Rottenburg

Musik und Medizin – beides beherrscht er mit Herz und Seele

von Marly Scharnowski

Rottenburg. Die Hoffmeister-Gesellschaft Rottenburg beschloss, die zweite Hoffmeister-Medaille zu verleihen; die erste erhielt Winfried Löffler vor zwei Jahren. Nun wurde die seltene Auszeichnung an Karl Friedrich Baur verliehen.

Den festlichen Rahmen eröffnete die Orchestervereinigung der VHS Rottenburg unter Leitung von Johannes Steiner mit Flötenmusik von Franz Anton Hoffmeister (1754-1812), brillant gespielt von Valerio Fasoli an der Querflöte. Bürgermeister Thomas Weigel begrüßte die Anwesenden, herzlich den Alt-OB Winfried Löffler, sowie Gemeinderäte. "Obwohl ich erst seit 1988 in Rottenburg bin, ist die Entwicklung der Kunst stetig und qualitativ gestiegen, früher gab es eben nur traditionelle Vereine, hin und wieder ein Konzert, das Waldhorn-Kino und selten geöffnete Museen. Kultur ist das Salz in der Suppe des Lebens."  Dass sich Rottenburg auch als Kulturstadt mausert, trotz des großen Schattens von Tübingen, liegt nicht zuletzt an Baur.

Volker Kracht, der Vorsitzende der Hoffmeister-Gesellschaft verlas die Laudatio. Baur hat viel in der Kulturszene bewegt, er gleicht damit Hoffmeister, mehrspurig als Musiker und Arzt, beides beherrscht er mit Herz und Seele. Als Kind war er schon wählerisch mit was er sich beschäftigt, seine Eltern waren großzügig und verständnisvoll, sie haben ihn unterstützt. Er begann wie die meisten Kinder mit der Blockflöte in der Schule, es folgten Zither, Gitarre, Violine, Geige und Saxofon.

Karl-Friedrich Baur stellte sich locker an das Mikrofon. So viel Lob und Anerkennung findet er "etwas übertrieben". Für ihn sind bürgerliches ehrenamtliches Engagement und Mitarbeit ein wichtiges Anliegen. Er bemerkte noch trocken: "Ich wurde eigentlich aus Versehen Vorsitzender des Kulturvereins Zehntscheuer. Herr Löffler hat mich eingeladen, damals war noch Rudolf Stemmler Bürgermeister, zur Sitzung, beziehungsweise Wahl zu kommen, da ging ich halt mal hin. Das Thema war Kunst. Meine Aussage: Ein paar Bilder an der Wand, Musikkapellen die sich in neuen Noten üben, und neue Musik die weder Melodie noch Noten kennt, sind nicht mein Ding, da mach ich nicht mit. Ich stellte meine Linie klar: Kunst ist für mich Kunst." Ute Berger habe ihn angestoßen und aufgefordert sich zur Wahl zu stellen. "Das machte ich und wurde zu meinem Erstaunen gewählt."

Der allgemeine Tenor des Geehrten: "Es geht um inhaltliche Akzente die qualitativ hochwertig sein müssen, wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass auch eventuell die dritte oder vierte Besetzung die Beste ist, es soll keine reine Unterhaltung sein, Kunst – politisch? Das ist ein zu hohes Gut für Amateure und Populisten."

Baur beendete die Festivität mit dem Stück "Crystal Silence", er an der Querflöte, am Jazz-Piano Habib Benedikt Elias. Dafür gab es viel Applaus und Standing-Ovations. Danach stand alles im Zeichen des entspannten Plauderns bei Häppchen und Getränken.