Rottweil

Autos fahren mitten durch Fronleichnamsprozession

von (au/wis)

Rottweil - Wie kann es sein, dass Autos mitten in einer Prozession mitfahren? Wo bleibt die polizeiliche Absperrung? Mit heftigem Unmut lassen Bürger seit Tagen unerfreuliche Begleiterscheinungen bei Fronleichnamsprozessionen nochmals Revue passieren.

Insbesondere in der Stadt Rottweil und in Rottweil-Altstadt legten Autofahrer gegenüber dem Prozessionsgeschehen augenscheinlich eine völlige Ignoranz an den Tag. Einerseits offenbar, um möglichst zügig voranzukommen, egal, was sich ihnen gerade so in den Weg stellt. Andererseits war teilweise wohl auch eine große Portion Unwissenheit der Taktgeber für manches forsche Vorantasten inmitten der langsam dahinschreitenden Menschenansammlung.

So bedeutete in Rottweil-Altstadt ein kaum zu bremsender Zeitgenosse aus dem Auto heraus, während er dabei aufgeregt auf seine Armbanduhr tippte, er habe einen Termin. Als ihm ein Prozessionsteilnehmer klarmachte, dass wohl noch viele andere Straßen zu seinem Treffpunkt führen und er nicht einfach mal so durch eine kulturelle Veranstaltung brausen könne, murmelte der Mann zwar "Entschuldigung", ließ sich dann aber trotzdem nicht davon abhalten, den direkten Weg fortzusetzen. Immerhin wartete er ab, bis die Teilnehmer weitgehend in die Armlederanlage eingebogen waren.

In Rottweil-Stadt übte vor allem der Fahrer eines blauen Kastenwagens wenig Nachsicht und drängte dadurch Clemens Berger mit seiner Stadtkapelle völlig an den Straßenrand. Bei solcher Dreistigkeit hätte Polizeipräsenz wahrhaftig gutgetan.

Kommentar: Ungeniert

Von Winfried Scheidel

Wo ist denn nur die Polizei geblieben? Weil sich Autofahrer an Fronleichnam ungeniert und dreist durch Prozessionen einen Weg zu bahnen versuchten, ist der Unmut nicht nur bei den Teilnehmern dieser im süddeutschen Raum auch heute noch mit großer Hingabe im öffentlichen Straßenraum zelebrierten Glaubensbekenntnisse groß.

Selbst Beobachter am Straßenrand registrierten mit Kopfschütteln, wie verschiedene Autofahrer den bedächtig voranschreitenden Prozessionsteilnehmern den Weg zu nehmen versuchten. Vermutlich in ähnlicher Manier, wie eine die Straße querende Schafherde aufs Korn genommen würde.

Wieso auf die ordnende Hand der Polizei in diesem Jahr verzichtet werden musste, ist im Moment noch eine offene Frage. Völlig klar ist hingegen, dass auch bei solchen Veranstaltungen staatlich autorisierte "Wegweiser" unverzichtbar sind.