Rottweil

Schule droht nun doch Containerlösung

von Patrick Nädele

Rottweil - Die Sanierung des Droste-Hülshoff-Gymnasiums (DHG) beschäftigt den Gemeinderat und die Verwaltung seit langem. Die Weichen sind eigentlich gestellt. Nun zeichnet sich ab: Vielleicht müssen die Schüler doch vorübergehend in Container ziehen.

Fast zwei Jahre ist es her, dass der Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sitzung den gordischen Knoten durchschlagen haben: Angesichts der erwarteten Kosten von knapp 14 Millionen Euro sollten der Teilneubau und die Sanierung über einen längeren Zeitraum verteilt werden. Dass zuerst der vorgelagerte Neubau entstehen, dann sich die Sanierung der bestehenden Gebäude anschließen sollte, hätte für das DHG den positiven Nebeneffekt, ohne Unterricht in Containern auskommen zu können.

Diese Abfolge, so der Vorschlag der Stadtverwaltung, könnte nun über den Haufen geworfen werden. "Es wäre fahrlässig", meinte Oberbürgermeister Ralf Broß, über die Aussicht auf insgesamt 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern aus dem kommunalen Sanierungsfonds "nicht nachzudenken". Allerdings: Um das Geld auch wirklich zu bekommen, muss die Sanierung bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

"Kostenvorteil wegen Containerlösung teuer erkauft"

In ihren ersten Reaktionen zeigten sich die Stadträte vom Vorschlag, die Reihenfolge der vier geplanten Baustufen entsprechend zu ändern, sprich die Sanierung vorzuziehen und den Neubau erst später anzugehen, wenig überzeugt. Zweifel, wie groß die Aussicht auf einen Erfolg mit den Förderanträgen ist, trieben sie um. Aber auch an der Kröte Containerlösung schluckten die meisten schwer. Indes lockte die Verwaltung mit der Chance auf annähernd eine Million Euro, die der Stadtkasse erspart blieben. Die einfache Rechnung: Von den 1,5 Millionen Euro aus dem Fördertopf blieben nach Abzug der Kosten von 500.000 bis 600.000 Euro für die Containermiete mindestens 900.000 Euro übrig. Gleichwohl rückte FWV-Stadtrat Peter Schellenberg die Summe mit Blick auf die Gesamtkosten zurecht. Der Kostenvorteil sei da wegen der Containerlösung teuer erkauft.

Wie die meisten anderen Stadträte war Hermann Breucha (FWV) zunächst "geplättet" von diesen Neuheiten, die da als Sachstandsbericht dem Gremium erläutert wurden. Und Monika Hugger (CDU) setzte nach, eigentlich auf die für Sommer 2018 angekündigte Entwurfsplanung gewartet zu haben.

Tatsächlich räumte Fachbereichsleiter Lothar Huber ein, im Vergleich zum 2016 angepeilten Zeitplan mittlerweile ein knappes Jahr Verzögerung zu haben. Björn Claussen war einleitend auf die Antragsfristen und die weiteren Schritte eingegangen. Demnach könnten im März 2020 die ersten Arbeiten beginnen – das Vorbereiten der Fläche für die Container und dann die Sanierung des Gebäudeteils, das von 1965 stammt. Ab Februar 2021 würde sich die Sanierung des ältesten Teils von 1959 anschließen. Diese Arbeiten dürften im September 2022 abgeschlossen sein, und dann auch die Container nicht mehr benötigt werden. Als dritter Schritt solle bis zum Sommer 2024 der Teilneubau folgen, bevor bis Ende 2024 mit dem Abbruch des Gebäudeteils von 1979 und den Arbeiten am Außenbereich das Projekt über die Bühne wäre.

Beschluss fällt am 25. Juli im Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss

Schulleiter Stefan Maier machte in der Sitzung am Mittwochabend keinen Hehl daraus, dass am DHG eine Lösung ohne Container natürlich begrüßt werden würde. Priorität habe aber das Ergebnis. "Wir wären also bereit, in diesen sauren Apfel zu beißen." Ähnlich zwiespältig sieht es offenbar SPD-Stadtrat Jürgen Mehl, der neben den Containern den Baulärm über sechs Jahre hinweg ansprach, mit dem also quasi eine ganze Schülergeneration zurecht kommen müsse. Und Elke Reichenbach (FFR) machte überdies auf die Sicht der Eltern aufmerksam, denn Maier habe gerade erst für das DHG kräftig Werbung gemacht mit dem Hinweis, dass die Sanierung ohne Containerlösung vonstatten gehe.

Was OB Broß aus dem einstündigen Austausch mitnimmt? Er hat den Eindruck, dass das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung durchaus folgen würde, also bereit wäre, die Sanierung vorzuziehen und dem Aufstellen von Containern zuzustimmen. Bis zur Sitzung des Gemeinderats am 18. Juli sollen nun die entsprechenden Daten und Pläne aufbereitet werden, der Beschluss dann am 25. Juli im Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss fallen. Der Zeitdruck lässt grüßen.