Rottweil

Drittklässler kehren zum Ursprung des Ackerbaus zurück

von Thalia Kühn

Rottweil. Die 22 Drittklässler der Freien Waldorfschule Rottweil haben in dieser Woche Großes vor. Auf ihrem Lehrplan steht das Thema Ackerbau. Dies nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch.

"Die Kinder sollen das Bewusstsein bekommen, dass sie mit ihren Händen etwas Gutes gestalten können. Das hilft ihnen ungemein bei ihrer Entwicklung", erklärt Klassenlehrerin Ulrike Ott-Probst.

Direkt nach den morgendlichen Besprechungen, Begrüßungen und Gedichtvorträgen geht es mit dem Vesper und Picknickdecken aufs Feld. Ein Familienvater ist auch dabei, um den Pflug zu steuern, an dem ein dickes Seil befestigt ist, damit die Acht- und Neunjährigen auch tüchtig ziehen können.

Auf das Kommando "Hüü" ziehen alle gemeinsam, bei "Brr" bleiben die Kinder stehen. Nachdem das ganze Feld von großen Furchen durchzogen ist und die Kinder eine Frühstückspause eingelegt haben, stellen sie sich der Reihe nach auf, um ihre Dinkelsamen zu verstreuen, die sie danach mit Rechen eingraben.

Dass alles relativ reibungslos abläuft, beruht auch auf guten Erfahrungen der Schülerschar im vergangenen Herbst, als ebenfalls ein Feld gepflügt wurde, in dem Gelbsenf gepflanzt wurde.

Die jetzige Aussaat ist allerdings ein größeres Projekt, denn der Dinkel soll, anders als der im Herbst gepflanzte Gelbsenf, nicht als Dünger verwendet, sondern in einem Lehmbackofen zu "Grünkernküchle" verbacken werden. Die Klassenlehrerin berichtet stolz: "Wir haben uns extra für Dinkel entschieden, da er bereits im Juli geerntet werden kann, bevor die Kinder in die Sommerferien gehen."

Kinder freuen sich auf eigenes Brot

Nach der Epoche Ackerbau stehen bei uns die Epochen Hausbau und Handwerk auf dem Lehrplan. So werden die Kinder und ich den Lehmofen nach den Pfingstferien auch selber bauen, bevor wir den Dinkel backen."

Die Drittklässler freuen sich, etwas eigenes erschaffen zu können: "Heute hat es sehr viel Spaß gemacht", Handschmerzen wie beim ersten Durchgang im Herbst will keiner mehr verspürt haben. "Wir freuen uns auf unser eigenes Brot. Hoffentlich schmeckt das gut.", sagen Luca und Emily.

Neben solchen praktischen Projekten vernachlässigen die Kinder aber auch nicht den anderen Schulstoff: "Über Waldorfschulen gibt es ja immer dieses Klischee, dass wir nichts machen, außer unsere Namen zu tanzen, aber meine Schüler können Lesen, Schreiben, lernen Fremdsprachen und wir rechnen momentan im 10 000-er -Bereich. Natürlich kann man auch an der Waldorfschule sein Abitur machen", erklärt Ott-Probst. "Uns sind aber auch praktische Erfahrungen sehr wichtig." Die Wurzeln des Ackerbaus sollen dazu viele Erkenntnisse bringen.