Rottweil

Ferienzauber: LaBrassBanda rocken Zelt am Wasserturm

von Bodo Schnekenburger

Rottweil - Ein echter Glückstreffer: Der letzte Act, den das Ferienzauber-Team für die 29. Auflage des Rottweiler Sommerfestivals gebucht hat, erweist sich am Donnerstagabend als echt heiße Nummer: "LaBrassBanda" rocken das Zelt.

Der Dank ans Publikum kommt früh. Im Zelt unterm Wasserturm, das für diesen Abend alles an Mobiliar weggeräumt und die Westflanke weit geöffnet hat, drängen sich gut 1000 Besucher. So viele gab’s hier oben schon lange nicht mehr bei einer kostenpflichtigen Veranstaltung. Es ist fast ein bisschen wie früher, ganz früher, als Bands mit großem Namen das große Zelt – es stand damals noch dort, wo sich heute zwischen Karussell und Theke ein Teil des Biergartens erstreckt – rockten. Am Donnerstagabend schickt sich ein Truppe bayerischer Musiker, die damals vielleicht eine Idee davon hatten, dass sie auf solchen Festivals spielen könnten, an, das Ferienzauber-Publikum zu begeistern und im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung zu versetzen.

Klar, da wird mitgesungen und -geklatscht, gehüpft und gestaunt. Dass Stefan Dettl, Frontman von "LaBrassBanda" seine Gäste – da ist von vier bis 74 alles an Alter mit dabei – vorsichtshalber über "Mosh-Pits" aufklärt, kann nicht schaden, auch wenn es dazu später nicht kommt. Die Jungs haben Erfahrung mit großen Festivals, spielen in Line-Ups mit Independent-, Metal- und Punk-Bands. Und, ja, auch das sagt er, ganz ohne elektrische Gitarre.

"LaBrassBanda" nutzt andere Möglichkeiten, um sich Gehör zu verschaffen. Und zwar so richtig. Damit ist das besondere Special extra für die Rottweiler Besucher noch gar nicht gemeint: Stimmt die Truppe doch mitten im Sommer – okay, gestern Abend geht es fast schon herbstlich zu, macht aber nix – den Narrenmarsch an. Dettl hat ihn vor Jahren gespielt. Nicht irgendwo, sondern in der Uniform der Stadtkapelle am Fasnetsmontag. "Als wahrscheinlich einziger außerhalb von Baden-Württemberg Geborener", sagt er. So eng sieht's indes weder Narrenzunft noch Stadtkapelle, und wer gut mit seinem Blasinstrument ist und akzeptiert, dass das Unfassbare – "Da gibt’s immer nur dieses eine ›Lied‹?" – Wirklichkeit wird, ist gerne aufgenommen. Unterdessen singt ein August-Projektchor im Zelt textsicher mit: "Auf, wachet auf..."

Das fasziniert auch die Band, die inzwischen längst größere Locations gewöhnt ist und sich freut, in diesem "Bierzelt, äääh, Zirkuszelt", jedenfalls in so einem "kleinen Club" mal wieder auf den Putz hauen zu können. Das wiederum erfreut das Publikum. Denn zwischen bayerischen Chansons, deren Text man allerdings kaum verstehen mag, und knackiger Blasmusik, über den volkstümlichen Anklang bis zum treibenden Ska nehmen "LaBrassBanda" die ganze Runde und grasen auch waschechtem Handmade-Techno ab. Dabei kann die Band nach Belieben dirigieren: Das Menge schleicht nach links und stelzt nach rechts, reckt sich, bückt sich ein bisschen – viel Platz ist eben nicht mehr im Zelt – und gibt sich ansonsten ganz dem treibenden Sound der scheinbar nimmermüden Musiker hin. Diese wiederum beweisengroße Klasse. Wer sich in so einem Feuerkessel auf ein Zeichen unabgesprochen zu einer astreinen Zäsur aufschwingt und danach von null auf alles in einem halben Takt hochziehen kann, ist einfach gut. Und weil alles so gut ist gestern Abend gibt es sogar noch ein großes Dankeschön an Nachbarn und Gemeinderat. Und vom Publikum die stille Hoffnung, dass es nicht der letzte Ferienzauber-Abend mit "LaRassBanda" war.