Schiltach

Kein Wanderweg wie jeder andere

von Willy Schoch

Der Schwarzwald bietet immer mehr Wanderwege. Als etwas Besonderes erweisen sich aber die beiden Hansjakobwege im oberen und mittleren Kinzigtal.

Schenkenzell. Wie in einem Buch werden dem Wanderer die Geschichte und das Brauchtum der Heimat vorgeführt. Heinrich Hansjakob (1837 bis 1916), ein gebürtiger Haslacher, war katholischer Pfarrer, Historiker, Politiker und Volksschriftsteller. Sein Wille zur Freiheit und Selbstbestimmung festigte sich bereits in Kindertagen, als er im Alter von zwölf Jahren die Badische Revolution miterlebte.

Bis an sein Lebensende sollte er den vergrößerten Heckerhut tragen, der für ihn als Symbol für den Kampf um Freiheit und Demokratie gestanden hat. Genau dieser Heckerhut, der schwarze Hansjakobhut in weißer Raute, ist das Markierungszeichen, das den Wanderer seit 1981 über Berg und Tal führt.

Weg führt von Schapbach zum Roßberg, durch das Kaltbrunner Tal nach Wittichen

Der "kleine" Hansjakobweg mit einer Länge von 44 Kilometern ist ein Rundweg im oberen Kinzigtal und im Wolftal. Er wurde Heinrich Hansjakob gewidmet, um dessen literarisches Erbe wachzuhalten.

Der Wanderweg verläuft von Schapbach-Dorf (Start und Ziel) über den Schmidsberger Platz zum Roßberg, hinunter durch das Kaltbrunner Tal nach Wittichen (ein Abstecher nach Schenkenzell ist zusätzlich ausgeschildert) und wieder hinauf zur Salzlecke nach Hinterheubach.

Vom Gasthaus Auerhahn führt der Weg am Abrahamsbühl und Teufelstein vorbei nach St. Roman und von dort weiter über den Kohlplatz, Waldhans, Bürlehof und Bäch ins Wolftal. Beim Gasthof Ochsen in Schapbach geht es wieder bergauf zum Schwarzenbruch, Hirschbach und über Wildschapbach zurück nach Schapbach-Dorf. Das Abwandern ist in drei gemütlichen Tagestouren möglich.

Geschichte und Brauchtum des Mittleren Schwarzwalds lässt sich nachempfinden

Es ist kein Wanderweg wie viele andere im Schwarzwald. Hier bekommt der Wanderer die Geschichte und das Brauchtum des mittleren Schwarzwalds vorgeführt. 50 Erklärtafeln erinnern an die Erzählungen des Volksschriftstellers Hansjakob. Der Weg führt an die Orte seiner Schilderungen in den Büchern "Erzbauern", "Waldleute" und "Abendläuten". Es ist ein Weg, der nicht schnell zum Ziel führen, sondern zum Nachdenken auffordern soll. Der Wanderer soll die Heimat erwandern und neu erleben.

Die Entwürfe für die Hinweisschilder lieferte der Schiltacher Grafiker Peter Harter-Homberg. Die Texte basierten größtenteils auf Aufzeichnungen des Historikers Hermann Fautz. Gelohnt hatte sich der damalige Einsatz von Schwarzwaldverein, Forstverwaltung, der Landkreise und der Gemeinden Bad-Rippolds­au-Schapbach, Oberwolfach, Wolfach und Schenkenzell zweifelsohne.

Schwarzwaldverein kümmert sich um die Pflege und Betreuung des Wanderwegs

Der Schwarzwaldverein ist noch heute für die Pflege und Betreuung des Wanderwegs zuständig. Seit der Einrichtung des Wanderwegs sind 35 Jahre vergangen. Die Hinweistafeln litten unter Wettereinflüssen. Die Schriften waren nicht mehr lesbar und die Bilder verblasst. Marode waren auch das Holz und die Abdeckung.

Die betroffen fünf Gemeinden waren sich einig, Abhilfe zu schaffen. Nahezu alle 50 Tafeln wurden mit digitalem Druck neu hergestellt und neues Holzwerk beschafft. Mit 27 Tafeln und rund 10 000 Euro hatte die Gemeinde Schenkenzell die Hauptlast zu tragen. Diese Investition lohne sich aber, so Martin Schmid vom Touristbüro.

Nach seiner Aussage gebe es ständig Anfragen nach diesem Wanderweg. Ein Zeichen dafür, dass der "kleine" Hansjakobweg sehr gut angenommen wird. Nachdem 1981 der Hansjakobweg im Bereich des oberen Kinzigtals und Wolftals solch einen guten Anklang fand, wurde zwei Jahre später der Hansjakobweg II im mittleren Bereich des Kinzig- und Harmersbachtals eingeweiht. Er hat eine Gesamtlänge von 106 Kilometern und ist ebenfalls ein Rundweg, der von Haslach über den Brandenkopf, Zell am Harmersbach und Höhenhäuser wieder zurück zum Ausgangspunkt führt.