Schiltach

Ortschaftsrat ist auf historischen Pfaden unterwegs

von Hans Harter

Schiltach-Lehengericht. Nicht zufällig haben die Lehengerichter Ortschaftsräte, Ortsvorsteher Thomas Kipp und die Kandidaten für die Kommunalwahlen kürzlich die Willenburg bestiegen. Schon 1967 unternahmen ihre kommunalen Vorgänger, Bürgermeister Gustav Kramer und die Gemeinderäte, diese Tour, um so das 150-jährige Bestehen der Gemeinde zu würdigen.

Dort auf dem "Schlössle" fanden damals Ausgrabungen statt, großteils auf Lehengerichter Gemarkung, die ihnen der Heimatfreund Fritz Laib als die "ältesten historischen Zeugnisse" ihrer Gemeinde erläuterte. Zu Tage gekommen war eine sonst unbekannte Burg, für die der Heimatforscher Hermann Fautz in Akten von 1491 den Namen "Burgstall Willenburg" fand. Nachdem 2017/18 gefeierten 200-jährigen Lehengerichter Jubiläum sollte die neuerliche kommunale Exkursion dessen Schlusspunkt sein, auf den Spuren der Vorgänger von 1967 – dieses Mal mit dem Historiker Hans Harter, der seinerzeit Grabungshelfer war.

Über einen mittels mächtiger Erdbewegungen geschaffenen Ringwall erklomm die Gruppe den 663 Meter hoch gelegenen Gipfel. Er ist von einer Umfassungsmauer aus Sandsteinquadern umgeben, die eine bebaute Fläche von 720 Quadratmetern beschützte. Darin liegen zwei noch gut erkennbare Räume, ein Hofareal sowie ein 30,3 Meter tief in den Fels gehauener Brunnenschacht. Auffällig sind die glatt bearbeiteten Türgewände, die eine gehobene Wohnkultur andeuten. Dazu gehören auch romanische Architekturstücke, die im Museum aufbewahrt werden: eine Konsole und eine Maske.

Für einen aus dem Brunnen geborgenen Balken ergab sich eine Fällung zwischen 1194 und 1200. In diese Zeit gehört auch die Keramik, sodass die Willenburg vor etwas mehr als 800 Jahren erbaut und bewohnt wurde.

Die Lehengerichter waren von diesen Überresten sichtlich beeindruckt, hatten aber noch viele Fragen zu den Erbauern und Funktionen der Burg. Urkundlich ist dazu nichts überliefert. Doch kann erschlossen werden, dass sie wohl von Herzog Adalbert von Teck, aus dem Hause der Zähringer, erbaut wurde. 1186 begründete er eine eigene Herrschaft, zu der Oberndorf und die Rottweiler Mittelstadt gehörten. Die Burg lag direkt über der "Staig", dem alten Weg zwischen Neckar und Kinzigtal, wie wenn sie hier die Kontrolle ausgeübt hätte. Um 1250 übernahm diese Aufgabe dann die von Herzog Ludwig von Teck begründete Burg und Stadt Schiltach, worauf die unwirtlich gelegene Willenburg verlassen und zum "Burgstall" wurde.

Wie 1967 gab es als Abschluss ein gemeinsames Vesper, das noch lange unter dem Eindruck des "ältestes Gemäuers Lehengerichts" stand.