Rottenburg

Plan für Penny-Supermarkt heftig umstritten

von Daniel Begemann

Rottenburg-Wurmlingen - Bange Minuten durchleben die Wurmlinger im Rottenburger Gemeinderat. Zwei Tage nach dem Bürgerentscheid um das Gewerbegebiet Herdweg sind einige Räte plötzlich auch nicht mehr mit einem Lebensmittelmarkt inklusive großen Parkplatzes in Wurmlingen einverstanden. Die Kritiker ziehen nach einer emotionalen Diskussion aber den Kürzeren.

"Die Zeiten ändern sich", heißt es von einer ganzen Reihe von Gemeinderäten nach dem Bürgerentscheid, bei dem sich 70 Prozent der Rottenburger gegen ein kernstadtnahes Gewerbegebiet entschieden hatten. Die Bürger hätten der Politik mit ihrem Votum aufgetragen, genau auf den Flächenverbrauch zu achten. Der Zorn einiger Räte entzündet sich am geplanten Lebensmittelmarkt in Wurmlingen: ein eingeschossiger Penny-Markt mit 1164 Quadratmetern Nutzfläche, davon 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und mindestens 70 Parkplätze. Entstehen soll der Markt am Ortsausgang Richtung Hirschau, schräg gegenüber der Uhlandhalle. Der Wurmlinger Ortschaftsrat hatte dem Vorhaben einstimmig zugestimmt.

Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU) sagt: "Seit zehn bis 15 Jahren suchen wir einen Lebensmittelmarkt für Wurmlingen." Jetzt sei man froh, dass das Unternehmen Rewe mit einem Penny-Markt Interesse hat. Die Stadt müsse lediglich den Flächennutzungsplan ändern, Rewe übernehme die Planungskosten und beauftrage die Erstellung eines Naturschutzgutachtens. Auch Wurmlingens Ortsvorsteher Georg Schöllkopf wohnt der Sitzung bei und sagt: "In einer Umfrage ist ein Lebensmittelmarkt der größte Wunsch der Wurmlinger Bürger. Wir werden uns die Zuwege zum Markt genau überleben und eine Bushaltestelle am Supermarkt einrichten." Auch die Hirschauer wünschen sich einen Supermarkt und könnten nach Wurmlingen zum Einkaufen kommen. Zudem kann Rewe an dem Standort mit zahlreichen Kunden von der Hauptverkehrsader zwischen Tübingen und der B 28a rechnen.

Doch einige Räte stören sich vor allem an dem großflächigen Parkplatz. Könne man nicht eine Tiefgarage bauen oder nur 50 statt 70 Parkplätze anlegen? Außerdem sei es eine Verschwendung, den Markt nur eingeschossig zu errichten. Vielmehr sollten über dem Markt beispielsweise noch Wohnungen entstehen. Im Trend liege auch "urban gardening".

Salat und Bohnen auf dem Dach

Auf dem Dach könnten Salat und Bohnen angebaut werden. Der OB sieht sich vor allem mit einem Vorwurf konfrontiert: Die Stadt sei beim Thema Flächenverbrauch nicht konsequent genug. Die Ja-Fraktion verweigert ihre Zustimmung zum Lebensmittelmarkt: "Nach dem Ergebnis vom Bürgerentscheid enthalten wir uns. Beide Seiten haben gute Argumente", sagt deren Vorsitzender Christian Biesinger.

Nicht nur Ortsvorsteher Schöllkopf ärgert sich über den Widerstand. Er sagt: "Wir sollten das Votum des Bürgerentscheids nicht dazu nutzen, alles zu zerreden." Den Bürgerentscheid zum Anlass zu nehmen, einen Lebensmittelmarkt zu verhindern, schieße am Ziel vorbei, sind sich anderen Räte einig. Wenn man im Gemeinderat damit rechnen müsse, dass zu den Plänen der Ortschaftsräte Nein gesagt wird, könne man die Ortschaftsräte gleich abschaffen. Die Uneinigkeit im Rat regt einen Rat gar so auf, dass er sagt: "Wenn das die Zukunft des Gemeinderats ist, dann gnade euch Gott! Das ist ein Realitätsverlust in der Stadt."

Neher weißt den Gemeinderat lediglich darauf hin, dass die Stadt keinen Supermarkt plane, sondern Rewe lediglich zu- oder absagen könne. Falls Rottenburg Nein sage, baue das Unternehmen den Markt eben woanders. Davon abgesehen warte in Wurmlingen auch sonst niemand auf 1000 Quadratmeter Gewerbefläche.

Rettung bringt den Wurmlingern am Ende die Abstimmung: Die Mehrheit des Gemeinderats stimmt dem Bebauungsplan Lebensmittelmarkt zu. Sechs Räte enthalten sich, nur zwei stimmen dagegen.