Rottweil

Projekte, Projekte: Es hört nicht auf

von Corinne Otto

"Achtung, Parksuchverkehr!" – mit der Warnung vor einem umherkurvenden Wohnmobil läutete der OB am Mittwoch auf der Groß’schen Wiese die Baustellenrundfahrt des Gemeinderats ein. Vier Stunden lang ging es per Bus quer durchs Stadtgebiet zu den Standorten großer Projekte.

Rottweil. Erst die hereinbrechende Dunkelheit setzte der Tour ein Ende. Ein Zeichen dafür, dass in Rottweil allerhand im Gange ist – oder in absehbarer Zeit in Gang kommen soll.

Das neue Parkhaus

Manches dauert auch: So wie das neue Parkhaus, das nun nicht in der Bahnhofsstraße, sondern auf der Groß’schen Wiese entstehen soll. Fachbereichsleiter Lothar Huber und Peter Jung-Teltschik, Leiter der Abteilung Stadtplanung, zeigten, was möglich ist: 400 bis 500 Stellplätze in einem bis zu 17 Meter hohen Parkhaus. Dieses müsse aufgrund des Emissionsschutzes komplett eingehaust werden und soll auch als Carsharing- und E-Ladestation dienen. Die Planungen sind noch in einem frühen Stadium. Auf dem restlichen Bereich des Platzes könne man sich "Mikro-Appartements" vorstellen.

JVA-Standort im Blick

Im "Esch", dem Standort des neuen Gefängnisses, ging es vor allem um die nun geplante Verlagerung des Weges um bis zu 80 Meter weg von der Gefängnismauer. Auch ein öffentlicher Parkplatz wird dort oben entstehen. Alle "Knackpunkte", so Lothar Huber, seien nun in der Planung berücksichtigt.

Berner Feld: Es wird eng

Auf dem Berner Feld informierte Bürgermeister Christian Ruf, dass ein weiteres Grundstück im Industriegebiet verkauft wurde. Ein Teil dessen werde für die Erweiterung der angrenzenden Kanzlei Hirt und Teufel genutzt, der andere für ein "Gründerzentrum". Damit reduzieren sich die verfügbaren Flächen weiter. Ein Grundstück ist für den Parkplatz Hängebrücke reserviert. Hier "plagt" die Verwaltung laut Huber noch die Frage, wie die Besucher vom Parkplatz bis zum Andockpunkt der Brücke kommen. Die Weiterfahrt führte dann gleich durch die vorgesehene Erweiterungsfläche "Seeäcker". Hier, so räumte die Stadtverwaltung ein, rücke man den Höfen "ziemlich nah auf die Pelle".

Viel Fantasie bis 2028

"Jetzt ist Fantasie gefragt", betonte Oberbürgermeister Ralf Broß beim Halt in der "Au". Wo jetzt noch die ENRW (auf belastetem Erdreich) angesiedelt und der Neckar durchs Gebüsch nur zu erahnen ist, soll ein Schwerpunkt des Landesgartenschaugeländes entstehen. Auch ein Campingplatz ist angedacht. Als Problem erweist sich der Neckar-Pegel, eine technische Einrichtung, die nicht verlegt werden kann. Immerhin: Mit der Bahn sind Gespräche bezüglich der Entbehrlichkeit einiger Gleise terminiert. CDU-Stadtrat Günter Posselt wunderte sich, dass in die Gesamtplanung plötzlich auch das Schützenhaus-Gelände mit einbezogen ist. Ob die Schützen davon schon wissen?

Rottweiler passt auf

Von einem Beton-Hörl-Rottweiler auf einem massiven Betonsockel wurden die Räte auf dem Gelände von Künstler Jürgen Knubben begrüßt. Dieser hat im Auftrag der Stadt den Prototypen eines Sicherheitspollers geschaffen, der weniger durch den Blick des Hundes, als vielmehr durch sein enormes Gewicht künftig als Einfahrschutz bei Veranstaltungen genutzt werden soll. 15 Stück müssten beschafft werden, ein Exemplar kostet rund 5000 Euro. Fachbereichsleiter Bernd Pfaff und Knubben informierten über die Details, die Stadträte zeigten sich angetan.

Warten in Göllsdorf

Im Baugebiet Brunnenäcker III in Göllsdorf dominieren akkurate Rechtecke im Boden das Bild. Die Ausgrabungsexperten dokumentieren weiter die Überreste einer römischen Villa Rustica. Aktuell wurden zudem Reste einer Lagerkammer entdeckt, so Jung-Teltschik. "Da kann man sogar erkennen, was die Leute damals im Müsli hatten." Die wartetenden Bauwilligen freut das weniger. Lothar Huber versicherte, dass bald alles zugemacht werde und im Frühjahr 2020 mit der Erschließung begonnen werden soll.

Hängebrücken-Feeling

Etwas Hängebrücken-Feeling gab es auf den neuen Hochwasserschutzanlagen am Rückhaltebecken in Neufra. Hier wurden, wie OB Broß betonte, zwei Millionen Euro investiert. Auch die Mauer entlang der Starzel im Ort werde halten, auch wenn Anwohner das anders sehen: Die Berechnungen seien eindeutig. Dass die Mauer zu nieder sei, sei eine "optische Täuschung". Obendrein wurde es da dann auch schon ziemlich dunkel.