Rottweil

Ein gutes Stück Überzeugungsarbeit

von Patrick Nädele

Wenn es nächste Woche in der Sitzung des Gemeinderats um das geplante Parkhaus an der Bahnhofstraße geht, dürfte es spannend werden. Der Bauausschuss tat sich am Mittwochabend schwer, sich auf eine Variante zu einigen – weil keine wirklich überzeugt.

Rottweil. Eigentlich ist es Variante A. Ein Parkhaus, das auf fünf Geschossen Platz bietet für 100 Stellplätze, und das eingepasst in das Grundstück Bahnhofstraße 1. Nachdem sich die Stadträte aus Kostengründen entschieden hatten, auf eine Verlegung der Ruhe-Christi-Straße zwischen Parkhaus und Villa Duttenhofer zu verzichten, ist damit die zur Verfügung stehende Fläche maximal ausgereizt.

Bürgermeister Christian Ruf und Fachbereichsleiter Lothar Huber machten kein Geheimnis daraus, dass der Entwurf so seine Stolperstricke hat. Das unterste Parkdeck etwa ist nur über die Bahnhofstraße zu erreichen. Für die oberen Etagen gibt es Zu- und Abfahrt von der Ruhe-Christi-Straße aus. Problematischer ist aber: Das Parkhaus müsste direkt auf die Grundstücksgrenze gebaut werden. Das wäre nur möglich, wenn die Nachbarn zustimmen. Nicht nur FWV-Stadtrat Peter Schellenberg hat so seine Zweifel, dass ein Nachbar es akzeptiert, drei Meter neben seiner Eingangstür auf eine zwölf Meter hohe Außenwand des Parkhauses zu blicken.

Gute Gründe also für die Stadtverwaltung, dem Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss nun am Mittwoch zwei weitere Varianten zu präsentieren – zumal mittlerweile klar ist: die ENRW muss dort den Kanal sanieren, und die Verschwenkung der Straße käme deutlich günstiger als bislang gedacht. So entstanden Variante B und B+, die als fast quadratische Lösungen aus dem Systembaukasten für Parkhäuser stammen. 114 Stellplätze auf acht Split-Level-Geschossen bietet Variante B, 158 Stellplätze auf elf Geschossen Variante B+. Allerdings fielen durch die Straßenverlegung an der Villa Duttenhofer 26 Plätze weg, so dass sich der Zugewinn durch das Parkhaus auf 88 und 132 Plätze relativierte. Die Kosten: 2,77 Millionen Euro für Variante A, 2,74 Millionen für Variante B und 3,57 Millionen für B+. Möglich wären noch Sanierungsmittel aus dem Gebiet Stadtmitte.

Variante B fiel im Ausschuss deshalb schnell aus dem Rennen, da bei vergleichbaren Kosten trotz notwendiger Straßenverschwenkung weniger zusätzliche Stellplätze geschaffen werden. An der Entscheidung zwischen A und B+ schieden sich dann die Geister. Zwischen "wenn schon, dann die große Lösung" und "die Verschwenkung geht gar nicht" pendelten die Argumentationen. Trotz "aller Nachteile von Variante A" erwartet Günter Posselt (CDU) aus einer Entscheidung für die Straßenverlegung "viele emotionale Diskussionen und funktionale Probleme". Zudem rücke für seinen Geschmack das Parkhaus zu dicht an die Villa Duttenhofer.

Dem Vorschlag der Stadtverwaltung, Variante A, also die kleine Lösung zu bauen, folgten neben Oberbürgermeister Ralf Broß vier weitere Mitglieder des Ausschusses. Vier sprachen sich dagegen aus, drei enthielten sich.