Rottweil

Startschuss für Wettlauf um längste Hängebrücke fällt

von Svenja Fleig

Rottweil/Hof/Elbingerode. Bahnt sich im Süden jetzt ein Wettlauf um die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt an? 720 Meter weit sollen Besucher über das bayerische Höllental im Frankenwald spazieren können, wenn es nach dem Kreistag in Hof (Oberfranken) geht. Ende Juli hatte dieser mehrheitlich grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben. Mehr als zwölf Millionen Euro will man sich die Touristenattraktion dort kosten lassen. Laut Berichten der Frankenpost erwarte Landrat Oliver Bär, dass der Freistaat etwa 80 Prozent der Kosten durch Fördermittel decke. Für das Projekt liege bereits eine positive Machbarkeitsstudie vor.

Damit wäre die fränkische Hängebrücke zumindest länger als eine der beiden Alternativen, für die derzeit in Rottweil das Bebauungsplanverfahren vorbereitet wird. Diese soll das Neckartal 606 Meter weit überspannen. Die längere Variante sieht etwa 900 Meter vor. Im Gegensatz zum bayerischen Vorhaben gibt es mit Günter Eberhardt einen privaten Investor, der die Kosten von etwa sechs Millionen Euro trägt.

Massive Stahlaufhängung im Harz beunruhigt ein Zimmerner Ehepaar

So oder so ginge der begehrte Titel nach Süddeutschland – und damit dem derzeitigen Rekordhalter in Zermatt in der Schweiz verloren. Dort wurde erst Ende Juli die weltweit längste Hängebrücke für Fußgänger eröffnet. Somit hatte die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt (Landkreis Harz) diesen Titel nur für knapp drei Monate inne. Das Ehepaar Dilger aus Zimmern hat das Bauwerk besucht. Zwar zeigen sie sich beeindruckt von Ausblick und Dimensionen, "allerdings waren wir schockiert mit Blick auf den Bockshof". Der Besuch hat bei ihnen Fragen aufgeworfen. Das betrifft die Gestaltung des Bockshofs, möglicherweise mit Informations- und Essensständen und ob ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Auch die Frage nach der Bauweise der Einstiegsstelle am Bockshof treibt sie um.

In Sachsen-Anhalt hat ihnen nicht gefallen, dass die derzeit längste Hängebrücke über eine massive Stahlkonstruktion an der Einstiegsstelle befestigt ist. Das Ehepaar befürchtet eine ähnliche Lösung im Bockshof, die dem "Charakter des schönen Stücks Alt-rottweil" schaden würde.

Zur Zeit wird in Rottweil das Bebauungsplanverfahren vorbereitet. Es soll ein 7,1 Hektar großes Gebiet berücksichtigen. In diesem Verfahren wird geklärt, wo der Einstiegspunkt gebaut wird. Der Investor bevorzugt eine Lösung eher mittig des Bockshofes. Hier könnte durch das tiefere Niveau eine verhältnismäßig kleine Konstruktion zur Verankerung der Tragseile gebaut werden. Dann könnte auf eine massive Aufhängung wie bei der Rappbodetalsperre verzichtet werden. Bei der Einwohnerversammlung wurden dazu bereits verschiedene Visualisierungen vorgestellt.

Läuft die Aufstellung eines Bebauungsplans und das weitere Verfahren planmäßig ab, so könnte bereits im Herbst 2018 mit dem Bau der Rottweiler Fußgänger-Hängebrücke begonnen werden. In Bayern gibt es indes noch keinen genauen Zeitplan, wann mit dem Bau der neuen Touristenattraktion begonnen werden soll.