Rottweil

Schauplatz ist das kollektive Trauma

von Schwarzwälder Bote

Zum ersten Mal wird ein Theaterstück von Heiner Müller im Zimmertheater Rottweil zu sehen sein. Das Stück heißt "Germania Schlaf Traum Schrei" – eine Szenen-Collage. Die Premiere ist am Freitag, 19. Oktober, ab 20 Uhr.

Rottweil. Regie und Bühne übernimmt Peter Staatsmann, Dramaturgie und Kostüme Bettina Schültke, verantwortlich für den Sound ist Moritz Goschkowski. Es spielen: Marlies Bestehorn, Steffen Happel, Mariam Jincharadze und Andreas Ricci.

Heiner Müller hat sich in seinen Theaterstücken, Gedichten, Prosatexten oder Interviews immer mit der Geschichte und ihren Katastrophen auseinandergesetzt. Alle Figuren des Theaterabends "Germania Schlaf Traum Schrei" haben einen Bezug zur deutschen Geschichte, der Zeitraum der Szenen erstreckt sich über Jahrhunderte und reicht von der Antike, über die Französische Revolution, Preußen, die Frühzeit des Kommunismus, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, der DDR bis in die Zeit nach 1989. Zu entdecken gibt es Szenen aus Heiner Müllers Theaterstücken "Germania Tod in Berlin", "Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei: ein Greuelmärchen", Die Schlacht, "Germania 3. Gespenster am toten Mann" und aus seinen Prosatexten. Müllers oft in einer aberwitzigen Weise agierende Figuren zeigen Ab- stürze und Abgründe. Sie kämpfen sich ab an individuellen und kollektiven Traumatisierungen, immer unter der Prämisse: Wie können wir Subjekte unserer Geschichte und unseres Lebens werden? Wie können wir von Deutschland, von Europa aus die Zukunft denken? Dabei geht es durchaus humorvoll zu.

Müllers Texte öffnen historische Räume, beleuchten Träume, Mentalitäten, Blockierungen und Traumatisierungen. Dies darzustellen, ist die große Herausforderung.

Mit vier jungen Schauspielern wird der ganze Kosmos durchschritten. Dazu gehören chorische Elemente, Clownsspiele, furiose comicartige Szenen, Traumbilder und unter die Haut gehende Monologe. Müller stellt menschliche Körper und ihre Konflikte mit Ideen auf die Bühne. Der Regisseur Peter Staatsmann bezieht sich auf Heiner Müllers Beschäftigung mit Sigmund Freund und der Psychoanalyse. Dies ist eine neue Lesart der Müllertexte.

Für Staatsmann hat Müller Ideologiekritik immer zur Psychoanalyse hin überschritten und mit seiner Ästhetik des Unbewussten eine universale gattungsgeschichtliche Literatur geschaffen. Müller ging es um die Partizipation des Zuschauers bei kreativen Prozessen. Das bedeutet nicht nur eine rationale Entschlüsselung von Thesen und Themen, sondern eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem eigenen psychischen Leben, den Verdrängungen und Traumata.  Karten gibt es für 15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro unter Telefon 0741/89 90 oder E-Mail an info@zimmertheater-rottweil.de, Der Vormittag ist Schulklassen vorbehalten. Wer mehr über den Dichter Heiner Müller wissen will, für den gibt es am Donnerstag, 8. November, ab 20 Uhr im Zimmertheater unter dem Titel "Angst wird abgearbeitet, indem man sie träumt" Gelegenheit.

Weitere Informationen: ww.zimmertheater-rottweil.de

20 und 26. Oktober, 3., 9., 10., 16., 17.11. November, 8., 15.12, 28., 29., und 31. Dezember, jeweils ab 20 Uhr. Einführungen sind vor den Vorstellungen ab 19 Uhr gibt es am 26. Oktober, 9.11., 16. November und 28. Dezember.