Rottenburg

Martinihaus liefert sozialen Beitrag

von Angela Baum

Das Rottenburger Martinihaus feierte am Sonntag mit vielen hundert Gästen sein 150-jähriges Bestehen. Einem Festgottesdienst im Weggental mit über 200 Besuchern schloss sich ein Festakt in der Kapelle des Martinihauses an.

Rottenburg. Beim Festakt gab es zahlreiche Grußworte und Prälat Werner Redies hielt den Festvortrag zur Geschichte der Internate. Der Chor des Martinihauses umrahmte den Festakt gemeinsam mit einem Orchester der Schüler des Sankt-Meinrad-Gymnasiums sowie mit jungen Musikern des Eugen-Bolz-Gymnasiums.

Stiftungsdirektor Bernd Gräf begrüßte die Festgäste und betonte, dass das Martinihaus von der Kooperation mit anderen Schulen lebt. Gräf begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter Stiftungsrat Martin Lämmert, Hartmut Dreher und Ute Augustyniak-Dürr sowie Vertreter der Partnerschulen in Rottweil, Ehingen und Bad Mergentheim.

Durch Testament gestiftet

Bischof Gebhard Fürst betonte, dass das Rottenburger Martinihaus fast ebenso alt sei wie die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Prälat Werner Redies zeichnete in seinem Festvortrag die Geschichte und Entwicklung der Internate nach. Bereits im mittelalterlichen Frankreich habe es Internate gegeben. Für junge Menschen aus ärmeren Schichten seien Internate früher die einzige Möglichkeit gewesen, sich höhere Bildung anzueignen. Im Jahr 1858 sei durch ein Testament von Dekan Hofmeister der Grundstein des Martinihauses gelegt worden. Neun Jahre später zogen die ersten 35 Schüler ein – damals habe es 73 Bewerbungen für die Internatsplätze gegeben.

Heute nimmt das Martinihaus maximal 50 Schüler auf. Zudem wird ein offener Mittagstisch geboten, den auch Senioren gerne annehmen, wie Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher erklärte. Neher meinte, man habe es immer noch nicht geschafft, Bildungsgleichheit in Deutschland herzustellen. Das Martinihaus ersetze den Kindern zwar nicht das Elternhaus, aber liefere, so Neher, einen sozialen Beitrag zum Leben der Menschen in Rottenburg. Auch er selbst sei Internatsschüler gewesen, dies sei die schönste Zeit seines Lebens gewesen.

Helfer in der Raumnot

Für das Sankt-Meinrad-Gymnasium und die Carl-Joseph-Leiprecht-Schule war das Martinihaus vor Jahren ein Helfer in der Raumnot, wie der Schulleiter der Carl-Joseph-Leiprecht-Schule, Thomas Müller sowie Peter Scheiger als Schulleiter des SMG betonten.

Regierungspräsident Klaus Tappeser, Klaus Hilbert als Geschäftsführer der Marchtaler Internate sowie Achim Wicker und Andreas Nick von der Martinusgemeinschaft sprachen ebenfalls Grußworte.

Am Nachmittag gab es dann im Musischen Internat ein buntes Unterhaltungsprogramm, bei dem der aus dem Fernsehen bekannte Antik-Experte Albert Maier die Raritäten von Rottenburgern schätzte. So wurden Maier verschiedene Gemälde gezeigt, unter anderem aus den 1930er-Jahren, die der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden können. 800 Euro schätzte Maier den Wert des Bildes.

Mehr Glück hatte ein Ehepaar, welches eine Fabergé-Nachbildung präsentierte. Der Becher sei in St. Petersburg hergestellt worden, wusste Maier. Der Eigentümer hatte den Emailbecher für 6000 Mark bei einem Auktionshaus erworben und wollte nun wissen, wieviel das gute Stück heute Wert ist.

Eine Frau hatte zudem Putten und Dekomaterial dabei, dieses sei aber quasi wertlos, so der Antikexperte.