Schiltach

Einfallsreichtum ist gefragt

von Schwarzwälder Bote

Schiltach. Der Kreisverband Rottweil der Ökologisch-Demokratischen Partei/Familie und Umwelt (ÖDP) hat seine Mitglieder, die Kandidaten der Kreistags- und der Stadtratswahl in Schramberg zum Biolandbauern Manfred Brüstle im Eselbachtal eingeladen.

Bei der Besichtigung erläuterte Brüstle die Schwierigkeiten, die die Landwirte im Schwarzwald gegenüber den Großbetrieben in Nord- und Ostdeutschland im Flachland haben. Der neue Stall, gebaut Anfang der 1990er-Jahre, schmiegt sich an den Hang, von der Straße aus fährt der Maschinenpark ebenerdig unter das Dach, darunter befindet sich der Stall mit Mutterkuhhaltung und den drei Bullen für die Nachzucht. Heu und Futter in Ballen gepresst, lagern oben und werden auf kurzem Wege nach unten befördert, relativ trockenes Silo und Heu werden im Futterwagen gleich nebenan gemischt.

Es braucht Einfallsreichtum und Organisationstalent, um die Mutterkühe und Kälber ab dem Frühjahr bis zum Winter auf der Weide und den Winter über im Stall zu versorgen, der in mehreren Unterteilungen die verschieden alten Kälber mit ihren 48 Muttertieren beherbergt, heißt es in einer Mitteilung. Sie haben Strohliegeflächen und der Festmist biete weniger Probleme als die Gülle in der herkömmlichen Wirtschaftsweise und sei bester Naturdünger für üppige Graswiesen, sofern nicht Trockenheit und sengende Sonneneinstrahlung der Klimaveränderung – wie etwa im vergangenen Jahr – alles auf den Hangweiden verbrenne.

Die naturnahe Bewirtschaftung und artgerechte Fütterung ermögliche zehn Kälber pro Kuh und verhindere die Ausbeutung der Muttertiere durch hochgezüchtete Milchleistung mit Hilfe von importiertem Soja-Mastfutter bei einer Lebenszeit von etwa fünf Jahren. Der Betrieb lebt von der Milchwirtschaft, der Direktvermarktung von Fleisch und Wurst sowie von der Vermietung von Ferienwohnungen.

Im zweiten Teil erzählte Markus Bühler aus Schiltach von seiner Honigwirtschaft als laut Mitteilung "quasi professioneller Nebenerwerbsimker". Schon sein Vater habe festgestellt, dass sich die auf ein Bienenhaus beschränkte Imkerei professionell nicht rechne. Er selbst betreibe keine Bio-Imkerei, sondern ziehe zusammen mit seinem Bruder bei konventioneller Honigproduktion mit einigen hundert Bienenvölkern den verschiedenen Blütewellen hinterher.

Das beginne mit der Obstbaum- und Löwenzahnblüte im Kinzig- und Rheintal, zurück in den Landkreis zur Rapsblüte, danach erfreuten sich die Bienen an der Akazienblüte im Saarland, andere Bienenvölker befruchten die Erdbeerplantagen im Rheintal und anderswo. "Dieser Transport und der damit verbundene Zeitaufwand rechnet sich aber nur bei 30 bis 40 Kilogramm Honig im Jahr pro Volk, während der an die nähere Heimat gebundene ›kleine Imker‹ mit 20 Kilogramm Honig pro Volk im Jahr bei deutlich niedrigerem Reise- und Organisationsaufwand zufrieden ist", heißt es abschließend.