Rottweil

Denkanstöße: Aus "To-do" mach "Tu-Du"

von Natascha Kübler

Rottweil - Klassisches Zeitmanagement bringt einen nicht weiter? Die To-do-Listen werden nie kürzer? Cordula Nussbaum weiß, was in diesem Fall hilft. Eine "Tu-Du-Liste" zum Beispiel – also das Delegieren von Aufgaben.

"Wie oft sagen Sie sich am Ende vom Tag: Mist, ich habe nicht alles geschafft, was ich wollte?" Cordula Nussbaum steht auf der Bühne im Kraftwerk in Rottweil und wendet sich direkt an das Publikum der "Denkanstöße". Die Referentin und Bestsellerautorin macht von Anfang an ihres Vortrags zum Thema Zeitmanagement klar: Sie ist kein Übermensch, hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie ihre rund 500 Zuhörer. Auch sie sei früher verzweifelt vor einer To-do-Liste gesessen und mit dem Abarbeiten nicht hinterhergekommen. Damals habe sie gedacht, für sie sei "Hopfen und Malz" verloren. Dann habe sie aber begonnen, sich mit dem Thema Zeitmanagement und der Psychologie dahinter zu beschäftigen.

Für kreative Chaoten sind klassische Listen Stress statt Stütze

Nussbaums Credo ist heute: Die Menschen sollten die Zeit nicht mit Aufgaben verschwenden, für die ihnen die "Skills", die Talente, fehlen. So bewege sich jeder zwischen vier Welten. Zu Ihnen hat die ehemalige Journalistin Namen und Persönlichkeiten erfunden: Igor Ideenreich, Hanny Herzlich, Otmar Ordentlich und Annaliese Logisch. Igor sei kreativ und probiere gerne Neues aus, Hanny sei sozial und ein Teamplayer, Otmar strukturiert und systematisch und Annaliese analytisch sowie kalkuliert.

Nun stecke in jedem Menschen etwas von den vier Persönlichkeiten, jedoch seien zwei davon dominant. "Je nach Präferenz geht man unterschiedlich ans Zeitmanagement heran." Systematisch-analytische Menschen kämen mit klassischen Listen gut klar. Kreativ-chaotische Persönlichkeiten hätten damit aber Probleme. "Dann erzeugen Zeitpläne eher Stress", erklärt die Referentin. Für sie könnten spezielle Apps oder Programme – entkoppelt vom Kalender – sinnvoller sein.

"Lösen Sie sich von den Urteilen anderer", fordert Nussbaum ihre Zuhörer auf. Was für den einen richtig sei, sei für den anderen falsch. Wichtig sei zu erkennen, welche Talente in einem steckten und sich auf diese zu konzentrieren. Die Zeitexpertin schlägt eine "Tu-Du-Liste" vor, bei der erörtert wird, welche Aufgaben an andere abgegeben werden können, die Aufforderung "Tu Du" an andere gerichtet werden kann.

Die sympathische, offene Art, ihre lebhafte Mimik – die Referentin hat das Publikum auf ihrer Seite. Sie erntet Lacher an den richtigen Stellen und die Gäste sind engagiert, wenn es darum geht, bei kleinen "Experimenten" mitzumachen.

Etwa als das Publikum den Auftrag bekommt, darüber zu diskutieren, wie der Inhalt einer großen Wasserflasche in ein kleines Glas gefüllt werden kann. Im Hintergrund läuft eine Zeituhr, die Zuhörer diskutieren rege in Kleingruppen. Die Auflösung ist dann unerwartet: "Es geht nicht." Die Aufgabe sei nicht lösbar, erklärt die Expertin. Und genau so sei das auch im Leben. Man müsse sich manchmal eingestehen, dass das Pensum an Aufgaben einfach zu groß sei, und sich von dem Anspruch lösen, alles alleine schaffen zu können. Und dieses Umdenken habe jeder selbst in der Hand.