Rottweil

Mehr als 50 Einsätze durch falschen Alarm

von Katja Fuchs

Rottweil - Wenige Tage ist es her, dass die Feuerwehr Rottweil wegen eines aus nicht ersichtlichen Gründen piependen Rauchmelders in der Oberndorfer Straße ausrücken musste. Dass Rauchmelder falschen Alarm schlagen, ist keine Seltenheit.

Es komme sehr oft vor, dass die Feuerwehr aufgrund von ausgelösten Rauchmeldern gerufen werde, dann jedoch kein Feuer vorfinde, erklärt Stadtbrandmeister Frank Müller. Seit Feuermelder 2015 in Schlafzimmer und Flur Pflicht wurden, habe dieses Problem noch zugenommen. Von 365 Einsätzen im vergangenen Jahr seien 63 Fehlalarme gewesen, darunter 51, die durch Feuermelder ausgelöst wurden.

Auch kleine Tiere können den Alarm auslösen

Das heiße aber nicht unbedingt, dass all die Melder eine Fehlfunktion haben. "Die Geräte funktionieren nach dem Streulichtprinzip", sagt er. "Ein roter Lichtstrahl wird von A nach B geschickt. Wird er nun durch etwas unterbrochen, löst der Alarm aus." Der Strahl könne jedoch nicht nur durch Rauchpartikel abgelenkt werden, sondern auch durch Wasserdampf, Deospray oder kleine Tiere, die sich in den Rauchmelder verirren. "Das kommt in öffentlichen Gebäuden oft vor. In Krankenhäusern wird beim Duschen manchmal die Badezimmertür nicht richtig geschlossen und Dampf gelangt in den Schlafraum", nennt er ein Beispiel. "Oder in Altenheimen oder Schulen wird unter dem Melder mit Deo hantiert."

In Unternehmen zahlt der Anlagen-Betreiber

Bei behördlich geforderten Anlagen, also in nicht-privaten Gebäuden, gelte zudem eine Sonderregelung, was die Finanzierung der Feuerwehreinsätze angehe. "Löst dort der Feuermelder aus, wird unsere Leitstelle direkt informiert und wir rücken aus", erklärt der Stadtbrandmeister. "Handelt es sich um eine Fehlfunktion des Feuermelders, muss der Betreiber der Meldeanlage die Kosten tragen." Warum das so sei? "In öffentlichen Gebäuden müssen die Feuermelder jedes Vierteljahr gewartet werden. In Firmen zum Beispiel werden die Intervalle ganz gerne ausgedehnt, oder die Rauchmelder in Werkshallen sind schmutzig und eingestaubt." Folglich zahlt, wer mit den Wartungsarbeiten nachlässig war. Etwa 70 öffentliche Räumlichkeiten und Gebäude gebe es in Rottweil, die Feuermelder haben. "In viele von denen müssen wir nie rein, dafür in manche einzelne immer wieder mal", meint Müller.

Bei Rauchmeldern in Privathäusern gelten andere Regeln. Die Kosten für Einsätze trägt hier grundsätzlich die Allgemeinheit. Ein weiterer Unterschied: "Während wir beim Alarm im öffentlichen Gebäude sofort informiert werden, dauert es in Privathäusern oft Stunden, bis ein genervter Nachbar bei uns anruft." Dann müssen sich die Einsatzkräfte Zutritt zum Haus verschaffen. Es könne schließlich auch sein, dass jemand etwas auf dem Herd vergessen habe und eingeschlafen sei. Diesen Verdachte habe die Feuerwehr auch beim Einsatz neulich in der Oberndorfer Straße gehabt. "Wir haben dann aber keinen Rauchgeruch vor der Tür wahrgenommen und haben uns daher etwas mehr Zeit gelassen, um beim Eintreten möglichst wenig Schaden anzurichten", erklärt Müller. "Für die Feuerwehr ist ein gekipptes Fenster grundsätzlich ein Offenes", merkt Müller an. "Wir haben die Werkzeuge, um es dann ganz auf zu machen." In diesem Fall seien aber alle Fenster geschlossen gewesen. Eine Glasscheibe sei in der Regel weniger teuer, als eine kaputte Eingangstür. Deswegen habe sich die Feuerwehr über den Balkon Zutritt zur Wohnung verschafft. Und habe dort einen Feuermelder vorgefunden, der ohne ersichtlichen Grund Alarm schlug.

Kaputte Akkus können schnell explodieren

"Solche Vorfälle sind in der Tat häufig, aber es ist auch der ein oder andere Fall dabei, wo wir Leben retten können", sagt Müller. Er hält die Rauchmelderpflicht auf alle Fälle für sinnvoll. "Der Rauchmelder ist die billigste Lebensversicherung", findet er. "Wir umgeben uns heute mit so vielen Elektrogeräten, die alle potenzielle Brandauslöser sein können." Er selbst habe sein Handy einmal nachts ans Ladegerät gehängt, wie die meisten Menschen das machen. Morgens sei das Display gewölbt gewesen und er habe es sofort ausgesteckt, erinnert er sich. Ihm sei gesagt worden, er habe Glück gehabt, denn hätte er es zu spät gemerkt, wäre der Akku explodiert.

"Alle Elektrogeräte, vor allen solche, die Hitze erzeugen, vom Wasserkocher über den Toaster bis hin zur Waschmaschine, sollten ausgesteckt werden, wenn sie nicht in Gebrauch sind", rät Müller dringend. "Es fließt die ganze Zeit Strom in die Geräte hinein, wenn sie eingesteckt sind. Wenn etwas kaputt geht, können sie einfach anfangen, zu brennen." Lebhaft in Erinnerung ist ihm ein Fall vor dem Jahre 2015, als zwei Jugendliche ums Leben gekommen seien, als mit einem Laptop genau das passiert sei. Das Feuer sei im unteren Stockwerk ausgebrochen. Ein dritter Jugendlicher habe durch das Fenster fliehen können. Fälle wie dieser seien vermeidbar, wenn man eingesteckte Geräte nicht unbeaufsichtigt lasse.

Den Batteriealarm am Feuermelder erkenne man im übrigen an einem kurzen Piep-Geräusch, das etwa alle zehn Minuten zu hören sei. Dann heiße es: Schleunigst Batterien wechseln!