Rottweil

Klimanotstand eine "Effekthascherei"?

von Patrick Nädele

Rottweil - Fünf "Fridays-for-Future"- Demonstrationen hat es in Rottweil bislang gegeben. Gestern Abend stellten Vertreter der Bewegung zum wiederholten Mal in einer Sitzung des Gemeinderats ihre Forderungen vor – mit geteilter Resonanz.

Den deutschlandweiten Forderungen der Jugendbewegung widmeten die drei Abgesandten gar nicht viel Zeit. Es sollte um Anregungen gehen, die in Rottweil entschieden und umgesetzt werden können. Und da waren es zwei zentrale Themen, die die Schüler gerne bei den Rottweiler Stadträten platziert hätten: der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sowie das Ausrufen des Klimanotstands etwa nach dem Beispiel der Stadt Konstanz.

Die Jugendlichen fanden Gehör bei den Stadträten. Nicht nur Reiner Hils (FFR) lobte das Engagement ausdrücklich, das für ihn "ein wichtiger Beitrag zur Bürgergesellschaft" sei. Es sei ein Verdienst der "Fridays for Future", dass die Menschen für die Themen Klima-, Natur- und Artenschutz sensibilisiert seien, sagte Günter Posselt (CDU). In die Anerkennung dafür, das Thema Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft gebracht zu haben, mischten sich aber auch kritische Anmerkungen. Es gab aus dem Gremium die Hinweise, Wechselwirkungen zu beachten, nicht nur Forderungen zu stellen, sondern auch an der Umsetzung mitzuwirken, und natürlich die Kosten nicht außen vor zu lassen. Und Posselt sprach auch die Glaubwürdigkeit an, wenn jemand bei der Demonstration in der Fußgängerzone die "Fridays-for-Future"-Erdkugel in die Höhe hält, der zwei Wochen zuvor noch "auf Mallorca gejettet ist".

Daniel Karrais (FDP) spricht von "Effekthascherei"

War schnell herauszuhören, dass die Idee, in Rottweil den Klimanotstand auszurufen, im Gremium wenig Befürworter finden dürfte, da im Vergleich mit Konstanz vier von fünf resultierende Verpflichtungen bereits angepackt sind – mitunter seit 19 Jahren –, wurde Daniel Karrais (FDP) in seiner Reaktion sogar deutlicher. Für "Effekthascherei" halte er das. Reimond Hoffmann (AfD) skizzierte den Jugendlichen gar den Untergang der baden-württembergischen Industrie als Folge ihrer Idee. Zu hören bekamen die "Fridays-for-Future"-Aktiven von ihm zudem den Vergleich: Schule schwänzen für die Zukunft, sei so etwas wie Bomben für den Frieden.

Mehr Aufmerksamkeit fanden indes die Gedanken der Schüler zum ÖPNV – mit mitunter ganz konkreten Ansätzen. Eine Direktverbindung aus Rottweil ins Inkom brachten sie ins Gespräch, sprachen Probleme mit dem Anrufbus an und forderten den Ausbau der Verbindungen an den Wochenenden. "Das schauen wir uns an", sagte Oberbürgermeister Ralf Broß für die anstehende Diskussion über das Mobilitätskonzept zu. Ingeborg Gekle-Maier (Grüne) pflichtete den Jugendlichen in ihrer Kritik am ÖPNV bei und hielt Arved Sassnick (SPD) entgegen: "Zuerst muss das Angebot da sein, dann kann man überlegen, das Auto stehen zu lassen". Der Sprecher der SPD+FFR-Fraktion hatte zuvor gemeint, zunächst müsse im ländlichen Raum ein Umdenken in den Köpfen angestoßen werden. Erst dann könne über Alternativen zum Auto nachgedacht werden.