässig ist, die Stadtentwicklung mitgeprägt hat und zu einem der großen Arbeitgeber wurde, sondern auch wegen des mutmaßlich großen Beitrags zur seit Jahren sprudelnden Gewerbesteuer. Im Jahr 2017 zahlten die Schiltacher Unternehmen stolze 29,3 Millionen Euro. Aber auch Hansgrohe ohne Schiltach ist schwer vorstellbar. "Hansgrohe ist seit 1901 hier und wir bleiben auch hier, wir schöpfen auch Kraft daraus", versicherte der Vorstandsvorsitzende Hans Jürgen Kalmbach beim Pressegespräch zum Amtsantritt vor wenigen Tagen.

Kalmbach (43) ist in Freudenstadt geboren und war zuletzt Vorstand Sales International gewesen. Am 1. August wurde er zum neuen Vorsitzenden des Vorstands der Hansgrohe SE. Der studierte Betriebswirt, der seine berufliche Karriere schon 1998 in der Hansgrohe Group begonnen hatte, tritt an die Spitze eines Unternehmens, das glänzend dasteht. Mit seinen beiden Marken Axor und Hansgrohe erzielte es im Geschäftsjahr 2017 einen neuerlichen Rekordumsatz von 1,077 Milliarden Euro, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. "Gerade auch die internationalen Kunden schätzen die deutsche Qualität", erklärte Kalmbach dazu. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) stieg um 4,4 Prozent auf 215,2 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge (Verhältnis von EBITDA zu Umsatz) liegt damit bei 20 Prozent. Ein Marge, von der andere Unternehmen nur träumen können.

Ehrgeizige Ziele

Kalmbach setzt weiter hohe Ziele für Umsatz und Ertrag, will auf den Schlüsselmärkten Deutschland, China, USA und Frankreich mit Innovation, Design und Qualität weiterwachsen, wobei auf dem zweitgrößten Markt China das Thema Wasserqualität und Trinkwasseraufbereitung immer wichtiger werden. "Wir wollen Innovationsführer sein", betont Kalmbach. Dazu komme noch die weltweit zunehmende Wasserknappheit und die erforderliche Senkung des Wasserverbrauchs. Hansgrohe sei auch da am Ball, zum Beispiel mit der Entwicklung der "Powderrain"-Strahlart der Dusche.

Eine Innovation Lab im Junghans-Gewerbepark in der Geißhalde soll dazu beitragen (wir berichteten), sich auch mit künftigen "digitalen Produkten" für Bad und Küche beschäftigen. Und als attraktiver Arbeitgeber will das Unternehmen jedes Jahr 50 junge Talente neu einstellen.

Froh ist Kalmbach über den Standort Offenburg, wo es im Gegensatz zu Schiltach für das Wachstum noch räumliche Möglichkeiten für die Produktionserweiterung gebe. Er weist auch darauf hin, dass ein Mitarbeiter bei dem heutigen üblichen "internationalen Arbeiten" zum Beispiel zum Hauptsitz in Schiltach gehören könne, dank moderner Bürokommunikationstechnik seinen Arbeitsplatz aber in Brüssel habe.

China

Auf dem wichtigen Wachstumsmarkt China ist Hansgrohe schon seit 20 Jahren präsent. Von 2004 bis 2006 hat auch Kalmbach dort für Hansgrohe gearbeitet. Es sei aber nicht daran gedacht, "den Bedarf für Deutschland nach China zu verschieben". Die unterschiedlichen Wasserdrucke und Wasserdurchsatzraten in den Leitungen erforderten dort andere Produkteigenschaften. Dazu komme, dass die Kunden gerade bei der Marke Axor in Deutschland produzierte Produkte wollten.

Von den aktuellen Turbulenzen der internationalen Handelspolitik sieht er Hansgrohe nicht direkt betroffen. Sie schaffe aber eine allgemeine Unsicherheit: Kunden investierten dann weniger in neue Häuser oder Bäder.

Campus

Eingeladen zum Pressegespräch hatte Kalmbach in einen neuen Bereich im Verwaltungsgebäude, den "Campus". Ein offener Raum für offene Präsentationen und Impulsvorträge eines modularen internen Entwicklungsprogramms, die Wände gespickt mit Ideen und Konzepten. Themen wie zum Beispiel Führung, Zusammenarbeit und Digitales würden im Unternehmen in sechs internen "Fakultäten" behandelt.

Kalmbach schätzt den guten Draht zur Gründerfamilie und dass Klaus Grohe, der in der direkten Nachbarschaft beim Firmengelände wohnt, regelmäßig zum Kaffee rüber komme. Von ihm und auch vom früheren Vorstandsvorsitzenden Siegfried Gänßlen habe er viel gelernt. Und was die nahe Zukunft betreffe: Auch als Vorstandsvorsitzender bleibe er bei der "Wachstumsstrategie Hansgrohe 2020", die er ja selbst mit entwickelt habe. "Da immer noch viele Prozesse nebeneinander laufen, wollen wir die übergreifende Zusammenarbeit stärken", erklärt der Vorstandsvorsitzende Kalmbach.