Rottweil

Denkanstöße: Kai Arne Gondlach über das Ende der Geht-nicht-Ära

von Jasmin Cools

Rottweil - 3-D-Fleisch, Gedankenmessung und fliegende Taxis –­ Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise in die Zukunft und zeigt, dass vermeintliche Science-Fiction oft schon Realität ist.

"Sie sind heute zu 17 Prozent krank" – mit diesen Worten könnte das Smartphone einen in gut zehn Jahren wecken und gleichzeitig veranlassen, dass der passende Bakteriencocktail zur Genesung gemixt wird. Klingt komisch, ist aber sehr wahrscheinlich, meint Kai Arne Gondlach, Zukunftsforscher bei "2b Ahead", einem der größten deutschen Trendforschungsinstitute. Die Entwicklungen, die er prognostiziert, sorgen bei den Zuhörern im Kraftwerk in Rottweil für unterschiedliche Reaktionen: mal für Lacher, mal für Skepsis, auch Entsetzen, aber vor allem für Faszination für das ungewisse Neue, das näher ist, als viele es vermuten.

"Veränderungen passieren immer schneller", sagt Gondlach. Das liege vor allem am exponentiellen Wachstum der Computerleistung. Dass man Veränderungen oft skeptisch gegenüberstehe, habe einen einfachen Grund: "Menschen denken linear. Veränderungen werden gern ignoriert oder abgelehnt", erklärt Gondlach. "Geht nicht" hieß es früher, heute entwickle sich die Generation "Rulebreaker" (Regelbrecher). Grenzen gebe es nicht mehr, weil immer mehr möglich werde. Man befinde sich in der vierten industriellen Revolution. "Das ist das Ende der Geht-nicht-Ära."

Maschinen übernehmen Entscheidungen

Vieles ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern schon Realität. "Die Cyborgs werden immer mehr", sagt Gondlach, meint damit aber nicht den Terminator. Implantierte Chips werden immer mehr Aufgaben für die Menschen übernehmen, sagt er. Das reiche von der personalisierten Medizin, also der Erfassung von Werten im Blut zur Diagnose bis zu Organen aus dem 3-D-Drucker.

Ein Mann namens André Choulika sei ein "Bio-Hacker", der Fehler in der DNA durch gezielte Optimierung beseitige. "Biologie wird zu Technologie", meint Gondlach und fragt zum Publikum gewandt: "Wissen Sie schon, was Sie Ihrem Partner zum 300. Geburtstag schenken?". Der Körper werde immer mehr optimiert, das Leben verlängert. Genmanipulation könne das Altern der Zellen stoppen. "Jetzt Geborene werden laut Statistik schon 100 Jahre alt. So wird das weitergehen", ist sich Gondlach sicher.

Und er gibt weitere Ausblicke: Fleisch kommt bald aus dem 3-D-Drucker, ein Nährstoff-Drink ersetzt das Essen, und viele "Alexas" übernehmen immer mehr Entscheidungen. Erschreckend? Nein, laut Gondlach gewünscht. "Der Anteil der Menschen, die Entscheidungen delegieren wollen, wächst."

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg arbeite an einem Headset, das Gedanken in Text überträgt. "Emotions- und Gedankenanlayse werden Assessment Center ersetzen." Und im Berufsleben wird sich laut Referent noch mehr verändern. "Dezentrale automatisierte Organisationen ersetzen Unternehmen und Maschinen betreiben Handel. Es ist das Ende der Experten. Selbst der komplizierteste Job ist programmierbar", sagt Gondlach. Statt Politiker treffen in der Zukunft Maschinen die Entscheidungen, die Daten, Muster und Taktiken in Sekunden analysieren, meint er.

Verändern werde sich auch, wie man von A nach B kommt. Autonome Fahrzeuge mit einem integrierten Büro oder Bett – "man zahlt nicht mehr für die Fahrt, sondern für die Ausstattung" – und fliegende Drohnen-Taxis sind längst kein Hirngespinst mehr. Kai Arne Gondlach ist am Ende vor allem eine Erkenntnis wichtig: dass Zukunft eine Frage der Perspektive ist – nicht ignorieren oder beobachten, sondern machen.

Mehr Informationen:

Die Reihe "Denkanstöße" im Kraftwerk in Rottweil wird nach der Sommerpause am Mittwoch, 12. September, fortgesetzt. Dann referiert der Schauspieler, Ermutiger und Überlebensberater Johannes Warth zum Thema: Die Kunst der freien Rede. "Denkanstöße" wird unterstützt von der Volksbank Rottweil, Schwarzwald Energy und der trend factory. Weitere Informationen im Internet unter www.denkanstoesse.schwarzwaelder-bote.de oder Telefon 089/21837310.

Seite 2: Stimmen zum Vortrag

Uwe Beckmann, Sülzle Holding, Rosenfeld

Ich freue mich, bei den "Denkanstößen" in dieser eindrucksvollen Location dabei zu sein. Gondlach hat uns in Zeiten, in denen die Digitalisierung das private und geschäftliche Umfeld rasant verändert, einen spannenden Ausblick geboten.

Beate Fleiner, Zollernalbklinikum Balingen

"Denkanstöße" ist eine tolle Plattform für gute Gespräche in einer beeindruckenden Location. Manches aus dem Vortrag war mir, gerade im medizinischen Bereich, bekannt, aber es ist doch erstaunlich, wie nah die Zukunft schon ist.

Philipp Dengler, Dengler Land- und Haustechnik, Altensteig

Für mich war es das erste Mal bei den "Denkanstößen" –­ einfach toll. Ich habe viele Eindrücke mitgenommen. Es ist wichtig, die Entwicklungen im Auge zu behalten.

Jana Bonig, FreudenStadtMarketing, Freudenstadt

Ich beschäftige mich oft mit Veränderung und versuche, mir die Zukunft vorzustellen. Die Geschwindigkeit der Entwicklungen wird die größte Herausforderung für uns sein.

Patrick Schreib, Baiersbronn Touristik, Baiersbronn

Für mich war besonders interessant, wie viel "aus der Zukunft" schon Realität ist. Es zeigt, dass wir in Unternehmen keine starren Hierarchien brauchen, sondern Talente für gute Impulse.

Holger Finkbeiner, Wüstenrot Immobilien, Ludwigsburg

Es war eine super Veranstaltung mit unglaublichen Visionen, bei denen man kaum glauben kann, dass es so weit kommt. Für mich stellt sich die Frage, wie wir in 25 Jahren wohnen.

Katrin Stockinger, Börlind, Calw

Ich fand es toll und spannend, Einblicke in die Zukunft zu bekommen. Wir haben keine Wahl, können uns aber darauf einlassen und einen Weg finden.

Alexandra Sell, Hotel Concorde, Donaueschingen

Ich bin zum dritten Mal dabei, der heutige Vortrag hat mich nachdenklich gestimmt. Er war aber auch wahnsinnig inspirierend. Ich mache mir vor allem Gedanken um die Währung der Zukunft.

Simone Hettich, Blumen Längle, Dunningen

Der Vortrag war spannend, interessant, einfach klasse. Der Zukunftsausblick war aber auch ein bisschen beängstigend. Ich hoffe, dass die Zeit nicht zu schnell davonläuft.

Patrick Henselmann, Plana Küchenland, Bad Dürrheim

Der Denkanstoß war sehr inspirierend, mein Zettel ist komplett voll. Das animiert mich, selber zu den Chancen und Risiken der Zukunft zu recherchieren.

Monika Hölzle, Johann Hölzle GmbH, Villingen

Phänomenal – ich bin total begeistert. "Denkanstöße" ist eine herausragende Veranstaltung, ein wirklich erfrischendes Event, das einen aus der Arbeitswelt herausreißt und zum Nachdenken anregt.

Philipp Prinz, Betten Prinz, Balingen

Die Zukunft ist spannender, als man es sich vorstellt. Ich nehme aus dem Vortrag mit, dass man sich von alten Gedanken lösen muss, um zukunftsfähig zu sein.