Rottweil

Primtalbrücke: Was ist dran am Konzept?

von Corinne Otto

Je weiter das Projekt voranschreitet, umso verrückter klingt das Ganze: Sechs Waggons auf der alten Primtalbrücke, darin eine Modelleisenbahn, Gastronomie, und um hinzukommen, braucht’s einen neuen Lift über die Bahngleise. Was ist dran an Klaus Döbels Plänen?

Rottweil. Der Mann aus Gottmadingen, freischaffender Unternehmensberater und derzeit nach eigenem Bekunden beschäftigt mit "verschiedenen Projekten", will Rottweil zu einer neuen touristischen Attraktion verhelfen, das ist bekannt. Doch nach den jüngsten Veröffentlichungen zu Döbels Plänen rund um die Primtalbrücke erreichen uns auch kritische Stimmen. Einem Leser stehen "die Haare zu Berge" angesichts dieser "Idee aus Wolkenkuckucksheim". Und es herrscht die Sorge, dass womöglich die Stadt auf die Idee kommen könnte, das Ganze zu bezuschussen?

Etliche Probleme zu lösen

Wir treffen uns noch einmal mit dem Projektplaner, um zu erfahren: Was ist dran an seinem Vorhaben? Zur Erinnerung: Döbel hat die idyllisch gelegene Primtalbrücke vor zwei Jahren von der Bahn gekauft, will sie an die nahegelegene Ringzughaltestelle anbinden und sechs historische Waggons auf ihr positionieren, in denen eine große Modelleisenbahn, eine Kleinkunstbühne und Gastronomie für 100 Gäste Platz finden sollen. Erreichbar ist das Ganze nur zu Fuß, per Rad – oder eben über die Ringzughaltestelle. Von der gibt es allerdings bislang keine Verbindung zur Brücke.

Alles nur eine verrückte Idee, ohne Aussicht auf Umsetzung? Der 59-jährige Döbel räumt ein, dass es etliche Probleme zu lösen gibt. "Es ist schlimmer, als gedacht", sagt er. Nach langen Verhandlungen mit insgesamt neun Bahngesellschaften hat er tatsächlich ein Schreiben der DB Immobilien AG vorliegen, in dem die Planungsmöglichkeiten zur Überbauung der Gleise erörtert werden. Und es zeigt sich, dass die Brücke am besten mit einer Überbauung beider Gleise direkt zur gegenüberliegenden Böschung unterhalb der Firma Wohn-Schick erreichbar gemacht werden könnte.

Damit sei das "komplexe Planungsprozedere" nun an einem neuen Knackpunkt angelangt, erklärt Döbel. Der schmale Grundstücksstreifen, auf dem die Überbauung mit einer Liftanlage "landen" würde, gehört der Stadt. Döbel wollte den zugewucherten Streifen nach eigenem Bekunden erwerben – doch es habe sich beim Liegenschaftsamt herausgestellt, dass es sich eigentlich um einen öffentlichen Weg handelt. Der könne nicht verkauft werden. Döbel hofft nun, dass die Stadt den Weg entsprechend herrichtet. "Wenn das an der Stelle nicht klappt, kann ich einpacken."

Fünf Euro für den Lift

Es ist also kompliziert. "Aber es geht nicht anders. Einfach kann ja jeder", meint Döbel. Er hat weitere Kontakte in Rottweil geknüpft und ist unter anderem mit den Eisenbahnfreunden Zollernbahn im Gespräch, die ihm die Waggons besorgen könnten. "Wir haben ihm die Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert", bestätigt Vorsitzender Klaus Bogenschütz. Natürlich müssten zuvor von Döbel die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Bei der Frage aller Fragen, nämlich wer das alles bezahlen soll, hält Döbel sich bedeckt. "Wir haben ein Investorentableau", versichert er. Näheres will er – noch – nicht sagen. Örtliche Geldgeber sind es jedenfalls nicht. Vielmehr "Privat Equity Finanzierer", sagt Döbel. 4,5 Millionen Euro hat die neu gegründete "Primtalpark Rottweil Projektgesellschaft" – mit ihm und Geschäftspartnerin Ganimete Salihu als Gesellschafter – für das Projekt veranschlagt.

Wichtig sei "ein Konzept, das wirtschaftlich tragfähig ist", betont Döbel. Einnahmen kämen durch den Betrieb der Modelleisenbahn – hier sei er mit der Firma Märklin im Gespräch – sowie die Gastronomie herein. Und natürlich mit dem Ticketverkauf am Lift über die Bahngleise. Etwa fünf Euro soll es kosten, um über die Liftanlage zu den Waggons zu kommen. Der Zugang über den Radweg beim Alten Bohrhaus und den Bahndamm ist dagegen frei, verrät Döbel. Und dann ist da ja noch der Park mit Pfahlbauten unter der Brücke – ebenfalls Teil der Planung. Klingt ähnlich verrückt wie der Rest. Aber Döbel bleibt dran.

Die Stadt jedenfalls erklärt auf Anfrage: "Wir unterstützen dieses Projekt im Grundsatz und stehen ihm offen gegenüber". Zur Frage, ob die Stadt an eine finanzielle Beteiligung denke, gibt es übrigens ein klares "Nein". Zumindest das dürfte die Skeptiker ein wenig beruhigen.