Rottweil

Umzugspläne zunächst auf Eis gelegt

von Schwarzwälder-Bote

Rottweil (wis/pn). Die für spätestens Ende Juli angekündigte Unterbringungs-Rochade bei Flüchtlingen, die von verschiedenen Seiten stark kritisiert wurde, ist auf Eis gelegt. Bernd Hamann, Sozialdezernent des Landkreises, berichtete gestern in der Sitzung des Kreistags, dass man das Angebot der Stadt Rottweil nun doch angenommen habe, die im ehemaligen Spital untergebrachte etwa 50-köpfige besonders schutzbedürftige Gruppe dort ein weiteres halbes Jahr zu beherbergen.

Kreis erntet für Unterbringungs-Rochade viel Kritik

Ute Bott, die im Neckartal in Rottweil ein Wohnheim für Flüchtlinge betreibt, hatte vor einigen Wochen – nach Bekanntwerden der Umzugspläne – auf sich daraus ergebende äußerst schwierige Situationen der Betroffenen verwiesen und dafür einiges an Zustimmung erfahren. So sollte eine größere Zahl der Neckartal-Bewohner nach Lauterbach umgesiedelt werden. Für die dafür zu platzierenden etwa 50 Personen aus dem Haus am Rottweiler Stadtkern seien die räumlichen Verhältnisse viel zu beengt, reklamierte Bott. Andere verwiesen auf die besonderen Betreuungsnotwendigkeiten, die sich abseits des Stadtgebiets deutlich komplizierter gestalten würden.

Hamann wiederum hatte vor einigen Wochen auf die Sachzwänge beim Landkreis verwiesen. Den momentanen Unterbringungsbedarf könne man mit dem teilweise auch sehr langfristig angemieteten Wohnraum gut befriedigen. Dazu halte man eine Wohnraumreserve von etwa 200 Plätzen für nicht auszuschließende wieder stärkere Zugänge an Flüchtlingen vor. Eine weitere Wohnraumbeschaffung – zum Beispiel in Rottweil – sei deshalb nicht opportun. Deshalb komme man an der ins Auge gefassten Lösung nicht vorbei.

Hamann betont dazu auch, dass man bei solchen Umsiedlungen natürlich auch die persönliche Situation der Betroffenen im Auge habe. Soll zum Beispiel heißen: Hat ein Flüchtling/Asylbewerber vor Ort einen Job, dann wird er nicht nach Lauterbach umquartiert.

Andererseits wird bei der Sozialbehörde auch nicht verschwiegen, dass nicht alles zu einem Wunschkonzert gemacht werden kann. In dieser Gemengelage hat sich bei der Rottweiler Flüchtlings-Beherbergung jetzt zumindest eine zeitliche Entspannung von einem halben Jahr ergeben. Wohl weil jetzt neben den Sommerferien auch der Übergang zum nächsten Schulhalbjahr im Januar/Februar als möglicher Zeitpunkt für einen Ortswechsel angesehen wird. Zu diesem Denkprozess dürften auch die vor allem bei Bürgerfragestunden im Rottweiler Gemeinderat sowie in der Sitzung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss Anfang Juli geäußerten Bedenken und Kritiken beigetragen haben.