Rottweil

Wenn kleine Stufen zur großen Hürde werden

von Corinne Otto

Rottweil - Kleine Treppenstufen oder ein Türgriff in großer Höhe – was viele Menschen beim Gang durch die Stadt kaum wahrnehmen, wird für andere zum großen Hindernis oder gar zur gefährlichen Falle. Wie barrierefrei ist Rottweil? Dieser Frage können jetzt alle Interessierten nachgehen.

Wer einmal mit einem Rollator durch die Innenstadt geht, wer sich in einen Rollstuhl setzt, um damit von A nach B zu kommen, oder wer durch eine Simulationsbrille erfährt, wie es ist, sich mit einer Sehbehinderung als Fußgänger durch Rottweil zu bewegen, der erfährt die Stadt plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive. Genau dies ist das Ziel eines Stadtrundgangs, zu dem das inklusive Café des Kapuziners am Samstag, 21. Oktober, ab 13 Uhr einlädt.

"Es geht nicht darum, anzuklagen, was alles nicht optimal ist. Wir wollen vielmehr für das Thema sensibilisieren, um nach und nach Erfolge zu erreichen", sagt Ruth Gronmayer, die Behindertenbeauftragte der Stadt. Sie und ihre Mitstreiter vom Mehrgenerationenhaus Rottweil, den offenen Hilfen der Bruderhaus Diakonie und der Lebenshilfe sowie von der Stiftung St. Franziskus und dem Inklusionsprojekt GIEB im Landkreis, sind begeistert von der Resonanz, auf die der erste Stadtrundgang im vergangenen Jahr gestoßen war. Die Rückmeldungen hätten gezeigt, dass man auf dem richtigen Weg sei. Vieles habe angestoßen werden können. "Die Probleme werden wahrgenommen", freut sich die Behindertenbeauftragte.

Es geht oft um kleine Dinge, die einiges bewirken können. So wurde festgestellt, dass beim öffentlichen WC im Alten Rathaus ein Türdrücker fehlt, der den Zugang erleichtert. Gewünscht wird auch eine bessere Markierung von Treppenstufen mit weißen Streifen. Die Stufen in der Unteren Hauptstraße beim Alten Spital beispielsweise (Bild oben) heben sich kaum ab und können für Menschen mit Sehbehinderung oder ältere Bürger zur gefährlichen Stolperfalle werden, erklärt Ruth Gronmayer. Anderswo hilft schon ein neues Schild, das auf einen Behindertenparkplatz hinweist.

"Es gibt eine lange Liste an Sachen, wir sind noch dran, alles aufzuarbeiten", berichtet Ruth Gronmayer. Man sei sich bewusst, dass bei der Stadt nicht alles auf einmal umgesetzt werden könne."Uns ist es wichtig, am Ball zu bleiben", ergänzt Nadja King vom Mehrgenerationenhaus. Deshalb sei schnell klar gewesen, dass es auch in diesem Jahr einen Stadtrundgang geben soll. Dieser ermögliche Begegnungen in lockerer Atmosphäre und ganz neue Erfahrungen. Die Teilnehmer werden sich in Kleingruppen durch die Stadt bewegen und abschließend ihre Erkenntnisse im Kutschenhaus zusammentragen und das Erlebte reflektieren.

Das nächste große Projekt in puncto Barrierefreiheit hat Jörg Gronmayer schon in Arbeit: Er ist federführend im Projekt "Huerdenlos.de" und erstellt derzeit einen Online-Stadtführer, der auch auswärtigen Gästen aufzeigen soll, welche Einrichtungen und Gebäude barrierefrei zugängig sind. "Wir suchen noch Menschen, die uns bei der Datensammlung unterstützen", betont Gronmayer. Denn natürlich soll der Huerdenlos-Stadtführer möglichst lückenlos sein. Auch hierzu gibt beim Stadtrundgang Gelegenheit zum Austausch.  

Treffpunkt für alle Interessierten ist am Samstag, 21. Oktober, um 13 Uhr auf dem Sonnenparkplatz beim Kapuziner in der Waldtorstraße. Der Stadtrundgang dauert rund eineinhalb Stunden.