Rottweil

Gesundheitsamt warnt vor Zecken und Krankheiten

von Jasmin Cools

Kreis Rottweil - Influenza, multiresistente Keime und Zeckengefahr – das Gesundheitsamt stellte in der Sitzung des Sozial-, Kultur- und Jugendausschusses im Landratsamt den Infektionsbericht für 2017/18 vor.

Generell müsse man sich drei Herausforderungen stellen, führte Gesundheitsamt-Dezernent Heinz-Joachim Adam aus. Diese seien die Behandelbarkeit von bakteriellen Erkrankungen (Antibiotikaresistenz), die mangelnde Impfbereitschaft und neue Organismen wie die asiatische Tigermücke.

Ein großes Thema sei 2017/18 die Grippewelle gewesen, informierte Adam das Gremium. Deutschlandweit seien die höchsten Erkrankungszahlen seit Beginn der Grippeüberwachung 2001 ermittelt festgestellt worden.

Im Kreis Rottweil habe es zwischen Dezember und April insgesamt 362 laborbestätigte Influenzafälle gegeben (im Vorjahr 151), zudem zwei Todesfälle. Die Betroffenen seien älter als 80 Jahre gewesen, so Adam. Schwere Verlausformen beträfen stets vorwiegend ältere Menschen ab 60 Jahren. Auffällig sei aber, dass die Grippewelle 2017/18 deutschlandweit insbesondere die Unter-Vierjährigen getroffen habe.

Im Kreis Rottweil hatte sie 2017 bereits im Januar begonnen und ihren Höhepunkt Anfang Februar gehabt. Vergangenes Jahr startete sie nur zwei Wochen später, zog sich aber bis April und hatte ihren Höhepunkt Ende Februar/Anfang März.

Bedenklich sei die geringe Impfrate in Deutschland, so Adam. Mit 34,8 Prozent der Senioren ab 60 Jahren, die sich impfen lassen, liege man im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. "Mit keiner Impfung lassen sich mehr Erkrankungen und Todesfälle vermeiden als mit der Influenza-Impfung", meinte der Gesundheitsamt-Dezernent.

Ernst sieht es bei der durch Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) aus. So gehört der Landkreis Rottweil zu den neun am stärksten betroffenen Landkreisen in Baden-Württemberg. Die Neuerkrankungszahlen schwanken im Kreis zwischen null und 17 Fällen jährlich. 2018 waren es elf. Am häufigsten traten entsprechende Erkrankungen zur Jahresmitte auf. Betroffen seien meist die 40- bis 65-Jährigen und vorwiegend Männer, so Adam.

Vergangenes Jahr habe das Gesundheitsamt vergleichsweise häufig schwere Verläufe mit Hirnhautentzündungen und neurologischen Schäden festgestellt. Der Impfanteil ist laut Dezernent mit mehr als 40 Prozent im Kreis Rottweil recht hoch, jedoch immer noch zu gering.

Erfreulich sei hingegen der weitere Rückgang der Fallzahlen bei Norovirusinfektionen seit 2015. Während es 2016 noch 306 Fälle im Kreis Rottweil gab, waren es 2018 nur noch 151. Generell seien Kinder und ältere Menschen am häufigsten von den Krankheiten betroffen.

Angestiegen ist die Zahl der durch Campylobacter-Bakterien verursachten Magen-Darm-Erkrankungen (von 120 im Jahr 2016 auf 135 im vergangenen Jahr). Die Bakterien sind unter anderem auf rohem Geflügelfleisch zu finden.

Vermutlich auch durch die Unterbringung in großen Gemeinschaftsunterkünften, Migrationsbewegungen und Zuwanderung aus Osteuropa bedingt, habe es im Kreis Rottweil den heftigen Ausbruch einer Hautkrankheit gegeben, ging Adam zum nächsten Krankheitsbereich über. Ein Fadenpilz, der auf dem Kopf zu einem Ausschlag und Haarausfall führt, habe zahlreiche Wochenendeinsätze nötig gemacht, so der Dezernent. Erst nach zehn Monaten habe man den Ausbruch im Griff gehabt. Zudem sei bei einer fünfköpfigen Familie im Kreis der sogenannte "Kinderkopfschänder", ein Pilz mit Ausschlag und Haarausfall als Folge diagnostiziert worden, verursacht durch wiederholten Kontakt mit streunenden Katzen.

Noch recht gering, aber steigend sind die Zahlen festgestellter multiresistenter Keime im Landkreis Rottweil, "aber das kann sich schnell ändern", kündigte die stellvertretende Gesundheitsamtsleiterin Petra Sostak an. Jährlich erkranken in Deutschland rund 54 500 Menschen an Infektionen dieser Erreger, 2400 sterben. Auch in Baden-Württemberg habe man ein großes Ausbruchsgeschehen in Krankenhäusern festgestellt. "Da ist etwas im Gange", meinte Sostak.

Rund 50 Fälle von Hepatitis-B/C-Leberentzündungen wurden 2018 im Kreis Rottweil festgestellt. Während die Zahlen bei der behandelbaren Hepatitis C, die durch mit Blut verunreinigte Nadeln bei Tattoos entstehen kann, leicht zurückgegangen sind, gab es bei Hepatitis B einen Anstieg um das 18-fache.

Recht gering sind die Erkrankungen durch Hantaviren. Die Infektion erfolgt durch das Einatmen von mit Ausscheidungen der Gelbhals- oder Rötelmaus versetzten Stäuben. Die Tiere seien aber vor allem dort verbreitet, wo es viele Buchen gebe, so Sostak.

Recht gering sind auch die Zahlen der Masernerkrankungen im Kreis (2018: etwa 100). "Ein Schutzgesetz wäre trotzdem sinnvoll", so die Expertin, denn in Baden-Württemberg habe es 2018 fast 4000 Fälle gegeben. Elf Prozent der Kinder seien zur Einschulung nicht geimpft, meinte sie. "Die Situation kann sich auch im Kreis rasch ändern".

Eine deutliche Zunahme landesweit und im Kreis Rottweil kann auch bei der Krätze, verursacht durch Milben, verzeichnet werden. So meldete ein Hautarzt aus Rottweil im Januar und Februar 2017 51 Fälle im Kreis Rottweil.

Angestiegen ist auch die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten, etwa bei Syphilis (von zwei Fällen 216 auf zehn 2018). Gut angenommen werde die anonyme Sprechstunde des Gesundheitsamtes. Insgesamt gebe es deutschlandweit mittlerweile mehr als 86.000 Menschen, die mit HIV leben.