Rottweil

Willy Astor live beim Ferienzauber

von Bodo Schnekenburger

Rottweil - Was ist das aber auch so eine Sache mit der deutschen Sprache. Da erdreisten sich Wörter, ganz ähnlich zu klingen wir ganz andere Ausdrücke. Die Verwechslungsgefahr ist ungemein hoch. Zum Glück, wie Willy Astor gestern Abend beweist.

Der Star des Abends beweist Mut: Sein Klangknecht aus Fernost ruht auf einem Bügelbrett. Jeder, der auch nur irgendwann auf eine Taste einer Keyboard-Kinderversion gedrückt hat, weiß, was das bedeutet. Einem Willy Astor macht das nichts aus. Auch nicht, dass der Klangknecht einen Alptraum mittleren Grades an Musikszenario auswirft. Astor selbst singt mit Freuden die Erklärung dazu, die Freunden volkstümlicher Schlager kaum gefallen kann. Dem Publikum im Ferienzauber-Zelt unterm Wasserturm dafür um so mehr.

Rund 550 Besucher wollen sich den Abend mit dem Comedian, der es auf die Sprache abgesehen hat, nicht entgehen lassen. Woher sie kommen, klärt der Meister zu Beginn gleich selbst. Während Astor über Ortsnamen wie Leinstetten, Löffingen, Herrenzimmern oder später auch Zimmern staunt, staunt im Rund mancher über den Einzugsbereich. Und während das Rätselraten über den Löffinger Besuch anhält, bastelt Astor seine Reprisen darauf. Irgendwas mit Gabeln oder so. Irgendwas kann man aus allem machen. Sogar aus Rottweil – hirnt zwei Tage rum, sagt er, und liefert dann zur Begrüßung einen blitzsauberen Zweiverser – als der richtige Kapodaster am richtigen Platz klemmt und bei dieser Gelegenheit auch der Techniker und langjährige Tourbegleiter vorgestellt ist.

Künstler zündet Gag-Feuerwerk

Man merkt schon: Willy Astor hat die selten Gabe, aus nichts etwas zu machen. Zumindest einen Gag. Und wenn er schon dabei ist, schiebt er die nächsten beiden gleich hinterher. Das kann so schnell gehen, dass das Publikum den zweiten im Lacher über den ersten überhört und am dritten nachdenkt, während der Comedian schon das nächste Fass aufmacht. Zum Beispiel ein Hitmedley, dass das beliebte Spiel "Ich vergesse jetzt mal, dass ich den Text aus dem Radio regelmäßig falsch mitgesungen hab’, weil ich zu doof war, den Sinn zu hinterfragen." Für Astor ist dieses viel geübte Spiel eine Steilvorlage. Er macht aus der Unzulänglichkeit Kunst, schmiedet und schmiegt Wörter ineinander – und in Musik – die so nie gedacht waren. Dass sie dabei einen ganz neuen Sinn transportieren, verwundert nicht.

Das reicht von der rüden Attacke beim Wintersport – "in den Snow ’bohrt" – bis zur alternativmedizinischen Versorgung mit Führeranruf. Dass sein Rottweiler Publikum ihn zudem mit Halsschmeichlern – teilweise zweifelhafter Provenienz – verwöhnt, sorgt ebenso für Zusatzpointen wie der Spontanapplaus, der den Künstler schlicht aus der Bahn wirft, sodass er auch im zweiten Anlauf die Kurve nicht kriegt, und tatsächlich ein kleines bisschen aus der Fassung gerät. Rührung? Nein, die kennt ein Bühnen-Willy-Astor dann doch nicht. Oder doch ein bisschen? Dass er seit Jahren auf der Ferienzauber-Wunschliste ganz oben steht, und es jetzt endlich geklappt hat, ist mehr als eine Pointe wert – dass man ihm eine Karte verkaufen wollte, naja , das ist einfach eine Steilvorlage.