Rottweil

"Eigentlich bin ich ein kleiner Nerd"

von Jasmin Cools

Vom Bauernhof in die große weite Welt – Lola Weippert ist nicht nur ein erfolgreiches Model, sondern mittlerweile ein Social-Media-Star auf Insta­gram. Doch wenn sie ihre Heimat Rottweil besucht, ist es, als seien die Uhren stehengeblieben.

Rottweil. Sie wurde früher "Breitmaulfrosch" genannt, bezeichnet sich als "laufender Meter" und nennt ihre Füße Harald – Lola Weippert hat mit dem stereotypen Model – dumm, eingebildet und oberflächlich – so gar nichts zu tun. Nicht nur, dass sie für jeden Spaß zu haben ist und über sich selbst lachen kann, Weippert greift auch politische und gesellschaftliche Themen auf und scheut keine Konfrontation. Rund 120 000 Nutzer des sozialen Netzwerks Instagram begleiten sie dabei. Für Weippert mehr als verwunderlich: "Ich hätte niemals gedacht, dass mein Leben so spannend sein kann", sagt sie lachend.

In ihren täglichen Videos zeigt die 22-Jährige nicht nur, wie ein Shooting abläuft, sondern auch ganz alltägliche Dinge wie den Gang zur Arbeit oder das abendliche Fernsehen. Manchmal philosophiert sie auch einfach nur vor sich hin und erzählt, was sie gerade beschäftigt – und wenn es auch nur eine schnöde Erkältung ist und sie zur "Bazillen Bianca" wird. Und damit trifft sie bei ihren Followern ins Schwarze – nicht abgehoben, sondern jemand, der sich nicht so ernst nimmt, jemand zum Anfassen, eben jemand wie sie.

Mit zwölf Jahren begann die Modelkarriere

Genau so begann auch ihre Modelkarriere – nicht in Berlin, sondern unweit ihrer Heimat Deißlingen, in Niedereschach. Mit zwölf Jahren modelte sie für die Werbeagentur des Vaters einer Freundin und legte damit den Grundstein für ihre Karriere. "Mit der Zeit wurde alles immer mehr und immer bunter", lässt Weippert ihren Werdegang Revue passieren. Die Aufträge wurden immer vielzähliger, die Werbepartner immer größer.

Einen ordentlichen Karrierekick gab es mit ihrem Insta­gram-Account "eleonorelolanaomi". "In meiner Schulzeit war Instagram der heiße Scheiß", erklärt das Model. Anfangs habe sie Urlaubs- und Partyaufnahmen hochgeladen, später Modelfotos. "Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt", sagt sie. Mittlerweile nutzt sie Instagram als Influencerin auch für die Vermarktung von Produkten ihrer Werbepartner.

"Das Leben, das ich jetzt führe, ist weit weg von allem, was ich mir vorstellen konnte", sagt die 22-Jährige ganz offen. Dass sie eines Tages auf dem Cover einer bekannten Fitnesszeitschrift landen würde, hätte sie nie geglaubt.

Momentan steht sie dreimal pro Woche vor der Kamera und weiß ganz genau, was sie will. "Ich habe eine gewisse Expertise entwickelt und weiß, welcher Fotograf oder Stylist für welches Projekt am besten passt", erklärt sie. "Mein tollstes Erlebnis war eine Südafrika-Reise, um Werbevideos zu drehen", erzählt sie begeistert. Oft habe es da den Moment gegeben, in dem sie nicht fassen konnte, dass sie für diese Erlebnisse auch noch bezahlt wird, gibt die Stuttgarterin zu.

Dabei kann das Modeln auch harte Arbeit sein, zumal es nicht ihr einziger Job ist. Gewöhnlich steht sie um 4 Uhr auf – "meist nach vier Stunden Schlaf", wie sie lachend verrät – um dann wenig später von 5 bis 9.30 Uhr frohgelaunt die Morningshow des Radiosenders BigFM zu moderieren. "Wenn ich dann nach Hause komme, schlafe ich kurz, ehe es zum Shooting geht. Dann spreche ich mit meinem Management und treffe idealerweise noch Freunde", erzählt sie. Zudem steht etwa dreimal die Woche Sport auf dem Programm. Überhaupt liegen ihr die Themen Fitness und Ernährung am Herzen. "Sport ist wie ein innerer Triumph. Ich fühle mich danach immer besser", meint sie. Neben Joggen und Krafttraining tanzt und klettert die 22-Jährige gern.

"Je absurder, umso mehr Freude habe ich daran"

Und dann gibt es da noch etwas, womit sie unter Models wohl völlig aus der Art schlägt: ihre Doku-Sucht. "Ich bin so ein kleiner Nerd. Je absurder die Dokumentation, umso mehr Freude habe ich an ihr. Vor allem Flugzeuge und Hängebrücken interessieren mich", verrät sie. "Gutes Aussehen und Intelligenz schließen sich nicht aus."

Wie schnell man auf die Optik reduziert werden kann, hat Weippert schon oft erlebt, zuletzt auf der Berliner Fashion Week. "Selten habe ich so viel Plastik und totoperierte Menschen gesehen." Das sei auch der Grund, warum sie immer wieder predige: "Akzeptiert Eure Makel". Weippert ist mit sich selbst im Reinen, doch das war nicht immer so. "Ich wurde in der Schule Breitmaulfrosch genannt und habe mich lange nicht getraut zu lächeln", gibt sie zu. Mittlerweile sehe sie das Positive. "Ich habe ein großes Mundwerk und kann jede Menge essen", sagt sie lachend. "Wichtig ist, dass man die Makel zu seiner Persönlichkeit macht und sie positiv auslegt", erklärt sie.

Dass das gerade in Zeiten von "asozialen Netzwerken", wie Weippert sie gern nennt, schwierig ist, weil viele den Bezug zur Realität verloren hätten, erlebte die Radiomoderatorin am eigenen Leib. Ein 14-jähriges Mädchen hatte sich in einem Kommentar auf Insta­gram über Weipperts ihrer Meinung nach hängenden Brüste lustig gemacht.

Die Radiomoderatorin nahm es zum Anlass, um auf das Thema Bodyshaming aufmerksam zu machen und für mehr Selbstbewusstsein zu appellieren. "Meistens würden diese Leute sich nicht trauen, das einem ins Gesicht zu sagen", sagt sie. Auf den fiesen Kommentar konterte das Model damals ganz gelassen: "Tja, auch meine Brüste sind nicht überirdisch und konnten ’nen Bogen um die Erdanziehungskraft machen. Na und?! Ich fühle mich wohl in meinem Körper und werde mich wegen solcher Nachrichten sicher nicht unters Messer legen". Wenn man es schaffe, die Kritik an sich abprallen zu lassen, wachse man dadurch. Und manchmal helfe eben auch die radikale Lösung: respektlos blockieren.

Weippert ist zudem wichtig, ihre Bodenständigkeit nicht zu verlieren. Dabei hilft ihr ihre Heimat Rottweil. Wenn sie dort ist, schaltet sie das Handy aus. Das hole sie immer wieder auf den Boden der Tatsachen. "Rottweil bedeutet für mich Regeneration, Batterien aufladen", sagt sie. "Dann laufe ich am Neckar entlang, springe durch den Schlamm und genieße die Tatsache, dass es auch andere Gesprächsthemen als Instagram und die Anzahl meiner Follower gibt."