Schiltach

Orgel und Blech bezaubern Zuhörer

von Antonie Anton

Zum dritten Orgel-Plus-Konzert war als musikalischer Partner der Organistin Anna Myasoedova das Südbadische Blechbläserensemble engagiert worden. Mit Trompeten, Posaunen, Horn und Tuba sorgten die 14 Blasmusiker für klangliche Vielfalt.

Schiltach. Mit dem Konzert "Orgel plus Blech" wurde die musikalische Reihe der veranstaltenden Interessengemeinschaft Orgel und Kirchenmusik in der evangelischen Stadtkirche Schiltach fortgesetzt.

Zur Eröffnung spielten Bläser und Orgel zusammen die festliche "Dorische Intrada" – eine Komposition, bei der die einzelnen Register des Blasorchesters Gelegenheit hatten, sich vorzustellen: die Trompeten mit der Leuchtkraft ihrer Überstimmen, die Posaunen mit ihrer tragenden Melodik und der Bass mit seinem harmonischen Fundament.

Die Singstimmen wurden von Blechblasinstrumenten übernommen bei dem originalen Chorwerk "Ich bin die Auferstehung". Der Chorsatz erfüllte den Kirchenraum mit herrlichem Wohlklang.

Die warmen Registerfarben der Heintz-Orgel und der feierliche Legato-Fluss der Bläserstimmen wirkten zusammen beim "Lento". Das langsame Tempo verstärkte den feierlich-sakralen Charakter. Die kleine musikalische Reise durch Europa, begonnen mit deutschen Kompositionen, wurde mit einem für Bläser arrangierten Chorwerk aus England fortgesetzt, dem Satz "Ye choirs of new Jerusalem", bei dem ein freudiger Dialog zwischen Orgel und Orchester einsetzte. Der frohe festliche Klang wurde verstärkt durch punktierten Rhythmus und starke Dynamik.

E in schwingender Duktus kennzeichnete den Satz "Nimrod" aus den Rätsel-Variationen von Edward Elgar. Die Trompeten, vor allem die Piccolo-Trompete, setzten der Posaunenmelodie Glanz auf. Von England wechselten die Interpreten mit Frankreich wieder auf den europäischen Kontinent. Der Organistin glückte eine Überraschung mit dem "Bolero de Concerte", einem Tanz mit faszinierendem Rhythmus, der sich in Lautstärke und Ausdruck immer mehr steigerte.

Spiel erinnert an Drehorgel

Ein Intermezzo brachte eine Kantilene, die von rhythmischen Stakkatofiguren begleitet wurde. Die Zuhörer wurden fast an das Spiel einer Drehorgel erinnert. Im Wechselspiel zwischen Orgel und Orchester vollzog sich das "Offertoire", bei dem Seufzerfiguren von Posaunen und Orgel den bittenden Charakter betonten. Unter der präzisen Zeichengebung des Dirigenten Heiko Petersen gelang ein hervorragendes Zusammenspiel der Bläser mit der Orgel.

Bei der feierlichen Coda ahmten die Trompeten den schmetternden Sound der Hörner nach. Weiche Choralkkorde und eine lyrische Melodie kennzeichneten den meditativen Satz  "Communion in F Major". Mit der Mehrstimmigkeit nahm der farbige Registerklang zu.

Mit dem letzten Block waren die Ausführenden im 20. und 21. Jahrhundert angelangt. Es folgten verschiedene Werke für Bläser, Brass Band, Blasorchester und Solo. Mit fesselndem synkopiertem Rhythmus faszinierte das Blasorchester die Besucher beim "Norwegian Rondo" von Philip Sparke. Das alte Kirchenlied "Nun bitten wir den Heiligen Geist" war Thema des pfingstlichen Satzes "Fantasy on Whitsuntide". Nach gemessenem Einsatz mit modernem Sound brachten die Interpreten Rhythmus ins Spiel, die Trompeten ließen die Melodie im Stakkatoklang erscheinen, der stilistische Trend ging in Richtung Jazz.

Auch die moderne "Ciaconetta" enthielt ein pfiffiges rhythmisches Thema mit flüssigem Drive. Die Melodie hüpfte im Galopp, die Akkorde und Triolen waren verjazzt. Die spannende "Toccata 2000" enthielt die Anklänge an Themen von Hindemith, Strauß, Strawinsky und Bernstein.

Die Zuhörer spendeten reichen Applaus und durften als Zugabe den arrangierten Chorsatz "Peace of God" von John Rutter mit seiner himmlischen Harmonik entgegennehmen.