Schiltach

Für Filzerin erfüllt sich ein Traum

von Michaela Sum

"Es ist der Traum jeden Filzers, einmal in die Monoglei zu gehen", sagt Susanne Breuling. Den dort komme die Textilie her. Sie hat sich genau diesen Traum nun erfüllt.

Schiltach. Susanne Breuling ist von Beruf Filzerin und bietet ihre Produkte seit fast vier Jahren im "Filzpunkt" in der Schenkenzeller Straße an. Vor Kurzem nun ist sie dort hingereist, wo die Handwerkskunst ihren Ursprung hat: in die Mongolei, genauer gesagt ins knapp 8000 Kilometer entfernte Tsetserleg in der Provinz Archangai-Aimag.

Anlass gab ein Entwicklungshilfeprojekt, für das ihre Freundin und frühere Ausbilderin Sigrid Bannier für die IHK in die Mongolei reiste – und ihr anbot, sie zu begleiten. Da musste sie nicht zweimal überlegen und sagte zu. In dem Projekt, so erzählt Breuling, geht es darum, mongolische Frauen aus ländlichen Gebieten darin zu unterstützen, mit der Filzerei einen Teil zum Broterwerb der Familien beitragen zu können.

Seit 2008 läuft das Projekt, bis August 2020 geht es noch weiter. Bannier war bereits im vergangenen Jahr in der Mongolei und hat den Frauen dort einen Workshop gegeben, bei ihrer jetzigen Reise wurde dieser vertieft. Es gehe dabei nicht nur um die reine Verarbeitung der Wolle, sondern auch darum, die Frauen etwa in Sachen Vermarktung und Preisgestaltung zu schulen. "Die Frauen sind sehr lern- und wissbegierig", schildert Breuling ihre Eindrücke, "und auch sehr dankbar" für die Unterstützung und Hilfe.

Auch Breuling nimmt, neben den vielseitigen Eindrücken zur Mongolei, auch für sich selbst etwas mit: "Die Frauen dort haben andere Techniken", von denen sie sich das ein oder andere abgeschaut habe.

Die beiden Frauen nutzten die Reise aber nicht nur zum Filzen, sondern auch dazu, Land und Leute kennenzulernen. "Es ist ein unglaublich schönes Land", erzählt Breuling mit leuchtenden Augen. Die karge, unverbaute Weite und die Stille – das sei schon etwas ganz Besonderes. Umso abwechslungsreicher dagegen das Wetter: "Von Schnee über 26 Grad und einen Sandsturm war alles dabei", berichtet Breuling. Auch die Tiere, die in großen Herden frei herumlaufen, seien beeindruckend gewesen: "Da kann es schon mal passieren, dass eine Pferdeherde mitten in der Stadt über die Straße läuft", sagt sie lachend. Viele Yaks, eine in Zentralasien heimische Rinderart, deren Wolle ebenfalls zu Filz verarbeitet wird, bekam sie ebenfalls zu sehen. "Sie sind ganz scheu. Wir mussten uns langsam an sie ranschleichen, um ein Foto zu machen", berichtet Breuling.

Ein besonderes Erlebnis für die beiden Frauen war die Einladung in eine landestypische Jurte, die dort – passenderweise – mit Filz umkleidet sind. Auch kulinarisch ließ sich Breuling auf jedes Abenteuer ein: Vom gesalzenen Milchtee über mit Hammelfleisch gefüllte Teigtaschen und allerlei Produkten aus Yak-Milch schmeckte ihr alles.

Mit der Heimreise der beiden Frauen ist die Zusammenarbeit nicht gänzlich beendet: Mit den Workshopteilnehmerinnen halten sie weiterhin über Facebook Kontakt und geben ihnen Rückmeldung zu deren Filzprodukten. Außerdem haben die beiden gemeinsam mit einer Modistin rund 300 Hutstumpen in Auftrag gegeben, die drei Frauen dort produzieren. Den Teil ihrer Bestellung verarbeitet Breuling weiter und bietet ab diesem Monat eine neue Hutkollektion an. Ab Oktober verkauft sie im "Filzpunkt" außerdem gefilzte Hausschuhe made in der Mongolei.